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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 20:35 Uhr

Neue Schieferhaube für das Gericht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Starke Beeinträchtigungen für die Justizbehörde durch Lärm und Schmutz / Schwammsanierung soll auf Sommer 2015 konzentriert werden

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Das Gerichtsgebäude am Südergraben hat wieder eine Turmhaube; diesmal ist sie sogar mit echtem Schiefer aus dem spanischen Galicien eingedeckt. Die 12,5 Tonnen schwere graue Krone des Justizhauses ist der weithin sichtbare Beweis dafür, dass es voran geht mit den Bauarbeiten – beendet sind sie indes bei weitem nicht.

Als man in der ersten Jahreshälfte festgestellt hatte, dass das Gebälk des Uhrenturmdaches verrottet ist, entschied man sich, es abzunehmen und auf sicherem Boden ein neues zu bauen. Die Eindeckung aus Kunstschiefer wurde entfernt, stattdessen wollte man der Bedeutung des Hauses gerecht werden und wählte echten Schiefer in zwei Farbschattierungen. „Es gibt nur ungenaue Fotos vom Originaldach“, bedauerte Eiko Wenzel, städtischer Denkmalpfleger. „Die Aufnahmen wurden allesamt von schräg unten gemacht.“ Deshalb habe man sich für ein helles Rautenmuster auf dunkler Fläche entschieden, um so zu einer „sinngemäßen Vervollständigung der Dacharchitektur“ zu kommen.

Vom Boden kaum sichtbar wird das neue Ziergitter sein, das ein Kieler Schmiedemeister für die neue Haube gefertigt hat. Darauf kommt dann noch ein acht Meter hoher Fahnenmast, der aber wohl dauerhaft ohne Flagge bleiben wird, da er zu schwer zu erreichen sein wird.

Mit mehrstündiger Verspätung wegen starken Windes wurde die komplette Haube in einer zügigen Aktion auf den Dachstuhl des preußischen Gebäudes gesetzt, das 1879 bis 1882 auf der westlichen Fördehangkrone gebaut wurde; Architekt war seinerzeit Richard Plüddemann, Regierungsbaumeister für die preußische Beuverwaltung in Berlin. Es war der erste der preußischen Großbauten mit Architektur- und Machtanspruch auf der Hangkrone rund um das Tal der Flensburger Innenstadt; die Gymnasien, die Bebauung am Schlosswall und das Sauermann-Haus des Museums folgten erst in den Jahrzehnten danach.

Für Volker Willandsen, Präsident des Landgerichts, und die rund 300 Justizbediensteten ist die Leidenszeit allerdings noch lange nicht beendet. Ihre Arbeit für Recht und Gesetz müssen sie seit Monaten unter der doppelten Beeinträchtigung durch zwei gleichzeitige Baumaßnahmen leisten. „Die unvorhergesehene Dachsanierung ist quasi über uns herein gebrochen“, sagte Willandsen.

Die andere Maßnahme betraf den vorbeugenden Brandschutz, auch im Neubau. Während die Kollegen der Lübecker Justiz ein Ausweichquartier für die Zeit mit ähnlich gelagerten Sanierungsmaßnahmen erhielten, „sind wir hier zu einer Operation am offenen Herzen gezwungen“, vergleicht der Richter.

Lärm und Schmutz seien vor allem in der vierten Ebene des Altbaus nur schwer zu ertragen. „Das sind schon erhebliche Beeinträchtigungen, unter denen die Mitarbeiter dort arbeiten müssen“, gibt Volker Willandsen zu bedenken. Und dabei beginnt die Bekämpfung und Beseitigung des Hausschwamms erst im Frühjahr 2015, wenn das Dach des gesamten Hauses eingedeckt ist. „Auch das wird wieder mit viel Lärm und Schmutz verbunden sein.“

Deshalb habe man sich mit dem Bauherrn – Gebäudemanagement Schleswig-Holstein – darauf geeinigt, die besonders intensiven Bauzeiten auf die verhandlungsarme Zeit in den Sommerferien zu konzentrieren. Denn gerade in der dritten und vierten Ebene liegen besonders viele Verhandlungsräume. „Zivilrichter müssen die Verhandlungen notfalls in ihren Dienstzimmern führen“, regt Willandsen an.

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