Flensburger Förde : Neue Initiative für die Ochseninsel

Geschlossen! Seit dem vorzeitigen Abgang der Flensburger Pächtergruppe ist die Insel sich selbst überlassen.
Geschlossen! Seit dem vorzeitigen Abgang der Flensburger Pächtergruppe ist die Insel sich selbst überlassen.

Mitglieder des Flensburger Segelclubs bieten Dänemark Hilfe beim Erhalt und Betrieb der Gebäude und Brücken an.

shz.de von
22. Januar 2018, 07:00 Uhr

Flensburg/Sønderhav | Ein weiteres Jahr zusehen und denken „Man müsste doch mal...“ – das möchte Mark Bracht nicht. Der Segler, Mitglied im Flensburger Segelclub (FSC) handelt lieber – und startete jetzt ein neue Initiative für eine Belebung des beliebten dänischen Eilands vor den Toren Flensburgs.

Die große Ochseninsel gehört zu Dänemark und ist für Flensburg-Touristen und Einheimische ein beliebtes Sommerauflugs-Ziel gewesen. Aufgrund von Streitigkeiten liegt das Idyll brach und droht immer weiter zu verfallen.

Die große Ochseninsel, die im vergangenen Jahr ohne Pächter war und immer mehr verfiel, möchte er zumindest für die Wassersportler wieder herrichten. Dafür hätte er unter Seglern eine große Lobby, meint er. Die Segelvereine entlang der Flensburger Förde, egal ob dänisch oder deutsch, könnten sich um die schadhaften Bootsstege kümmern und die Insel wieder herrichten, wuchernde Hecken und Gras zurückschneiden, herumliegenden Müll entsorgen. „Ich kenne genug Segler, die mit Taten und finanziellen Mitteln helfen könnten“, sagt der Geschäftsführer einer Spezialdruckerein in Glücksburg. Anderswo werde es auch so gemacht: „Im Koldingfjord gibt es an mehreren Orten Brücken, die von Segelvereinen gebaut wurden und unterhalten werden. Die meisten verlangen nicht mal Gebühren für die Nutzung. Man spendiert mal eine Kiste Bier – und gut“, erzählt Bracht.

Vereinskollege Michael Diethelm findet die Idee sehr gut, auch weil sie länderübergreifend ist. Vereins-Vorsitzender Jochen Frank möchte keine Stellungnahme abgeben, weil der Vorstand darüber noch nicht diskutiert hat. „Das Thema betrifft nicht den Kernbereich unseres Segelclubs“, sagt er. Persönlich habe er allerdings auch einen starken Bezug zu der Insel. Seine erste, gebraucht gekaufte Jolle, war ein Bau der Insel-Werft – damals noch in der Hand der Familie Isaack.

Die Große Ochseninsel:  Viele Jahre lang war sie ein beliebtes Ausflugsziel.
Archivfoto
Die Große Ochseninsel: Viele Jahre lang war sie ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Segler wollen die Insel nicht ausschließlich für sich. „Mir fallen mehrere Personen ein, die eine Gastronomie auf der Insel betreiben könnten“, sagt ein weiteres FSC-Mitglied, der Flensburger Anwalt Hans Köster. Am liebsten wäre ihm jemand wie der aus Nordschleswig stammende Reeder und Unternehmer Michael Jebsen. Der ist bekannt dafür, seine Heimatregion zu fördern, ohne an den eigenen Profit zu denken, so wie im Hafen von Dyvig auf Alsen, wo Jebsen das Badehotel errichtete. Doch das sind ferne Träume. Zunächst einmal müssen die dänischen Behörden als Eigentümer der Insel sagen, was sie vorhaben.

Bracht hat seinen Vorschlag der zuständigen dänischen Naturschutzbehörde „Naturstyrelsen“ von Sønderjylland telefonisch und per Email unterbreitet. Sein Angebot wurde freundlich entgegen genommen. „Naturstyrelsen hat Interesse an einer Klärung für die Zukunft der Insel“, antwortete ein Mitarbeiter der Behörde. Doch das Thema sei äußerst sensibel. Die Behörde ist nach eigenen Angaben in Kontakt mit der Kommune in Apenrade. Noch gibt es keine Lösung. Später könnte es jedoch sehr interessant sein, mit den Segelklubs an der Flensburger Förde zusammen zu arbeiten.

Naturstyrelsen-Mitarbeiter Rune Juelsborg Karsten weist den Verdacht zurück, dass man nach den Erfahrungen mit den letzten deutschen Pächtern, die sich zerstritten hatten und Auflagen nicht mehr erfüllten, nun nicht mehr mit Deutschen zusammenarbeiten wolle. „Wir haben kein Problem bei der Zusammenarbeit mit Deutschen, von einer möglichen sprachlichen Barriere einmal abgesehen.“

Bracht erwähnt bei seinem Hilfsangebot auch den Verein „Schönes Glücksburg“, der ihm zur Seite stehe. Sein Vater Hans-Wolfgang Bracht leitet ihn. Soweit Regeln oder finanzielle Verpflichtungen einzuhalten seien, bat Bracht darum, sie ihm mitzuteilen.

Sein Angebot steht. Nun heißt es wieder abwarten. Einen möglichen Zeitpunkt für die Bekanntgabe eines Beschlusses, was mit der Insel geschehen soll, nennt die Behörde nicht. Im Augenblick befinden sich die meisten Boote im Winterlager, und die Segler haben keine Eile. Doch ab dem Frühjahr werden sie sicher wieder nachhaken.

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