Verkehrsplanung in Flensburg : Neuer Radweg viel zu teuer

Dringender Sanierungsbedarf: Der Radweg an der Apenrader Straße wird erneuert, die Ostseite der Schleswiger Straße indes bleibt ohne Radweg.
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Dringender Sanierungsbedarf: Der Radweg an der Apenrader Straße wird erneuert, die Ostseite der Schleswiger Straße indes bleibt ohne Radweg.

Ausschuss kassiert Planung für die Schleswiger Straße / Baubeginn für mehrere Projekte in diesem Jahr

shz.de von
26. Januar 2018, 07:44 Uhr

Es war nur ein dummer Zufall: Direkt nach dem Beschluss, den Anteil des Fahrrad-Verkehrs in Flensburg massiv zu erhöhen (Masterplan Mobilität), kassierte der Umwelt- und Planungsausschuss den Bau eines neuen Radwegs an der Ostseite der Schleswiger Straße. Hier müssen die Radfahrer also auch in Zukunft auf dem vorhandenen Geh- und Radweg an der Westseite fahren, sowohl stadteinwärts als auch stadtauswärts.

Zähneknirschend sah sich der Ausschuss veranlasst, diesen Beschluss zu fassen, weil sich die Kosten für diesen Radweg plötzlich mehr als verdoppelt hatten – von ursprünglich 280 000 auf 575 000 Euro. Das liegt am Allee-Charakter der Schleswiger Straße im Bereich zwischen Liebigstraße und Eckernförder Landstraße. Zum Schutz der Bäume könne hier kein normales Fundament gebaut werden, erläuterte Joachim Kaulbars, Umweltexperte aus der Stadtplanung, stattdessen müsse ein Fundament auf massiven Schrauben gebaut werden, das erheblich teurer sei. Auch müssten im Zuge des Radwegbaus neun Einfahrten auf besagtem Abschnitt erneuert werden.

Und es gibt weitere Schwierigkeiten. Ein nur Richtung Innenstadt zu befahrender Radweg muss 1,60 Meter breit sein; der darf dann aber nicht von Fußgängern benutzt werden. Da hier aber Fußgänger unterwegs sind, wie ein Trampelpfad auf dem vorhandenen Grünstreifen vermuten lässt, regte die Verwaltung an, auf zwei Meter zu verbreitern. Das würde weitere 60 000 Euro Mehrkosten verursachen und hätte den Nachteil, dass der Weg dann kein Radweg mehr wäre, sondern ein Gehweg, auf dem Radfahren erlaubt ist. Das heißt aber, dass Radfahrer auch auf die hier oft sehr stark befahrene Straße ausweichen dürfen.

Warum diese wichtige Einfallstraße ins Zentrum überhaupt auf einem längeren Abschnitt weder Geh- noch Radweg hat, blieb offen. Der Ausschuss sah jedenfalls keine andere Möglichkeit, als die Planung vorerst zu stoppen und die dadurch frei werdenden Mittel für ein anderes Radweg-Projekt einzusetzen. Hierfür werde die Verwaltung im Februar „einen qualifizierten Vorschlag machen“, so Stadtsprecher Christian Reimer.

Der kombinierte Geh- und Radweg an der Westseite der Schleswiger Straße ist überwiegend gut ausgebaut und ausreichend breit. Er habe aber auch Engstellen, mahnte Joachim Kaulbars. Für einen Schutzstreifen auf der Straße sei die Fahrbahn nicht breit genug.

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