Teure Programme in Flensburg : Neue Rathaus-Software: Gehts auch günstiger?

Verwaltungssitz am Pferdewasser: Hier rechnen 1000 PC mit Microsoft Programmen - Akopol und Grüne favorisieren Open-Source-Software. Foto: luftbildservice-bernot.de
Verwaltungssitz am Pferdewasser: Hier rechnen 1000 PC mit Microsoft Programmen - Akopol und Grüne favorisieren Open-Source-Software. Foto: luftbildservice-bernot.de

Die Stadtverwaltung will für 250.000 Euro eine neue Version der Office-Programme anschaffen. Doch Politiker vermissen die Prüfung kostenloser Alternativen.

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23. November 2011, 03:42 Uhr

Flensburg | Der Normalverbraucher zahlt für eine Aktualisierung seines Office PC-Programms bummelig 80 Euro, wenn er sich ein bisschen auf dem Markt umsieht. Für die Stadtverwaltung wird die Sache ein wenig teurer. Auf seiner letzten Sitzung wurde der Finanzausschuss mit einer Rechnung von 250.000 Euro konfrontiert, um die rund 1000 Rathaus-Rechner von Office 2002 auf die aktuelle Version Office 2010 aufzurüsten. Zwei Ratspolitiker witterten prompt Unrat. Jörg Pepmeyer (Akopol) und Jürgen Wehner (Grüne) raten dringend ab.
Und das aus verschiedenen Gründen. Jörg Pepmeyer macht dies beispielsweise an der Person des Leiters der städtischen Datenzentrale fest. Dr. Marcus Ott, der im Ausschuss vehement für die Anschaffung der Software geworben habe, sei nämlich nicht nur für die Stadtverwaltung tätig, sondern auf eigene Rechnung auch für seine eigene Firma, mit der er nebenher als Berater und Software-Installateur in der IT-Branche tätig ist. Jürgen Wehner bezweifelt die Notwendigkeit, ein derart komplexes Programm zu beschaffen - zumindest zu diesem frühen Zeitpunkt.
Verwaltungssprecher weist Kritik zurück
Wehner kritisiert zudem, dass die Einbindung frei erhältlicher Open-Source-Software sträflich vernachlässigt worden sei. Ott habe ihm gegenüber eingeräumt, dass er darüber frühestens nachdenken werde, wenn der Finanzausschuss die 250.000 Euro für die Aufrüstung nicht freigibt. Für Wehner ein Hinweis, dass sparsamere Problemlösungen offenbar noch gar nicht diskutiert worden seien. Er fordert vor diesem Hintergrund eine Kostenübersicht inklusive Personal, Schulung, Rechner und weitere Anwendungen, die im Zuge dieser Aufrüstung fällig werden.
Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf weist die Kritik deutlich zurück. Insbesondere die von Pepmeyer geäußerten Zweifel an der Integrität des IT-Leiters Marcus Ott. Das unterstellte Konstrukt - nämlich, dass sich Ott wie mutmaßlich zwei Jahre zuvor Walter Bahr als gleichzeitig Selbstständiger und Angestellter der Stadtwerke Vorteile verschaffen könne - sei nicht zutreffend. "Es gibt keinerlei Schnittmenge und keinen Interessenkonflikt zwischen der nebenberuflichen und hauptamtlichen Tätigkeit von Herrn Ott", stellt der Rathaussprecher fest.
Saftige Aufschläge für Büro-Lizenzen
Die Beschaffungskosten für Office 10 seien leider mit denen des Privatanwenders nicht zu vergleichen. "Da erhebt Microsoft saftige Aufschläge, und wir wollen uns lieber nicht dabei erwischen lassen, wenn wir illegal die ermäßigte Studentenversion auf den Verwaltungsrechnern laufen lassen", so Teschendorf.
Die Notwendigkeit einer Neuanschaffung ergebe sich aus unterschiedlichen Gründen. Im Arbeitsablauf der verschiedenen Verwaltungsbereiche - vom Ratsinformationssystem bis zum Einwohnermeldeamt - würden verschiedene Fachprogramme auf die Office-Anwendung zugreifen. Anders als von Wehner und Pepmeyer dargestellt, habe es auch Untersuchungen gegeben, ob nicht kostenlose Open-Source-Software eingesetzt werden könne - allerdings mit negativem Resultat. Zudem forderten die Hersteller der Fachanwendungen regelmäßige Updates, um den einwandfreien Betrieb ihrer Programme gewährleisten zu können.
Der monierte frühe Zeitpunkt der Umstellung ergebe sich daraus, dass die Verwaltung in den nächsten beiden Jahren je 500 Rechner umstellen will. "Wir können nicht einfach Ende 2013 über 1000 Rechner platt machen und sicher davon ausgehen, dass ab 1.1.2014 alles tadellos funktioniert."

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