zur Navigation springen

Wiedervorlage in Flensburg : Neubauten gegen den Preisdruck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Regionale Wohnungsbaugenossenschaften wollen in den nächsten Jahren zahlreiche Projekte umsetzen. In Flensburg sind durch Fluktuation permanent zwischen 300 und 350 Wohnungen im Angebot.

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Wiedervorlage – so heißt in der öffentlichen Verwaltung, in der Politik oder bei der Justiz die Strategie, damit eine Akte nicht in Vergessenheit gerät. Die Tageblatt-Redaktion holt sich öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, dass heißt, fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Heute: Gibt es in Flensburg zu wenige Sozialwohnungen und insgesamt zu wenig bezahlbaren Wohnraum?

 

Nach dem Motto „Neubau ist Flensburgs beste Mietpreisbremse“ haben die drei großen Wohnungsbaugenossenschaften der Region ihre aktuellen Neubauvorhaben zusammengetragen: Der Selbsthilfe-Bauverein (SBV) hat fünf Neubauvorhaben in Bau oder Planung, die zusammen 361 Wohnungen für Flensburg schaffen sollen: 47 an der Ecke /Zur Exe/Schützenkuhle, 74 auf der Fläche des früheren Schottweg-Hochhauses an der Ecke Wasserlooser Weg, 50 genossenschaftliche Wohnungen am Wasserturm, 100 im Bahnhofsumfeld im Projekt Mølledam sowie 90 in Fruerlund (Travestraße 28). Immerhin 171 der Wohnungen sind öffentlich gefördert.

Der Flensburger Arbeiter-Bauverein (FAB) hat gerade 118 Wohnungen in Campusnähe in seinem großen Projekt „Auf der Canzeley“ fertiggestellt. In Kürze soll hier der letzte Bauabschnitt mit Haus 5 weitere 40 Wohnungen schaffen. Auch wenn Projekte wie das des FAB an der Kanzleistraße mit 8,50 Euro Nettokaltmiete nicht direkt Wohnungen im günstigsten Segment schaffen, so verringerten sie doch den Druck durch Mieter, die durch ihren Wechsel in höherwertige Wohnungen günstigere freimachten, argumentieren FAB-Chef Michael Kohnagel und SBV-Chef Raimund Dankowski. Im kommenden Jahr will der Arbeiter-Bauverein zudem mit dem Bau zweier neuer Studentenhäuser am unteren Sandberg beginnen. 84 öffentlich geförderte Studentenwohnungen sind hier für 5,8 Millionen Euro geplant.

Die Gewoba Nord aus Schleswig, in Flensburg bislang erst mit 244 Wohnungen vertreten, hat sich in den kommenden Jahren an der Förde einiges vorgenommen. Im ambitioniertesten Bauprojekt „Skolehaven“ an der Ecke Gartenstraße/Duburger Straße sollen allein 96 Wohnungen entstehen. Dazu kommt der „Hansigarten“ in Mürwik – an der Einmündung Fördestraße/Solitüder Straße sollen für geplante 3,5 Millionen Euro 21 Wohnungen gebaut werden. Außerdem soll mit der Gewoba endlich das Projekt Freiland zwischen Bahnhof und Munketoft aus den Startlöchern kommen: Kern der Planung ist ein großes Atrium-Haus mit 40 Wohnungen. Für Gewoba-Vorstand Stefan Liebscher gehören zu den Flensburger Planungen auch die Harrisleer Solarthermie-Häuser am Musbeker Weg. SBV (insgesamt 6943 Wohnungen) und FAB (2365) haben zwar lediglich 25 Prozent beziehungsweise 12 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen im Bestand. Insgesamt lägen aber 83 Prozent der vermieteten Wohnungen in jener Preisklasse, in der Transferleistungsempfänger die Kosten der Unterkunft erstattet bekämen. Die Durchschnittsmiete (netto kalt) gibt der SBV mit 5,02 Euro an, der FAB mit 5,03 Euro. 61 Prozent (4227) der SBV-Wohnungen lägen im Mietpreis unter 5,20 Euro pro Quadratmeter. Die jährlichen Mietsteigerungen geben die Flensburger Genossenschaften mit 1,6 beziehungsweise 1,7 Prozent an. Insgesamt seien in Flensburg durch Fluktuation permanent zwischen 300 und 350 Wohnungen im Angebot.

Was die Genossenschaften indes mit Sorge betrachten, sei die Entwicklung der Baupreise. Technische Ausstattungen (Lüftung, Heizung, Wasseraufbereitung) und Baunebenkosten für Architekten- und Ingenieurleistungen von Umweltverträglichkeit bis Brandschutz hätten die Preise allein in den vergangenen vier bis fünf Jahren um ein glattes Drittel steigen lassen. „Den Genehmigungsbehörden geht es zunehmend darum, sich abzusichern“, schimpfen die Genossenschafter. Insgeheim hoffen sie, dass der zusätzliche Druck beim Wohnungsbau durch die Flüchtlinge dazu führen werde, dass die Genehmigungsprozesse sich verschlanken könnten. Dass manches beim Wohnungsbau schneller abgewickelt werden könnte, zeigen zwei Beispiele. Für den geplanten Seniorenpark Mürwik auf dem Gelände des früheren Schottweg-Hochhauses sollte der Notartermin für den Kauf bereits im vergangenen November sein. Tatsächlich sei der Kaufvertrag aber erst vergangene Woche unterzeichnet worden, berichtet SBV-Chef Dankowski. Und Gewoba-Mann Liebscher steuert das Beispiel Hansigarten bei: An der Einmündung Solitüder Straße liegen die Bauarbeiten für ein Jahr auf Eis, weil die Stadt die Fällgenehmigung nicht rechtzeitig erteilt habe. Liebscher: „Jetzt können wir erst wieder ab 30. September fällen.“

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen