Neuer Blick auf das Altbekannte

Nordermarkt mit Neptunbrunnen: Startplatz für die Stadtführung mit Knut Franck (rechts). Foto: Gloyer
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Nordermarkt mit Neptunbrunnen: Startplatz für die Stadtführung mit Knut Franck (rechts). Foto: Gloyer

Stadtführung mit den Augen des Liebhabers: Ex-Ratsherr Knut Franck zeigt Touristen und Einheimischen "seine" Stadt

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08. Juli 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | "Das erzähl ich Ihnen für das Gefühl, in welch unglaublich besonderer Stadt Sie hier sind", sagt Stadtführer Knut Franck in die interessierte Runde, die sich für die Stadtführung "Altstadt und Architektur" am Neptunbrunnen auf dem Nordermarkt versammelt hat. Keine Stadt Europas verfüge über Flensburgs charakteristische Zweiteilung. Mit mitreißendem Engagement für Flensburgs Schönheit und Baukultur und einer ordentlichen Prise Humor lässt der einstige Ratsherr die Zeit wieder aufleben, als auf der Hafenseite die politisch-wirtschaftlich-soziale Macht ihre repräsentativen Kaufmannshöfe baute, zum Steilhang hin die kleineren Handwerkshäuser entstanden. "Ganz toll", lauscht ein Paar aus dem Umland den spannenden Details: "Man macht überall eine Stadtführung, nur die eigene Stadt, die kennt man nicht"!

Franck lässt Flensburgs Charme und Besonderheiten Revue passieren: die durch die Gletscher der Eiszeit entstandene Förde, die 400jährige gemeinsame Geschichte mit Dänemark, durch die die Region die einzige nationale Minderheit Deutschlands hat, er erzählt von Schiffen, Speichern, Kontoren, von Schweinen als städtischer Müllabfuhr und den Kühen, die damals aus den Höfen der Großen Straße den Norderkohgang (heute Marienstraße) hinauf auf die Wiesen der westlichen Höhe getrieben wurden. Auch von Beate Uhse und "so einer komischen Einrichtung, wo der Führerschein zur Kur gehen kann". "Es sind so viele hübsche Stellen hier", meint Petra Jensen aus Tingleff angesichts der liebevoll bunt gestrichenen Häuser und blühenden Gärtchen des rückwärtigen Oluf-Samson-Gangs. Einmal nicht zum Einkaufen sondern zum Kennenlernen der Stadt ist die Dänin mit ihrer Familie gekommen.

Ob auf dem Kirchhof der Marienkirche, der Kompagnie- oder der Norderstraße: Überall verweist Franck auf Flensburgs unterschiedliche Architektur. Auf Gotisches, Barockes, den reinen Jugendstil der Toosbüystraße, auf die Stile mit dem unsäglichen "Neo" davor, "wo alles gebaut wurde, wovon man glaubte, dass es schick ist", den Heimatschutzstil des Burghofes, der die hiesige Baukultur wieder aufgriff; auch, "man wollte modern und nicht so hinterwäldlerisch sein", die Bausünden der Sechziger und Siebziger Jahre. Spürbar faszinieren Urlauber wie Hiesige die zauberhaft sanierten Gassen mit ihrem Kopfsteinpflaster und Rosen-überrankten Haustüren.

"Das ist schön und kurzweilig", meinen Wolfgang und Bettina Brandt aus Elmshorn, die auf einem Reiterhof bei Kappeln Ferien machen: "All die Ecken hätten wir sonst nie gefunden", staunen sie über den mittelalterlich verwinkelten Marienhof, in dem es Flensburger Rum gibt. "Es ist wunderbar hier. Wir haben verlängert, weil es uns so gut gefällt", berichtet die Karlsruherin Carolin Marheineke. Flensburg habe sie überrascht, nicht nur die alte Bausubstanz: "Ich dachte, dass im Norden alles flach ist", sagt sie fröhlich: "Jedes hübsch gestaltete Haus strahlt in seine Umgebung aus", meint sie begeistert. Mit Ehemann Torsten wohnt sie für einige Tage in einer "ganz, ganz tollen Ferienwohnung im Burghof". Flensburg sei ein guter Standort zwischen Nord- und Ostsee.

Inzwischen ist die Gruppe in der Norderstraße mit ihren über den Köpfen baumelnden Schuhen angelangt. "Stellen Sie sich vor, Sie kommen morgens um fünf aus der Kneipe, die Schuhe drücken irgendwie…", vertellt Franck eins seiner Döntjes. Nach dem Motto: "Jetzt will ich Ihnen mal was erzählen, was nicht stimmt". Der Flensburg-Bummel macht so sichtlich Spaß.

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