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Stoltebüll : Neue Hühnerzucht auf Gut Drült

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Hausherr Frederik Schack von Rumohr will das Geflügel artgerecht auf Wiesen ohne Zufütterung halten.

Stoltebüll | „Der Mensch ist, was er isst.“ Viele kennen dieses Zitat, aber wenige wissen, dass es von Carl Friedrich von Rumohr stammt, der um 1820 mit dem „Geist der Kochkunst“ als erster Deutscher über den klugen Umgang mit Nahrungsmitteln und Ernährung schrieb.

Einer seiner Nachfahren ist der 42-jährige Frederik Schack von Rumohr, der im Juli dieses Jahres – als 16. in der langen Reihe – das Angelner Familiengut Drült in der Gemeinde Stoltebüll übernommen hat. Ganz im Geiste seiner Ahnen will der frischgebackene Eigentümer einen neuen und zugleich ganz alten Betriebszweig aufbauen und erklärt: „Wir denken heute immer bewusster über unsere Ernährung nach und stellen große Erwartungen an die Qualität, die Regionalität und Natürlichkeit unserer Zutaten.“

Vor ein paar Jahren habe er mit der Suche nach einem Konzept begonnen, das dem Drülter Betrieb eine betriebswirtschaftliche Perspektive ermöglicht. „An Tierhaltung habe ich zunächst gar nicht gedacht – auch weil es die seit etwa zwanzig Jahren auf dem Betrieb nicht mehr gibt.“ Durch Zufall stieß Frederik von Rumohr in Niedersachsen auf ein Projekt, das ihn begeisterte und von ihm nun in Angeln realisiert wird: eine artgerechte Hühnerhaltung der besonderen Art. Dabei übernimmt er die Ideen und Erfahrungen des Lüneburger Experten Niels Odefey, der seine Tiere nicht – wie die Betreiber von Hühnerfabriken – vier Wochen lang in Ställen bis zur Schlachtreife von 1,3 Kilogramm mästet, sondern 14 Wochen auf Wiesen frei und ohne Zufütterung laufen lässt. Den Tieren stehen mobile Ställe zur Verfügung.

Nach dem Vorbild der kleinen landwirtschaftlichen Strukturen, wie sie noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts bestanden, werden die Hühner naturnah, nachhaltig und so extensiv wie möglich gehalten. Den Tieren werden zudem lange Transportwege erspart.

Mittelfristig plant von Rumohr die Aufzucht von Elterntieren und den Einsatz eines modernen Brutapparats auf dem Gut. Von Anfang an gilt: Es werden maximal 500 Hühner in einer Gruppe leben, und die Freilandfläche wird gegenüber der üblichen Bio-Freilandhaltung deutlich erhöht. Schutz vor dem Hauptfeind Habicht finden die Tiere unter Obstbäumen und Sträuchern. Das Konzept ist im Hinblick auf die geringere Nitratbelastung so bodenschonend, dass es selbst für Wasserschutzgebiete zugelassen ist. Die Schlachtung erfolgt direkt auf dem Gut, wo die Hühner auch küchenfertig und für Verkauf und Versand vorbereitet werden. Die geringe Zahl an Tieren auf größeren Flächen sorgt zusammen mit einer langsam wachsenden französischen Zuchtlinie („Les Rouges“) für robuste, wenig anfällige Hühner und erleichtert auch den Umgang mit der Bedrohung durch die Geflügelgrippe. Zusätzlich sind begrünte Ausweichställe geplant, so dass selbst bei Anordnung der Stallpflicht durch die Behörden die Hühner nicht unverhältnismäßig dicht aufeinander leben müssen.

Bereits seit November 2016 wurden die vorgesehenen Flächen eingezäunt und angesät. Außerdem sind schon jetzt die benötigten Räume in den Gutsgebäuden eingerichtet. Die erste Gruppe kommt voraussichtlich im Mai 2017. Frederik von Rumohr erläutert: „So können vor allem die Nachbarn und Interessierte bei laufendem Betrieb einen guten Einblick bekommen, und wir können die Abläufe optimieren.“ Im Spätsommer werde dann der reguläre Betrieb gestartet. So sei es dann möglich, in der nächsten Advents- und Weihnachtszeit köstliches Geflügel zu liefern. „Erste Gastronomen haben ihr Interesse angemeldet, noch bevor das erste Küken auf Drült lebt.“

Das Hühnerprojekt ist jung, der Betrieb ist es nicht: Gut Drült ist seit etwa 500 Jahren im Familienbesitz, Der neue Eigentümer wohnt mit seiner Frau und den drei Söhnen in Hamburg und leitet eine Unternehmensberatung für strategische Kommunikation. Auf dem Gut selbst ist sein Vater Cai Asmus von Rumohr zu Hause. Gut Drült ist ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb und etwa 270 Hektar groß.

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erstellt am 30.Dez.2016 | 07:15 Uhr

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