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Versöhnungskirche Harrislee : Neue Farben für den Kirchenraum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Pastoren fanden eine alte Fotoplatte aus der Entstehungszeit – die Versöhnungskirche ist ein seltenes Beispiel für Expressionismus im Kirchenbau.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 12:17 Uhr

Dass es sich bei der Harrisleer Versöhnungskirche um eine der seltenen expressionistischen Kirchen handelt, ist auch unter Harrisleern wenig bekannt. Im Heimatschutzstil 1928 von dem Architekten und Regierungsbaurat Wilhelm Oelker erbaut, nahm der Rotbacksteinbau die regionale Architektursprache auf und barg in seinem Inneren einen künstlerischen Schatz. Damit dieser wieder zur Geltung kommt, ist das Innere der Kirche seit Anfang April eine Baustelle.

Fast 90 Jahre nach dem Bau bekommt der Kirchenraum eine neue Farbgebung nach historischem Vorbild – die vierte seit der Bauzeit. Zwischendurch in den 1960ern zeigte sich das Kircheninnere in weiß-rosa. Der Hamburger Kirchenmaler Volker Lang wird die neue Farbgebung mit Originalöl- und Caseinfarben gestalten. Zur festlichen Wiedereröffnung am 20. Juli mit einem Konzert der Har’lee Gospel Singers soll die Kirche im ursprünglich zart farbigen Glanz erstrahlen.

„Im Tresor der Kirchengemeinde sind wir auf eine alte Fotoplatte gestoßen“, berichtet Pastor Axel Kapust. Der großformatige Schwarz-weiß-Abzug der historischen, wohl aus dem Baujahr stammenden Aufnahme präsentiert interessante Details: Deutlich sind Streifen zum Altar hin auf der „gefalteten“ Holzdecke zu erkennen, die sich wie ein Stoffbaldachin über den Kirchenraum spannt. An vielen Stellen prägten expressionistische Malereien das Interieur der Kirche. Leider gibt es keine Farbaufnahme. Das historische Foto lässt jedoch anhand von Helligkeitsnuancen Rückschlüsse auf die Origi-nalfarbgebung zu. In Absprache mit dem Denkmalschutz in Kiel wurden Farbschichten behutsam abgetragen, ein Farbgutachten erstellt. Heraus kam: Ein Grün verschiedener Abtönungen herrschte im Kircheninneren vor. Stilisierte Blumen und florale Muster zierten die Wangen der Bankreihen, die sich nach unten verjüngenden Pfeiler, Sterne die damals noch vorhandenen Türen zu den Bänken. Abgestufte Blautöne an der Decke erzeugten einen gedachten Himmel. An der Kanzel erstrahlte das Licht einer gemalten Sonne.

„Mit der ursprünglichen Farbgebung sollten die Besucher die Fülle der Natur, die Schöpfung Gottes erleben“, interpretiert Kapust. Wesentlich tragen auch die fünf von der Flensburger Künstlerin Käte Lassen gestalteten Fenster zur Wirkung der Kirche bei. Ob vielleicht gar sie das Interieur bemalte? „Es war etwas ganz Neues“, schwärmt Pastorin Silke Wierk von der in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf der grünen Wiese zwischen dem alten Bauerndorf Harrislee und der Arbeitersiedlung Harrislee-Feld entstandenen Kirche: „Es sind schöne, wohltuende Farben. Die ganze Kirche ist heimelig“. Ende der 1970er sei die Versöhnungskirche um etliche Bankreihen erweitert worden.

„Jede Kirche muss eine Idee haben“, freut sich Kapust auf den Gottesdienst inmitten der gemalten Schöpfung Gottes. „Wenn wir den Gottesdienst so feiern können wie er gedacht war“, er-gänzt Wierk. Maßgeblich machbar sei das Projekt durch das Erbe des ehemaligen Malers und Hausmeisters am St. Franziskus, Kurt Wieck, der der Kirchengemeinde sein gesamtes Vermögen vermacht hat. Bis zur Wiedereröffnung finden die Gottesdienste im Haus der Kirche statt, Trauerfeiern in der däni-schen Kirche: „Wir haben den Schlüssel“, heißt es dankbar.





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