zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 01:01 Uhr

Neue Heimat in der Roten Laterne

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Flüchtlingshilfe hat eine neue Anlaufstelle – wünscht sich aber auch Unterstützung von der Stadt

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 07:37 Uhr

Die Flüchtlingshilfe Flensburg hat jetzt einen Heimathafen. Zwar wird das neue Domizil des Vereins nicht vor Mitte März für Flüchtlinge und Helfer, Einwanderer sowie interessierte Ur-Flensburger öffnen. Zukunft und Perspektive für manch einen Asylbewerber könnten dann in einem Haus mit Geschichte beginnen: in der Roten Laterne, einer echten Flensburger Legende als Nachtlokal, dem Stein gewordenen Symbol für die leicht anrüchige Hafenmeile des 20. Jahrhunderts. Gartenstadt-Architekt Laust Lorenzen hatte das 245 Quadratmeter große Vorderhaus des Giebelhaus mit Krüppelwalmdach aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts vor acht Jahren komplett renoviert und samt Dachterrasse modernisiert.

Im Erdgeschoss können künftig zum Beispiel Deutschkurse für Migranten stattfinden, während deren Kinder eine Etage höher in einem Spielzimmer betreut werden. Daneben gibt es hier ein Büro für den kaum ein Jahr alten Verein, der mit Niklas Kildentoft (25) seit zwei Wochen erstmals einen hauptamtlichen Geschäftsführer hat. Das Büromobiliar hat die Gartenstadt Weiche spendiert. Außerdem findet sich hier eine offene, komplett ausgestattete Küche, wo schon bald syrische Kochkurse stattfinden könnten – oder deutsche Kochkurse für Einwanderer. Der gläserne Würfel im Obergeschoss über der Durchfahrt kann vielfältig als heller Freizeitraum dienen: „Hier sollen Leute selbstständig Angebote entwickeln können“, sagt Kildentoft. Eine Treppe höher gibt es weitere Räume, die für Sprachkurse oder Beratung zur Verfügung stünden.

Für zunächst drei Jahre hat die Flüchtlingshilfe hier an der Schiffbrücke 45 einen Mietvertrag – für die Miete und die Geschäftsführerstelle hatten Unternehmer um den Steuerberater Helmut Ermer (EEP) und die Gartenstadt Sponsoren gewonnen, berichtet Kildentoft. Das bedeute, dass Spenden von Privatleuten weiter komplett direkt in die Flüchtlingsarbeit fließen könnten: „Wir hoffen, dass wir ab Anfang, Mitte März feste Öffnungszeiten für Freizeit, Beratung und Deutschkurse anbieten könnten.“

Die Rote Laterne solle Anlaufstelle und interkulturelles Haus der Begegnung werden, in dem Flüchtlinge zum Beispiel aus den Exe-Containern in einer anderen Umgebung selbst Angebote machen könnten.

„Was wir bislang geleistet haben und was hier entsteht, ist schon gut“, sagt Kildentoft mit Blick auf das Engagement der Flüchtlingshilfe mit ihren derzeit 83 aktiven Mitgliedern rund um Sprachunterricht, Sonntagsfrühstück, Begegnungscafé und Beratung. Unterstützerkreis und Netzwerk seien aber sehr viel größer.

Außerdem werde die Flüchtlingshilfe in der Hälfte aller Fragen in der städtischen Flüchtlingsbroschüre als Ansprechpartner geführt und stehe auch der Hotline der Stadt zur Verfügung: „Ich denke, da wäre auch eine Hilfe angebracht“, findet der neue Geschäftsführer. Seit Ende Oktober sei man mehrmals an Oberbürgermeister und Stadt herangetreten. Anfang Februar habe die Stadt nochmal um Geduld gebeten. Das eigene Konzept zur Alltagsintegration habe man auf Wunsch der Stadt schon zweimal überarbeitet. Dass das Rathaus weiter um Geduld bitte, enttäuscht die engagierten Flüchtlingshelfer: „Wir hoffen, die Stadt würdigt unsere Arbeit, indem sie uns unterstützt.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert