Nieby : Neue Heimat für die Zauneidechse

Inken Schmersow wildert ein Jungtier aus.  Fotos: Köhler
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Inken Schmersow wildert ein Jungtier aus. Fotos: Köhler

Die Stiftung Naturschutz wildert 75 Exemplare der bedrohten Reptilien auf der Geltinger Birk und in Holnis aus.

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22. August 2018, 12:00 Uhr

Nieby | Die Zauneidechse ist hierzulande vom Aussterben bedroht. Der bis zu 24 Zentimeter lange Insektenfresser mit dem wissenschaftlichen Namen Lacerta agilis ernährt sich hauptsächlich von Larven, Würmern, Grillen und Käfern. Im Naturschutzgebiet Geltinger Birk und im Stiftungsland von Holnis sind gestern 75 Exemplare dieses Reptils eingebürgert worden.

„Für uns ist dieses Projekt eine wichtige Bereicherung“, lobte Diplombiologe Nils Kobarg, Leiter der Integrierten Station in Falshöft. „Wir fangen bei Null an.“ Laut Janis Ahrens, Maßnahmen-Manager der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, konnte in den vergangenen Jahren landesweit trotz intensiver Suche kein Vorkommen der Zauneidechse mehr nachgewiesen werden. Doch Patrick Pohlmann von der Gesellschaft für Freiökologie und Naturschutzplanung (GFN) sprach von einer Ausnahme: „Im Raum Oeversee haben wir einige Männchen und Weibchen dieser Eidechsenart einfangen können.“

Diese haben in einem naturnah gestalteten Groß-Terrarium für Nachwuchs gesorgt. Aus Sicht der Reptilien-Expertin Inken Schmersow ist es ein Glücksfall, dass die 40-tägige Aufzucht der Jungtiere in Gelegeboxen – unter Verwendung eines Brutschanks mit Wärmestrahler – problemlos gelungen war. Inzwischen sind die Eidechsen dank der Fütterung mit kleinen Heuschrecken und Fruchtfliegen so gut herangewachsen, dass ihrer Auswilderung nichts mehr im Wege steht.

Ihr neuer Lebensraum befindet sich an der Innenseite des alten Deichs, der von Falshöft in Richtung Birknack verläuft. Dort ist nach Expertenmeinung „der Tisch gut gedeckt“. Oben auf dem Deichweg staunten Wanderer beim Blick nach unten: „Was macht ihr denn da?“ Antwort: „Wir setzen Eidechsen aus...“

Einige der kleinen Reptilien hüpften den Naturschützern regelrecht aus der Hand und begannen sogleich, ein Sonnenbad zu nehmen. Andere verkrochen sich unter alten Holzstücken. Was sie in ihrem Habitat vor allem benötigen, ist sandiger Boden. Nils Kobarg und die Verantwortlichen der Stiftung planen, in diesem Bereich den Kampf mit der üppig gedeihenden und ungeliebten Kartoffelrose aufzunehmen: „Die Wurzeln der Pflanze werden ausgebaggert, und dabei entsteht dann ein idealer Lebensraum für die Zauneidechsen.“ Finanziert wird das Umweltprojekt mit Fördergeldern der EU-Kommission – speziell vom Programm „Life + Nature and Biodiversity“.

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