Dollerup : Neue Heimat für Mitarbeiter gesucht

Geschäftsführer Günter Fenner von der Mürwiker Werkstätten GmbH vor dem Hof Rabenholz in Dollerup.
Geschäftsführer Günter Fenner von der Mürwiker Werkstätten GmbH vor dem Hof Rabenholz in Dollerup.

Zu hohe Sanierungskosten: Mürwiker Werkstätten geben Hof Rabenholz in Dollerup auf.

shz.de von
21. Januar 2018, 13:54 Uhr

In der Adventssitzung der Gemeindevertretung Dollerup hatte Bürgermeister Peter-Wilhelm Jacobsen es bereits angedeutet, und nun folgte die Bestätigung: Bei einem Gespräch auf dem Hof Rabenholz kündigte Geschäftsführer Günter Fenner von der Mürwiker Werkstätten GmbH an, dass sein Unternehmen das Anwesen in drei bis fünf Jahren aufgeben wolle. Der Hof Rabenholz liegt im Südwesten Dollerups, rund zwei Kilometer außerhalb des Ortskerns und unmittelbar an der Grenze zu Kleinquern. Grund für die Aufgabe seien unausweichliche Sanierungsarbeiten an und in den Gebäuden, die mit rund 1,6 Millionen Euro veranschlagt werden. „Zwar sieht von außen alles proper aus. Aber Brandschutz, Elektrik, Abwasser, Dächer, Heizung und Dämmung, somit das, was man nicht sieht, schlägt gewaltig zu Buche“, erläuterte Fenner.

Den im Dorf kursierenden Verdacht, der Betrieb werde aufgegeben, weil die Gemeindevertretung eine Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich des Hofes wegen einer nahegelegenen Windkrafteignungsfläche abgelehnt hatte, wies Fenner mit Nachdruck als unzutreffend zurück.

Die Mürwiker Werkstätten betreiben den 1989 gekauften Hof seit nunmehr 28 Jahren. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 50 Hektar, je zur Hälfte als Eigentum und als Pachtland. Der Hof bietet 30 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen, sie sind in der Hauswirtschaft und Rinderzucht sowie mit der Produktion von Kaminholz beschäftigt. Außerdem wird eine Grüngutannahmestelle betrieben. 15 Mitarbeiter wohnen auf dem Hof, weitere im Dorf oder in der Umgebung. Das betreuende Assistenz-Team umfasst fünf Personen.

Die endgültige Aufgabe des Hofs erfolgt erst, wie Fenner betonte, wenn Ersatz sowohl für das Wohn- als auch für das Arbeitsangebot bereitgestellt werden kann. Ihm sei bewusst, dass der Schritt ein schmerzhafter Einschnitt ist. „Wir müssen ihn in der Weise abfedern, dass wir die Betroffenen in die Planungen für die Zukunft einbeziehen.“ Er gehe davon aus, dass die neuen Arbeitsplätze eher in Flensburg bereitgestellt werden können. Als Wohnangebot, nach Möglichkeit im ländlichen Raum, schwebt ihm das Beispiel Niebüll vor. Dort hat eine Wohnungsbaugenossenschaft als Investor ein Gebäude für sogenanntes „Service-Wohnen“ mit Gemeinschaftsräumen und Büros errichtet. Es wird von den Mürwikern im Rahmen des „Selbstbestimmungsstärkungsgesetzes“, des Nachfolgers des früheren „Heimgesetzes“, betrieben. Die Mieten der kleinen Wohneinheiten sind mit 360 Euro plus Nebenkosten „grundsicherungsfähig“.

Bürgermeister Peter-Wilhelm Jacobsen bedauerte auf Nachfrage die Absicht, den Hof aufzugeben. Dessen Bewohner seien voll in das Dorfleben integriert. „Das ist gelebte Inklusion!“ Über die Kontakte bei der Grüngutannahmestelle und beim Verkauf von Brennholz und Weihnachtsbäumen hinaus seien im Laufe der Zeit viele freundschaftliche Verbindungen entstanden. Er könne verstehen, dass die Bewohner den Verlust eines behüteten, vertrauten Umfeldes fürchten, so der Bürgermeister.

Auch Fenner räumte ein, dass die Bewohner Veränderungen ablehnten, verwies aber auf die wirtschaftliche Notwendigkeit.



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