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Kultur in Flensburg : Neue Hamburger Soulstimme und Barde mit alpinem Charme

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Miu und Konrad Beikircher waren die Vokalsolisten bei der 19. Nacht der Lieder im Autohaus Kath

shz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 08:00 Uhr

„Wir freuen uns auf die kleinen und großen Fehler, die hier auf dieser Bühne passieren werden.“ So oder so ähnlich begrüßt Richard Wester seit 19 Jahren die Besucher seiner „Nacht der Lieder“, die nach der Premiere 1998 im Deutschen Haus immer an wechselnden Orten stattfindet. Jetzt stand die Bühne ausnahmsweise zum zweiten Mal in Folge im Autohaus Kath an der Osterallee, und die Stuhlreihen waren bis auf ganz wenige Ausnahmen restlos voll.

Die Fehler hängen mit dem Format dieser Veranstaltung zusammen. Band und Solisten treffen sich stets erst am Tag vor dem Auftritt zu einer einzigen Probe, vor dem Auftritt gibt es einen „extended sound check“, und dann geht es auch schon los. Die Fehler waren am Ende verschmerzbar und wurden durch ganz viel Spontaneität und gemeinsame Musizierfreude mehr als wettgemacht. Zur Stammbesetzung mit Wester, Manfred Maurenbrecher, David Alleckna, Jochen Torp und Rolf Hammermüller gesellen sich stets zwei Solisten. Die Hamburger Sängerin Miu überraschte die Flensburger mit ihrer großartigen Soulstimme und starker Bühnenpräsenz. Abwechselnd begleitete sie sich an der Gitarre, am Klavier und der Ukulele – und reagierte charmant, als sie ein umfallendes Glas am Ende ihres letzten Song mit einem zarten „Klingeling!“ kommentierte. Von Miu, die eigentlich Nina Graf heißt und erst vor gut einem Jahr ihren bürgerlichen Beruf für die Musik aufgegeben hat, wird man in Zukunft sicher noch hören.

Der Novizin folgte der alte Barde, ein Urgestein der rheinischen Musik- und Kabarettszene, ein großartiger Sänger und Unterhalter mit alpinem Charme. Konrad Beikircher sang einen Wiener Walzer, in dem er den Mörder spielte, und nahm die Nordlichter („Ich weiß, dass ihr ja auch mal alle Österreicher wart“ – breites Grinsen) mit in die „morbide dekandente Wiener Welt“.

Doch siehe da: Als gebürtiger Südtiroler kann er auch Italienisch, und zusammen mit der kompletten Mannschaft – also quasi tutti – schmetterte er im besten Adriano-Celentano-Bass den Italo-Klassiker „Una festa sui prati“. Bellissimo! Miu stand dem in nichts nach und begeisterte das Publikum mit einer prächtigen Version des Alicia-Keys-Klassikers „New York“. Songs dieser Art sind genau ihre Kragenweite.

Dauergast Manfred Maurenbrecher, vor dem Beikircher sich verbal verneigte, hatte zu Beginn in einer Art „Talking Blues“ mit einer bitterbösen, wenn auch etwas langatmigen Betrachtung der deutschen Gegenwart ein politisches Statement gesetzt. Unverzichtbar ist im Zugabenblock seine Version der Tom-Waits-Nummer „In the Neighbourhood“, ebenso wie der melancholische Schlusspunkt „Ade nun zur guten Nacht“.

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