Kirche : Neue Farbenlehre in St. Gertrud

<strong>Am Fenster:</strong> Axel Wiese, Uwe Appold und  Christian Landbeck (v.l.) auf der Orgelempore vor dem von Appold gestalteten Fenster. Foto: euler
Am Fenster: Axel Wiese, Uwe Appold und Christian Landbeck (v.l.) auf der Orgelempore vor dem von Appold gestalteten Fenster. Foto: euler

shz.de von
16. April 2010, 07:51 Uhr

Flensburg | Die Kirchengemeinde St. Gertrud am Marienhölzungsweg blüht nach innen, während sie nach außen eher ein Mauerblümchen ist. "Die Zahl der Gottesdienst-Besucher steigt", sagt Pastor Christian Landbeck. 15 Gruppen seien in der Gemeinde aktiv, die Zahl der Mitglieder sei stabil. Im Kindergarten können 60 Kinder betreut werden, und alles findet unter dem Dach der Kirche in einem Gebäude statt.

Dabei stimmt das Wort Kirche nur zum Teil. Denn ursprünglich war St. Gertrud ein Jugendheim für junge männliche Handwerker. Seit 1965 ist es eine selbstständige Kirchengemeinde. Gebaut in den 1950er Jahren vom Architekten Rieve, ist das Backsteingebäude in die Jahre gekommen. Im Sommer 2009 begann die Sanierung und Erneuerung des Hauses; der erste Bauabschnitt ist fast fertig und wird im Rahmen eines Gottesdienstes am 18. April der Gemeinde vorgestellt und übergeben.

"Ich habe den Raum als düster empfunden", sagt Uwe Appold, der für St. Gertrud ein durchgehendes Farbkonzept erstellt und umgesetzt hat. Der Flensburger Künstler hat sich schon vor Jahren auf die Gestaltung liturgischer Räume in Kirchen spezialisiert; dabei spielt die Farbigkeit immer eine große Rolle. In St. Gertrud hat Appold sparsame Akzente gesetzt wie etwa die farbliche Gestaltung von Rillen und Riefen, die immer wieder auftaucht. Doch auch die große Farbexplosion, die den Betrachter innehalten und staunen lässt, findet man, etwa auf der Orgelempore, wenn das Sonnenlicht die farbig gestalteten Fenster hell erstrahlen lässt.

Hell ist jetzt auch der Kirchsaal, in den durch zwei neue Rundfenster an der Stirnseite zusätzliches Licht fällt. Wände und Decken wurden aufgehellt, hier wie auch andernorts verbreitet ein sanftes, helles Gelb eine positive Stimmung. Ein runder Teppich und langer Läufer, beide in Orange gehalten, werden noch geliefert.

Doch die Farbgestaltung ist nur der letzte Schritt eines aufwendigen Arbeitsprozesses. Zuvor wurde das Gebäude energetisch saniert, alte Fenster mussten ausgebaut werden, zum Teil in Eigenarbeit. Für die neuen Glocken mussten Stützen in den Gruppenraum im Dachgeschoss eingelassen werden. Komplett erneuerte Sanitärräume ermöglichen jetzt auch Übernachtungen, etwa der Konfirmanden, im Haus.

Die Modernisierung von St. Gertrud wird aus der Mitte der Gemeinde heraus unterstützt und getragen. So haben fast 200 Spender immerhin rund 46 000 Euro und damit etwa zehn Prozent der Baukosten aufgebracht. Einige Mitglieder der Gemeinde haben in den Sommerferien 2009 in Eigenarbeit an den Bau- beziehungsweise Abbrucharbeiten beteiligt.

Für Axel Wiese, den Vorsitzenden des Kirchenvorstands von St. Gertrud, ist die ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde "eine Art Ruhepol in meinem Leben". In vielen Gesprächen hat er eigene Ideen und Vorschläge bei den aufwendigen Sanierungsarbeiten eingebracht, ebenso wie andere Mitglieder der Gemeinde.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen