Gesundheitsausbildung in Flensburg : Neue Wege zum modernen Pflege-Beruf

Diszipliniert und nicht bang zu fragen, loben ihre Ausbilder die künftige Pflege-Expertin Fabienne Petersen (rechts).
Diszipliniert und nicht bang zu fragen, loben ihre Ausbilder die künftige Pflege-Expertin Fabienne Petersen (rechts).

Fabienne Petersen ist die erste Teilnehmerin des dualen Studiengangs, den das St. Franziskus fördert

shz.de von
02. Januar 2015, 18:31 Uhr

Fabienne Petersen hat einen Plan. Anders wäre wohl auch nicht zu schaffen, was sich die 21-Jährige vorgenommen hat. Sie ist die erste Teilnehmerin des dualen Studiengangs „Health Care Studies“, den das Malteser Krankenhaus St. Franziskus Hospital anbietet und mit einem Pflege-Stipendium in Höhe von rund 11  000 Euro unterstützt.

Petersens persönlicher Plan enthält, was sie wann im Semester einhalten muss, erklärt sie. Während sie die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin schon im Oktober vor einem Jahr aufgenommen hat, hat ihr Studium im September begonnen.

Das erste Jahr beinhalte die grundständige Ausbildung, erklärt Uta Wroblewski. Dafür bewerbe man sich und erfahre schon im Bewerbungsgespräch, dass es die Möglichkeit eines parallelen Studiums gebe, erläutert die Pflegedirektorin am Franziskus. „Wenn wir ein gutes Gefühl haben“, so Wroblewski, wenn Leistungen und Engagement stimmen, sei die Chance zur Zulassung gut. Das Studium beginnt dann im zweiten Ausbildungsjahr und führt nach acht Semestern und der Abschlussarbeit zum Bachelor of Science. Nach drei Jahren mache sie klassisch das Examen im Pflegeberuf, „im vierten Jahr arbeitet sie, aber wir finanzieren das Studium“, skizziert Wroblewski den Verlauf des dualen Studiums und sagt anerkennend: „Fabienne hat sich rangetraut.“ Ein weiterer Platz mit Pflegestipendium blieb jedoch unbesetzt.

Der neue Vorstoß, so stellt Uta Wroblewski klar, „hat nichts damit zu tun, dass Pflege heutzutage schlecht ist“. Vielmehr denke man in die Zukunft, denn Pflege werde sich in den nächsten Jahren noch mehr verändern. Schon jetzt beeinflussten multimorbide, komplexere Krankheitsformen, mehr Behandlungsmöglichkeiten und kürzeres Verweilen der Patienten im Krankenhaus die Arbeit. „Pflege hat sich von einem Heil-Hilfsberuf zu einer eigenständigen Profession entwickelt“, beobachtet die Pflegedirektorin. Als Arbeitgeber sei es wichtig, mit hoch qualifiziertem Personal die eigene Qualität zu steigern und Nachwuchs zu gewinnen.

Alle sechs bis acht Wochen werde in den Präsenzphasen der „Health Care Studies“ in Hamburg das besprochen, was Thema der Studienbriefe sei, berichtet Fabienne. Davon habe sie zu Beginn des Semesters einen ganzen Satz – und ihre Geste deutet eine ordentliche Menge Material an – bekommen, den sie durcharbeite. Jetzt kurz vor Ende des Terms stehen eine Hausarbeit über „den individuellen Pflegeprozess“ und zwei Klausuren bevor. Dass mitunter weniger Freizeit bleibt, „da muss man sich drauf einstellen“, sagt die Dual-Studentin, die in Großenwiehe zu Hause ist und dort jetzt sogar ein eigenes Büro hat. „Mir gefällt der Beruf.“ Das Interesse am Thema wurde ihr in die Wiege gelegt – ihre Mutter arbeitet in der Diako als MTA. Der Leistungskurs Gesundheit an der Hannah-Arendt-Schule und ein freiwilliges soziales Jahr auf der Intensivstation haben den weiteren Weg gezeichnet. Nach dem ersten Jahr in der Ausbildung, in dem es um Grundpflege geht, Blutzucker gemessen oder Spritzen gesetzt werden, folgten im zweiten Jahr Außeneinsätze, etwa in die Psychiatrie und Frauenklinik, beschreibt Praxisanleiterin Margit Oechsle. Und betont: „Immer im Rahmen der Ausbildung.“ Auf die theoretischen Fortschritte folgt die Anwendung in der Praxis. Und für Fabienne Petersen parallel das Studium. „Ich habe jetzt schon gemerkt, wie tief dieses Thema geht“, sagt sie und lässt offen, ob nicht auch noch ein Master folgen könnte.

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