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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 10:53 Uhr

Neue Runde im Kampf um Kita-Plätze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nächste Verhandlung am Freitag: Während die freien Träger mehr Geld von der Stadt wollen, sieht sich das Rathaus vom Land schlecht behandelt

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 12:03 Uhr

Der Kampf um Hunderte zusätzliche Kindergartenplätze in Flensburg geht am Freitag in die nächste Runde. Dann treffen sich Vertreter der Stadt (zehn Kitas) zum fünften Mal seit vergangenem Jahr mit den freien Trägern, die in 52 Kitas 77 Prozent der Kinder betreuen. Die Stadt geht in ihren Planungen davon aus, dass in diesem Jahr rund 300 Plätze fehlen werden. Dabei ist die Flüchtlingsentwicklung noch nicht berücksichtigt, räumt Bürgermeister Henning Brüggemann ein, der die Verhandlungen für die Stadt führt. Rund 150 Flüchtlingskinder werden in den Jahren zusätzlich auf den Markt der Kita-Betreuung drängen. Sollten die Wartelisten der freien Kita-Träger auch nur annähernd die wirkliche Nachfrage abbilden, werden noch deutlich mehr Plätze gebraucht. Allein die drei großen Freien – Kirche, ADS-Grenzfriedensbund und Adelby1 – haben zusammen 600 Kinder in ihren Listen stehen. Das Problem: Die Freien sehen sich von der Stadt zu schlecht finanziert, die Stadt sagt, das Land gebe zu wenig.

Immerhin: 65 neue Plätze gibt es ab August, wenn ein neuer Träger aus Kiel die Villa Roonstraße nahe der Diako bezieht. Nächstes Jahr soll im Umfeld der Ostseeschule eine Montessori-Kita mit 60 Plätzen starten. Auch die Stadt selbst plant in den kommenden Jahren drei neue Kitas – in der Nordstadt auf dem Gelände der Petri-Schule, in der Südstadt als Ersatz für Johannisstraße und Schwedenheim und auf dem Kindercampus Fruerlund. Doch da überall dort auch in die Jahre gekommene Kitas ersetzt werden, bringt das nur rund 130 Plätze zusätzlich.

Die freien Träger reagieren auf die schwierige Finanzierungssituation höchst unterschiedlich. Gerd Nielsen vom Evangelischen Kita-Werk, zugleich Verhandlungsführer der Interessengemeinschaft der Freien, sagt mit Blick auf die jüngste Verhandlungsrunde im März, dass es bislang nicht gelungen sei, die nachgewiesenen Kosten für 2015 zu bekommen: „Den großen Wurf mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bekommen wir nicht hin“, befürchtet er. Angesichts der hohen Nachfragezahlen ergänzt er: „Ich sehe, dass wir ein ganz großes Problem haben. Die Zeit drängt. Wir brauchen jetzt Lösungen.“ Neubauten allein seien nicht das größte Problem. Die Plätze müssten jedoch auch für fünf oder zehn Jahre durchfinanziert werden.

Heiko Frost von Adelby1 ist dagegen angesichts der schwierigen Finanzlage auf pragmatischem Kurs und entwickelt parallel schon mal kostengünstigere Lösungen. In der alten Nospa-Filiale am Hafermarkt soll zum Beispiel eine Kita eingerichtet werden. Den Mietvertrag habe er gerade unterschrieben. Ab Sommer entstehe dort eine 30-Platz-Kita ohne eigenes Außengelände. Man werden mit den Kindern eben nahegelegene Grünflächen wie den Margarethenpark aufsuchen. Auch auf dem Gelände des Wohnprojekts Freiland plant Adelby1 jetzt eine reine Natur-Kita mit 40 bis 60 Plätzen. Die Einrichtung mit kleinem Sanitär-Gebäude soll 2017 entstehen. Eine größere Kita mit bis zu 100 Plätzen würde Frost zudem gerne auf der Dreiecksfläche zwischen Werftstraße, Brauereiweg und Galwik-Park neben den Sportpiraten errichten.

Jugendhilfeausschussvorsitzende Ellen Kittel-Wegner, die zu den Verhandlungen am Freitag erstmals dazugebeten ist, geht von einer komplexen Gemengelage aus: „Um den Kita-Ausbau stemmen zu können, müssen wir in Flensburg zeitgleich mehrere Herausforderungen angehen: Schnell mehr Plätze bekommen wir nur, wenn sowohl die Stadt als Träger beim Bauen auf die Tube drückt als auch freie Träger bei Ausbauvorhaben unterstützt, in dem es kurze Wege innerhalb der Verwaltung fachbereichsübergreifend gibt.“ Insbesondere für die Sanierung alter Kitas bräuchten alle Träger weitere Unterstützung von Bund und Land. Um mehr Tagespflegeplätze zu schaffen, könnte man die Arbeitsbedingungen von Tagespflegepersonen verbessern, zudem müsse die Diskussion um die Evaluation der Modellkita schnell in ein konkretes, gemeinsam vereinbartes Modell führen. „Zeitgleich muss es Verwaltung und Politik noch in diesem Jahr gelingen, den bereits beschlossenen qualitativen Ausbau durchzufinanzieren, der beispielsweise mehr und flexiblere Betreuungszeiten in den Randzeiten und stufenweise Erhöhung des Personalschlüssels vorsieht“, sagt die Grüne.

Die Stadt selbst indes sieht sich bei der Kinderbetreuung auf gutem Weg, verweist auf eine große Steigerung der Krippenplätze für die ganz Kleinen in den vergangenen drei Jahren und sieht sich dort bereits landesweit mit vorn. Und wie die freien Träger sich von der Stadt nicht gut genug finanziert sehen, verlangt die Stadt von Land und Bund mehr Geld. Obwohl Bund, Land, Träger und Eltern jeden Kita- und Krippenplatz mitfinanzierten, zahle die Stadt 51 Prozent jedes Krippenplatzes und 59 Prozent jedes Regel-Kita-Platzes, rechnet Bürgermeister Henning Brüggemann vor.


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