Flensburg und Umland : Neuer Coup gegen Drogendealer

Festnahme am Dienstagabend in Jarplund: Ein Verdächtiger wird von Ermittlern fixiert, er wurde gestern dem Haftrichter vorgeführt. Fotos: Benjamin Nolte
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Festnahme am Dienstagabend in Jarplund: Ein Verdächtiger wird von Ermittlern fixiert, er wurde gestern dem Haftrichter vorgeführt. Fotos: Benjamin Nolte

Großrazzia und drei Festnahmen in Flensburg und Umland: Cannabis, Waffen, Bargeld und Schmuck sichergestellt

Gunnar Dommasch von
05. Juli 2018, 07:29 Uhr

Böse Überraschung: Es war sechs Uhr morgens, als die Flensburger Staatsanwaltschaft mehrere Verdächtige aus dem Bett holen ließ. Ohne es zu ahnen, waren sie schon seit geraumer Zeit ins Visier der Fahnder geraten. 300 Beamte schlugen gleichzeitig zu. Sie durchsuchten zahlreiche Wohnungen und Geschäftsräume – 37 in Flensburg, unter anderem in der Angelburger, Harrisleer und Dorotheenstraße; darüber hinaus in Hamburg und einer nicht näher bezeichneten Ortschaft in Nordfriesland.

Am frühen Nachmittag dann die Erfolgsmeldung: Die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift habe zwei regional im Drogenhandel agierende Gruppierungen zerschlagen.

„Seit Februar 2018 wird gegen die betroffenen Personen wegen schwunghaften Drogenhandels ermittelt“, erklärte Sandra Otte, Sprecherin der Polizeidirektion Flensburg. Die Ermittlungen hätten Erkenntnisse zutage gefördert, die Strukturen des Täterkreises und Geschäftswege aufdeckten, die bis September 2017 zurückführen.

Die Polizei spricht von einem groß angelegten Einsatz gegen Drogenkriminalität, dessen Ausbeute in der Tat beachtlich ist: Ein 23-jähriger Flensburger wurde im Stadtgebiet festgenommen. Er soll heute einem Haftrichter vorgeführt werden. Neben umfangreichem Beweismaterial stellten die Ermittler mehr als 25 Kilogramm Cannabisprodukte, zwei Kilo Amphetamine, diverse Waffen wie Gas- und Schreckschusspistolen, Butterfly- und Einhandmesser sowie 30 000 Euro Bargeld sicher.

Außerdem fanden die Beamten verbotene Pyrotechnik, so genannte Polen-Böller (Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz) und Dopingmittel. Sichergestellt wurden ebenfalls wertvolle Uhren und Schmuck. „Im Zuge der Durchsuchungen“, so Otte, „wurden von den Behörden auch Maßnahmen durchgeführt, um illegal erlangte Vermögenswerte der Täter abzuschöpfen.“

Bereits am Dienstagabend hatten Zivilkräfte von Zoll und Polizei zwei Männer im Alter von 27 und 45 Jahren sowie eine 33-jährige Frau nach einem Drogengeschäft festgenommen. Einer der Beteiligten soll im Handewitter Ortsteil Jarplund gestellt worden sein. Spezialkräfte stoppten demnach seinen Peugeot mit mehreren Zivilwagen, fixierten ihn und führten ihn mit einer Augenbinde ab. Im Rahmen der Blitzaktion wurden 3,5 Kilo Kokain beschlagnahmt.

Bei anschließenden Durchsuchungen von fünf Wohnungen und einem Lagerraum – unter anderem in einem Einfamilienhaus an der Europastraße – wurden weitere Beweismittel entdeckt; außerdem 3000 Euro Bargeld sowie hochwertige Uhren und Schmuck. Während die Frau wieder auf freien Fuß kam, wurden die beiden Männer gestern auf Antrag der Staatsanwaltschaft einem Haftrichter vorgeführt. Ob Haftbefehl erlassen wurde, stand bis Redaktionsschluss nicht fest.

Die Drogenrazzia weist deutliche Parallelen zu einem Großeinsatz im November 2016 auf: In einer aufsehenerregenden konzertierten Aktion einer Ermittlungsgruppe aus Bundes- und Landespolizei, Zoll, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung waren ebenfalls mehrere Immobilien im Flensburger Stadtgebiet, Harrislee und Jarplund durchsucht worden; darüber hinaus waren Jardelund und Medelby betroffen. Die Beschuldigten sollen Cannabis-Plantagen betrieben und die Ernte mit hoher Gewinnmarge an den Kunden gebracht haben. Auch geht es um Geldwäsche. Der Hauptbeschuldigte befindet sich unter Auflagen auf freiem Fuß – und wartet auf seinen Prozess. Bis auf die Tatsache, dass sich beide Fälle im Bereich der Drogenkriminalität bewegen, sieht die Polizei gegenwärtig keinen Zusammenhang. Sandra Otte: „Das schließen wir aus.“

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