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Führung durch die Norderstraße : Neue Wege durchs Szeneviertel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Schifffahrtsmuseum und das Stadtteilforum bieten Führungen durch eine der „seltsamsten Straßen der Welt“ an: Die Norderstraße.

Flensburg | Die Mythen, die sich um die hängenden Schuhe der Norderstraße ranken, haben New York erreicht. Jedenfalls die nach eigenen Angaben 6,6 Millionen Leser des Reisemagazins „Travel and Leisure“, das gern auch mal Hitlisten aufstellt, etwa von den 50 besten Hotels weltweit. Oder eben den 18 seltsamsten Straßen der Welt. Ob die Schuhe auf der Leine nun ihren Ursprung in einem Kunstprojekt haben oder Wegweiser für Drogenverkauf seien: Das Magazin nennt die Norderstraße ein „inoffizielles Wahrzeichen“ der Stadt nahe der dänischen Grenze.

Höchste Zeit, die Straße mit einem geführten Rundgang zu bedenken: Diese Idee lag längst in der Luft, sagt Susanne Grigull vom Flensburger Schifffahrtsmuseum. Gisela Mikolajewicz, die seit 23 Jahren Stadtführungen anbietet, habe sie angesprochen und die stiefmütterliche Behandlung der Norderstraße beklagt. Parallel habe sich das Stadtteilforum „Hafenquartier“ formiert.

„Man huscht hier so durch“, sagt Mikolajewicz über Führungen, die die Gegend streifen. Dabei ist sie jetzt schon bei der Trockenübung kaum zu bremsen. Ohne nachdenken zu müssen, fallen ihr Geschichten ein, die sie ihren Gästen erzählen wird. Zum Beispiel vom Luftschutzstollen bei der Marientreppe hinter der Dänischen Zentralbibliothek, der 1941 oder 1942 in die „Endmoräne“ gehauen worden sei und jedes Jahr von der Landesbehörde auf Funktionsfähigkeit untersucht werde. Oder vom Fund der Menschenknochen am Fuße der Schloßstraße, die auf den früheren Kirchhof der Gertrudenkirche zurückzuführen waren und auch noch im Seifenhaus gegenüber ausgestellt wurden... Oder von Elisabeth Mogensen, der „Mutter der Hafendamen“, die „Rückgrat gezeigt“ habe, weiß Mikolajewicz und erinnert sich an Mutproben, wie sie damals mit anderen 17-jährigen Freundinnen an Mogensen vorbei durch den Oluf-Samson-Gang rannte. „Ich mache nicht jede Führung gleich, es kommt immer auf die Leute an“, kündigt Gästeführerin Mikolajewicz an.

„Das Nachtleben ist weg“ und damit auch etwas „vom Charakter der Straße“, beobachtet und bedauert Patricia Hansen-Wagner, die ein paar Jahre in Kiel und Helsinki studiert hat und wieder in ihre Heimatstadt – und in die Norderstraße – zurückgekehrt ist. Sie zählt wie Mitbegründer Markus Brüggemann zum Kern des neuen Stadtteilforums „Hafenquartier“. Für eine alternative Führung, wie es sie längst in Berlin oder Hamburg gebe für Szeneecken, bleibt dennoch reichlich Ansichtsmaterial übrig. Die Künstlerin Hansen-Wagner und Brüggemann werden aus dem ersten Straßenfest am 20. September heraus mit ihrem alternativen Rundgang an den Start gehen, den sie gemeinsam mit dem Schifffahrtsmuseum entwickeln. Mitläufer dürfen sich auf die Hintergründe zugenagelter Schaufenster, Einblicke in die „extrem aktive linke Szene“ und die Überwindung der „Schloßstraßen-Angst“ freuen, lässt sich Hansen-Wagners Worten entnehmen. Auch an sie wird, wie an Gisela Mikolajewicz, wieder die Frage nach den Schuhen gerichtet werden. Aber die Hafenquartier-Leute wollen nicht mit den Legenden aufräumen. Eher noch neue hinzu erfinden.

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erstellt am 06.Sep.2015 | 09:00 Uhr

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