Frühgeschichte : Neue Wikinger-Funde in Husby

Archäologe Dr. Thorsten Lemm hält stolz eine bronzene Gewandnadel in den Händen, ein Fund vom Suchfeld in Husby. Jürgen Rvn aus Dänemark ist einer von mehreren  ehrenamtlichen Detektorgängern –  und  begeistert von den vielen Fundstücken.
Archäologe Dr. Thorsten Lemm hält stolz eine bronzene Gewandnadel in den Händen, ein Fund vom Suchfeld in Husby. Jürgen Rvn aus Dänemark ist einer von mehreren ehrenamtlichen Detektorgängern – und begeistert von den vielen Fundstücken.

30 Archäologen und freiwillige Helfer haben sich auf einem Acker in Angeln auf die Suche nach einer vergessenen königlichen Siedlung gemacht

shz.de von
05. September 2013, 06:00 Uhr

Metalldetektoren, die energisch piepsen, wenn sie auf Metall stoßen – das kennt man vom Flughafen. In der Nähe von Flensburg machen sich in diesen Tagen aber auch Archäologen diese Technik zunutze. Und im Gegensatz zum Flugsicherheitspersonal wären sie über den Fund von Stichwaffen sogar froh, wenn diese aus dem Mittelalter stammen.

So haben Archäologen und freiwillige Helfer jetzt auf einem gerade frisch abgeernteten und umgebrochenen Ackerstück am Lerchenweg in Husby nach historischen Relikten gesucht – und sind auch fündig geworden. „Es hat sich gelohnt, wir haben wieder wikingerzeitliche Funde gemacht“, erklärte Thorsten Lemm vom Archäologischen Landesamt in Schleswig, der die Aktion leitete. Unter anderem seien ein Schmuckanhänger aus Bronze sowie eine verzierte Gewandnadel entdeckt worden.

In Husby, das, so vermuten die Archäologen, im Mittelalter eine königliche Siedlung gewesen sein könnte (wir berichteten), wurden bereits einige Funde wie etwa Fibeln gemacht, die bereits auf Schloss Gottorf zu sehen waren. Die Methode der Suche mit Detektoren wurde aus Dänemark übernommen, da dort gute Ergebnisse erzielt wurden. An der jüngsten Aktion beteiligten sich nun rund 30 Menschen, darunter auch einige freiwillige Helfer aus Dänemark.

Die ehrenamtlichen Teilnehmer wurden zuvor eigens in einem Kurs geschult, erklärte Lemm. „Danach erhalten sie eine Genehmigung, dass sie auf ausgewählten Flächen suchen dürfen.“ Mit diesem strukturierten Ausbildungsprogramm gebe es ein sehr gutes Instrument, um Detektorgänger im Norden in die Arbeit der Archäologen zu integrieren, betont auch Claus von Carnap-Bornheim, Leiter des Archäologischen Landesamtes. Schleswig-Holstein sei das erste Bundesland, das Detektorgänger derart zertifiziert. In Husby gingen nun also Deutsche und Dänen gemeinsam auf die Suche, wofür eine Sondergenehmigung des Archäologischen Landesamtes nötig war.

Der Ortsname Husby und seine zahlreichen Varianten sind kreuz und quer über Skandinavien verteilt. Von den mehr als 130 Ortschaften etwa in Dänemark, Norwegen und Schweden ist das schleswig-holsteinische Husby, das erstmals m Jahre 1319 als Husebuy erwähnt wurde, die südlichste. Die Forschung geht davon aus, dass diese Siedlungen von einem König in Besitz genommene Orte waren, von denen aus kleinere Einheiten in der Umgebung verwaltet wurden.

In Husby wurde deshalb bereits 2009 mit ersten Untersuchungen begonnen. „Wir haben Funde, die bis in die zweite Hälfte des siebten Jahrhunderts zurückgehen“, erläuterte Lemm. Mit anderen Fundstücken aus dieser Zeit sehe es sonst in Schleswig-Holstein „sehr mau aus“. Entdeckt wurden neben den Fibeln auch einige zerhackte Silbermünzen. Der Fundplatz hebe sich von bäuerlichen Gehöften und Siedlungen aus gleicher Zeit deutlich ab, ist sich Lemm sicher. Die Funde sprächen für einen Siedlungsraum der mindestens bis in die zweite Hälfte des elften Jahrhunderts als Zentralort Nordangelns genutzt worden ist.

Auf exakt vorgegebenen Quadranten waren die zertifizierten Detektorgänger auch dieses Mal auf der Suche nach metallenen Gegenständen – oder dem ganz besondes spektakulären Fang. Der blieb zwar aus. „Aber wir finden Broschen, Schmuckgegenstände, Gewichte für Handwaagen, aber kaum Keramik“, sagte Dr. Thorsten Lemm. Mit den Detektoren könnten Metallgegenstände in einer Tiefe von bis zu 25 Zentimetern aufgespürt werden – was dem Sondengänger durch ein kräftiges Summen im Kopfhörer deutlich angezeigt wird.







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