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Börsenkeller : Neuer Glanz für eine Perle der Altstadt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Große Straße 77: Die Eigentümerin bemüht sich, mit Hilfe von Zuschüssen um die aufwendige Restaurierung eines alten Hauses

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Hella Schlegelberger erinnert sich noch gut an ihre Jugendjahre am Nordermarkt. „Hier gab es alles“, sagt sie und zählt Geschäfte auf, die heute kaum noch jemand kennt kennt. Von 1942 bis 1952 hat die Flensburgerin, die damals noch Rerup hieß, im Haus Große Straße 77 gewohnt – „bis ich geheiratet habe“. Heute gehört ihr ein Viertel des Gebäudes, das Flensburger vor allem wegen seiner Nutzung im unteren aller Geschosse kennen: Da liegt der „Börsenkeller“.

Noch heute fühlt sich Hella Schlegelberger dem 1869 gebauten Haus verbunden, und darum bemüht sie sich um die Restaurierung der repräsentativen Räume im ersten Obergeschoss. Unterstützt wird sie dabei vom örtlichen Denkmalpfleger Eiko Wenzel, doch auch Kiel ist schon auf das Schmuckstück aufmerksam geworden: „Mit insgesamt 116  000 Euro hat das Landesamt für Denkmalpflege die aufwendigen Holzarbeiten unterstützt“, so Wenzel. Jetzt hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz einen Förderbescheid über 15  000 Euro vorbei gebracht.

Die Bedeutung des Hauses Große Straße 77 könne aus denkmalpflegerischer Sicht gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, sagte Wenzel weiter. Die aufwendig gestaltete Ziegelfassade stehe für einen Wendepunkt in der Flensburger Baugeschichte. Bis 1864 sei in Flensburg überwiegend im spätklassizistischen Stil mit dänischem Geist gebaut worden; das Haus Nr. 77 sei das erste bedeutende Gebäude im preußischen Stil gewesen. Die Hannoversche Schule stehe hier Pate, der Architekt Johannes Otzen habe fünf Jahre nach dem deutsch-dänischen Krieg damit auch Mut zu Neuem und Optimismus ausgedrückt. Otzen ist in Flensburg vor allem bekannt als Architekt des alten Türmchen-Zob, der in den 50er Jahren abgerissen worden war.

Die Fassade des Hauses an der Großen Straße kannte jeder, doch erst 2013 entdeckten die Denkmalpfleger die wertvolle Innenausstattung. Der Speisesaal mit seinem kunstvoll gestalteten Fußboden und der Wandtäfelung sowie einer der ersten Zentralheizungen der Stadt erstrahlt heute in neuem Glanze. In einem der Vorderräume hat der Tischler Christian Schäfer mit seinen Leuten die Wandtafeln ergänzt. Restaurator Marek Filipiak hat alte Farbschichten und Tapeten freigelegt: „Fast 90 Prozent der Originalarbeiten sind noch vorhanden.“

Noch nicht in Angriff genommen wurde das Hinterhaus; hier ist sowohl eine gewerbliche als auch eine Wohnnutzung möglich. Im Erdgeschoss war einst die erste öffentliche Filiale der Flensburger Spar- und Leihkasse untergebracht; dies gilt als Grund für den Namen „Börsenkeller“.

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