Stadtplanung : Neubau am Rathaus - ein "Glücksfall"?

Ende der Blechlawine? Genau hier, vor dem Rathaus (l.) und neben der Sydbank (r.), könnte der neue Bürokomplex entstehen; die Parkplätze verschwinden in der Tiefgarage. Foto: staudt
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Ende der Blechlawine? Genau hier, vor dem Rathaus (l.) und neben der Sydbank (r.), könnte der neue Bürokomplex entstehen; die Parkplätze verschwinden in der Tiefgarage. Foto: staudt

Bürogebäude soll Lücke zwischen Sydbank und Dienstleistungszentrum schließen / Lob und Kritik aus dem Planungsausschuss

shz.de von
17. Juni 2011, 04:59 Uhr

Flensburg | Es ist eine schwere Geburt. Seit September 2010 verhandelt der Flensburger Investor Gerd Theilen mit der Stadt über den Verkauf des Grundstücks neben der Sydbank. Auch die dritte Lesung des Vorentwurfs im Umwelt- und Planungsausschuss brachte noch keinen positiven Vorentscheid. Die Stadt hat die Chance, das unvollendete Ensemble südlich des Rathauses zu komplettieren und hier so etwas wie einen Rathausplatz entstehen zu lassen.

Schon 2006 hatte der dänische Architekt Exner im Zuge des Architektenwettbewerbs für die Sydbank den gesamten Bereich überplant (s. Skizze unten). An diesem Entwurf orientiert man sich auch heute noch. Der Neubau schließt die Lücke zwischen dem Platz an der Wasserwand vor dem bestehenden Dienstleistungszentrum (DZ), das Theilen 1994 gebaut hat, und dem Neubau der Sydbank; es verdrängt den Sandparkplatz. Unter dem Neubau sollen auf zwei Etagen bis zu 200 Autos Platz finden.

"Ein Glücksfall für Flensburg", sagt der städtische Chefplaner Michael Draeger, "weil wir dadurch am Rathaus endlich zu einer abgeschlossenen Situation kommen." Die verbleibenden Freiflächen hinter dem Neubau, zwischen Rathaus und Hotel am Rathaus, sollen zu einem Platz mit Aufenthaltsqualität gestaltet werden.

Theilen hat zwei Hauptmieter für die 5000 bis 6000 Quadratmeter große Fläche, "der Rest ist mein Risiko". Doch diese Mieter scharren mit den Hufen, wollen möglichst Ende 2013 einziehen. Eine allzu lange Verzögerung könne er deshalb nicht mittragen, sagte Theilen gegenüber dem Tageblatt. Wenn aus dem Projekt nichts wird, sei er nicht traurig; nach dem Scheitern des Hotel-Projekts am Ballastkai ist er Kummer gewohnt.

Im Planungsausschuss, der das Projekt bislang unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt hat, sind die Meinungen geteilt. "Ganz hervorragend" findet es der Ausschussvorsitzende Frank Markus Döring (CDU). Auch er sieht die große Chance, die Fläche am Rathaus zu gestalten. Andere stoßen sich zum Teil an der Größe des Gebäudes und der auskragenden Form: Da hier der Mühlenstrom im Untergrund fließt und man nicht von der Stabilität seines künstlichen Betts überzeugt ist, weicht der Bau im Untergrund zurück, kragt an der Oberfläche aber um mehrere Meter in Richtung Gehweg am Neumarkt aus. Dies war offenbar auch in einer kurzfristig anberaumten Sitzung des Gestaltungsbeirates ein Thema. Über die Gestaltung der Fassade ist indes noch nichts bekannt. Chefplaner Michael Draeger kündigte einen Fassadenwettbewerb an, mit dem auch Theilen kein Problem hat.

Nach einem grundsätzlichen Okay zu dem Projekt soll es dann auch öffentlich im Umwelt- und Planungsausschuss vorgestellt und diskutiert werden.

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