Glücksburg : Neue Einblicke in die Stadtgeschichte

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Berthold Hamer mit dem Cover seines neuesten Buches
Berthold Hamer mit dem Cover seines neuesten Buches

In seinem neuen Stadtband hat Berthold Hamer vielfältige Details der Glücksburger Geschichte zusammengetragen.

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06. Dezember 2018, 16:45 Uhr

Glücksburg | In Glücksburgs viel besuchter Ortsmitte, dem Schinderdam, gab es einmal einen Teich. Wenn es ihn noch gäbe, stünde das heutige Rathaus im Wasser und Teile vom Edeka-Markt ebenfalls. Auf dänisch heißt „dam“ Teich. Darum schreibt sich Schinderdam mit einem „m“ und hat nichts mit einem „Damm“ zu tun. Solche und andere interessante Informationen stehen im neuen Straßenband von Berthold Hamer über die Rathausstraße. Jetzt stellte er das Buch im Feuerwehrhaus von Glücksburg 140 interessierten Menschen vor.

Der Band dokumentiert auch fotografisch den Werdegang von einem beschaulichen Ortskern zu einer Durchgangsstraße in Richtung Holnis. Direkt an der Hauptkreuzung zur Bahnhofstraße befand sich einst das Hotel Stadt Hamburg mit hübscher Holzveranda und Bäumen. Daneben gab es von 1945 bis 1964 ein Kino, die Glücksburger Lichtspiele.

Auch die Abbrüche zahlreicher alter Häuser, darunter auch Bauernhäuser, werden aufgeführt. Erhalten blieb hingegen die „Kronen-Apotheke“ aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eine Apotheke gab es dort über 120 Jahre, von 1892 bis 2014.

Schlachter Clausen und Bäcker Nissen bringen es immerhin auf 60 und 58 Geschäftsjahre. In anderen Häusern registrierte Hamer zahlreiche Wechsel. Rathausstraße 11 beispielsweise, ehemals Elektro Weinbrecht, bringt es auf 15 verschiedene Ladeninhaber.

Vier Rathäuser hatte Glücksburg entlang der Rathausstraße. Das größte bestand von 1971 bis 2010. Es war dreigeschossig mit Flachdach und Parkplatz davor. Zur Bauzeit rechnete die Stadt mit einem Anwachsen der Bevölkerung auf 10 000 Menschen. Es wurden dann aber nur 6000. Das Rathaus wurde „wegen erheblichen Sanierungsbedarfs und Aufwertung des Stadtkerns“ abgerissen.

Nennenswert erschienen Berthold Hamer in seinem Vortrag die Biografie von Charlotte Kruse (1841-1935), wohnhaft Postplatz 3, Glücksburgs erste Fotografin und Matthias Nissen, Rathausstraße 36. Nissen sei, so Hamer, „mit vielen Talenten gesegnet“ gewesen. Er konnte malen, musizieren und rechnen. Nissen habe seine Begabungen eher nebenbei ausgelebt, von Beruf war er Malermeister.

„Entertainment ist ja nichts dagegen“, meinte Glücksburgs frühere Bürgervorsteherin Dagmar Jonas über Hamers Buchvorstellungen.

> Erhältlich ist der Straßenband im Glücksburger Rathaus, im Bürgerbüro und bei der VR Bank für 12 Euro.





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