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Flensburger Tageblatt

18. November 2017 | 02:19 Uhr

Steinbergkirche : Neue Sorten für den Erfolg

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bauern wollen mit dem Verkauf von speziellen Kartoffeln einen zusätzlichen Markt erschließen.

Zufriedene Mienen sehen anders aus. Angelns Kartoffelbauern liegen in den letzten Zügen der Kartoffelernte. Die wochenlangen Regenfälle haben die Äcker unter Wasser gesetzt – Gift für die Kartoffeln. Die Kartoffelbauern sprechen bereits jetzt von Preiserhöhungen.

Landwirte wie Joachim Lausen in Böelkamp und Sven Nissen in Quern-Dingholz, haben für ihre Produkte wie Kartoffeln, Gemüse und Eier einen eigenen Produktions- und Vermarktungsweg gewählt. In dieser Nische kommen sie nach eigenen Angaben gut zurecht, da Lebensmittel aus der Region beim Verbraucher immer beliebter werden. Auch der Verkauf von neuen Kartoffelsorten soll zum Überleben beitragen.

Der Anteil der Kartoffel auf dem täglichen Mittagstisch geht zwar zugunsten von Nudel-, Reis- sowie Fertiggerichten zurück. Dennoch ist die Ackerfrucht immer noch die Hauptbeilage in vielen Haushalten. „Linda“, „Hansa“, „Belana“ sind die gängigen Kartoffelsorten, die den Geschmack des Konsumenten treffen. Hinter den Kulissen wird aber eifrig nach neuen Sorten Ausschau gehalten: „Wir testen im Jahr etwa zehn neue Sorten“, berichtet Joachim Lausen aus Böel. Ein Test, der am heimischen Küchentisch stattfindet. Die Sorte, die dort besteht, wird im Handel ausprobiert. Kommt sie auch dort an, wird sie ins Sortiment aufgenommen. „Neben dem Geschmack sind andere Kriterien wie die Form und der Ertrag wichtig. Wie ist die Schale, ist die Kartoffel rund oder oval? Der Kunde kauft schließlich auch mit dem Auge“, weiß Joachim Lausen.

Die Kartoffeln vom Dingholzer Hofkiosk wandern zu etwa 40 Prozent in heimische Kochtöpfe. Der größere Teil wird aber verarbeitet – zu Pommes oder Chips – oder geht in die Gastronomie. Obwohl Familie Nissen auf Bewährtes setzt, werden jedes Jahr etwa zwei Sorten neu ausprobiert. In diesem Jahr ist es „Regina“, eine fest kochende Kartoffel, die gut in der Hand liegt und einen schönen Kartoffelgeschmack hat. Auch die Lagerfähigkeit ist den Bauern wichtig.

Mit Interesse beobachtet Sven Nissen alte Kartoffelsorten, die man neu aufgenommen hat, für Kunden, die das Besondere wollen. Kartoffeln, die aus dem Kartoffel-Archiv stammen und von kleinen Nischenhändlern gepflegt und angebaut werden. Selbst ein Kartoffelexperte wie Sven Nissen ist von der geschmacklichen Variante der alten Sorten beeindruckt. „Einige überzeugen durch ihren sehr intensiven schönen Geschmack, andere dagegen sind geschmacklich eintönig“, weiß Nissen. Das interessante an den alten Kartoffelsorten sei zudem die Form. Da man früher bei der Zucht nicht an die maschinelle Verarbeitung denken musste, haben die alten Kartoffeln unterschiedliche Formen und Farben. Für Familie Nissen wird der Verkauf von alten Sorten auch weiterhin ein Nischenprodukt bleiben, wirtschaftlich lassen sich nur die herkömmlichen Sorten vermarkten.

„Zehn Jahre dauert es, bis eine neue Kartoffelsorte von der Kreuzung zweier Sorten bis zur Anerkennung durch das Bundessortenamt auf den Markt kommt“, weiß Rudolf Voß, Saatgutanerkenner aus Satrup, zu berichten. Über 30 Jahre hat er sich mit der Zucht von Kartoffeln beschäftigt. Auch heute als Rentner ist er immer noch bei einem Saatgutunterhemen tätig. Drei Jahre beobachtet er eine Kartoffelsorte, achtet auf Krankheiten und andere Auffälligkeiten. Bundessortenamt und Landwirtschaftskammer geben dann das Okay, eine neue Sorten in den Markt zu bringen.

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