zur Navigation springen

Grünes Licht : Neue Gasleitung kann gebaut werden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Land genehmigt umstrittenen Trassenverlauf durch Klues / Stadtwerke wollen noch im Frühjahr mit dem Bau der 12-Kilometer-Leitung beginnen

Das Land hat die umstrittene Gasleitung, die die Stadtwerke Flensburg von Ellund bis zu ihrer neuen Gasturbine an der Batteriestraße bauen wollen, gestern genehmigt. Die Proteste der Klueser haben damit nichts genützt; erst vor knapp zwei Wochen hatte es eine Begehung der von den Anwohnern vorgeschlagenen Alternativtrasse durch den Kluesrieser Wald gegeben; dabei hatten sie noch einmal deutlich ihren Unmut bekundet (wir berichteten) und auch mit Klagen gedroht.

Die 12 Kilometer lange Gasleitung mit einem Durchmesser von rund 30 Zentimetern soll nach Fertigstellung Erdgas von der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Hauptleitung zum neuen, mit Gas betriebenen Kessel 12 der Stadtwerke führen. Sie führt von der Verdichterstation westlich von Ellund in Richtung Osten, nördlich an Harrislee vorbei und beim Kluesrieser Weg erst auf Flensburger Stadtgebiet, sodann unter der Westtangente hindurch und im Klueser Weg in unmittelbarer Nähe der dortigen Wohnhäuser bis zur Mads-Clausen-Straße, wo die Leitung nach Süden abknickt.

Der Vorschlag der Bewohner, am Kluesrieser Weg nach Nordosten abzubiegen und auf diese Weise den gesamten Ortsteil und das Danfoss-Gelände zu umgehen, findet in der Mitteilung des Umweltministeriums überhaupt keine Erwähnung. Die Stadtwerke haben für diese Alternativroute auch gar keine Genehmigung beantragt. Der Grund: „Eine Vorprüfung hat ergeben, dass nur der beantragte Trassenverlauf genehmigungsfähig ist“, so Stadtwerke-Sprecher Peer Holdensen gestern. „Da nur eine Trassenvariante zur Prüfung eingereicht werden kann, wurde dieser eingereicht und von der Planfeststellungsbehörde auch genehmigt.“ Zuvor hatten die Stadtwerke zwei Planungsbüros beauftragt, die von den Kluesern vorgeschlagene Trasse durch den Wald zu prüfen. Dabei handelt es sich um ein Flora-Fauna-Habitat nach europäischem Umweltrecht. Ergebnis der Vorprüfung laut Stadtwerke: keine Chance auf Genehmigung. „Eine Trasse mitten durch einen geschützten Wald, mit breiten Rodungen und Schneisen war nicht genehmigungsfähig. Das ist auch richtig“, sagt Umwelt- und Energiewendeminister Robert Habeck dazu auf Tageblatt-Anfrage: „Es macht mehr Sinn, eine Straße aufzunehmen und zuzuschütten, als Bäume zu fällen. Selbstverständlich unter den erforderlichen Schutzbestimmungen. In diesem Fall gehen Schutzvorschriften sie sogar über das Übliche hinaus.“

Für die Bewohner ist das eine bittere Botschaft: Offenbar, so deren Wahrnehmung, ist den Behörden der Schutz des Waldes wichtiger als der Schutz der Menschen. Doch die Planer der Leitung sind sich ganz sicher, dass von ihr keine Gefahr ausgeht. „Gas-Hochdruckleitungen erfüllen höchste Sicherheitsansprüche“, betont Holdensen. „Die Pipeline wird im Stadtbereich mit 1,20 Metern unterhalb der Fahrbahn tiefer verlegt als gefordert. Über dem Rohr verläuft in der Erde eine Geogrid-Schutzmatte, flankiert von unterirdischem Trassenwarnband, das bei Bauarbeiten als Warnhinweis dient. Selbst wenn alle Warnhinweise übersehen werden, halten die Spezialrohre extremen Belastungen stand.“ Vor ihrem Einsatz würden sie mit fast doppelt so hoher Druckbelastung geprüft wie im späteren Einsatz – mit 130 bis 150 statt 84 Bar.

Die Bewohner kennen diese Beteuerungen zur Genüge. Sie glauben, dass es immer ein Risiko gibt, verweisen auf die Panzer, die zum Beispiel die Apenrader Straße befahren, in der ein paar 100 Meter der Leitung verlaufen, und befürchten, dass irgendwann in vielen Jahren ein Bauarbeiter unaufmerksam ist und mit einem Bagger das Rohr beschädigt. Sie werfen den Stadtwerken vor, sich nicht ausreichend um alternative Trassen bemüht zu haben.

Die Stadtwerke müssen jetzt eine Klagefrist von einem Monat abwarten. Dann wollen sie baldmöglichst mit dem Bau der Leitung beginnen; die Arbeiten sollen nur sechs bis acht Monate dauern. Die Kosten liegen, so Holdensen, im siebenstelligen Bereich; das gesamte Gasprojekt kostet 128 Millionen Euro.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Jan.2014 | 08:19 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen