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Geschenktipp : Neuer Jazz mit Flensburger Wurzeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gitarristen Arne Jansen und Christoph Oeding sowie die Sängerin Tine Bruhn legen neue Alben mit spannender Musik vor.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2013 | 10:55 Uhr

Vor einem halben Jahr hat der Flensburger Gitarrist Arne Jansen ein Bekenntnis abgelegt, in Form einer Hommage an den spanischen Maler Francisco de Goya, dem er sein Album „The Sleep of Reason – Ode to Goya“ widmet. Es ist die dritte CD des in Berlin lebenden Jazz-Musikers – ein Versuch, die Bilderwelt des genialen, in seiner zweiten Lebenshälfte gehörlosen Künstlers in Noten zu gießen. Das Experiment darf man als überwiegend gelungen bezeichnen. Arne Jansen ist in seinem Spiel deutlich gereift, und die Maßnahme, sein Trio mit Schlagzeuger Eric Schaefer und Bassist Andreas Edelmann durch den vielseitigen Keyboarder Friedrich Paravicini, Cellist Stephan Braun und Nils Wülker (Flügelhorn auf einem Track) zu ergänzen, ist den komplex angelegten Kompositionen sehr zuträglich. Jansen geht es sanft an (wie beim Opener „Still Learning“ oder „Golden“), mag es aber auch rockig („Pilgrimage“, „Tauromaquia“); herausragend seine Coverversion von U2’s „Love Is Blindness“, ein Sechs-Minuten-Stück, das sich langsam aufbaut und klangmalerisch in die Gehörgänge windet. Auch an „Brothers In Arms“ von den Dire Straits versucht er sich. Offen bleibt hier allerdings der Zusammenhang mit Goya. „Mich fasziniert an ihm“, sagt Arne Jansen, „dass er im Laufe seines Lebens immer mehr bei der Essenz dessen ankommt, was für ihn Menschsein bedeutet.“ Ein spannender Dialog!
Einen Dialog ganz anderer Art führt ein weiterer aus Flensburg stammender Gitarrist: Christoph Oeding, feinsinniger Lyriker der Jazzgitarre und gelegentlicher Duo-Partner von Ulf Meyer, hat mit der Sängerin und Pianistin Kathrin Carbow das Album „Harvest Moon“ eingespielt, das vor allem eines ist: unglaublich ruhig und bisweilen getragen. Viel Mut zu langen Pausen und viel Luft zwischen den Tönen zeichnen die Arrangements aus, in denen meist die klare, vibrato-arme Stimme von Kathrin Carbow dominiert und Christoph Oeding sich oft auf die Rolle des feinfühligen Begleiters beschränkt. So spielt er etwa in „Soldier in the Rain“ minutenlang die gleiche einfache Tonfolge, womit eine fast schon hypnotische Wirkung entsteht. Sein unnachahmlicher, lyrischer Stil fällt vor allem in den von ihm geschriebenen Instrumentals auf, wie etwa dem „Crane Song“ oder im Titelstück „Harvest Moon“. Mit „Dear Diary“ kam ein Stück des schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson auf das Album.

Tine Bruhn ging schon vor ein paar Jahren nach New York und versucht, in der dortigen Jazz-Szene Fuß zu fassen. Zusammen mit dem Pianisten Johnny O’Neal hat sie sich auf dem Album „Nearness“ einigen Jazz-Standards genähert und sie neu interpretiert. Das Ergebnis kommt sehr leicht und locker daher; die Flensburgerin mit dänischen Wurzeln und der Amerikaner aus Detroit finden, obwohl sie völlig unterschiedliche Wege gegangen sind, sehr gut zueinander und spielen die Songs, die man schon gefühlt hundert mal gehört hat, mit großer Frische und viel Verve. Songs wie „I’ll Be Seeing You“, „The Nearness of You“ und „My Foolish Heart“ kann man halt immer wieder hören. Angereichert wird der intime Duosound durch Stacy Dillard am Tenor-Saxophon.

 

> Arne Jansen, The Sleep of Reason, ACT

> Tine Bruhn & Johnny O’Neal, Nearness, Burner Records

> Kathrin Carbow & Christoph Oeding, Harvest Moon, ohne Labelangaben

 

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