Naturfrevel in Flensburg? : Neubau ärgert Nachbarn auf St. Jürgen

Neue Entwässerung: Hier werden später weitere Stellplätze eingerichtet, ebenso zwischen dem alten und dem neuen Haus.
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Neue Entwässerung: Hier werden später weitere Stellplätze eingerichtet, ebenso zwischen dem alten und dem neuen Haus.

Statt Betreutes Wohnen entstehen an der Jürgensgaarder Straße 25 Wohnungen für Studenten / Baumfällungen mit TBZ-Förster abgesprochen

shz.de von
07. Juli 2015, 07:41 Uhr

Vor ziemlich genau sechs Jahren wurde der Bebauungsplan Jürgenshof von der Ratsversammlung geändert – und danach passierte nichts. Im November 2014 dann erteilte die Stadt eine Baugenehmigung für eine Erweiterung auf dem Grundstück an der Jürgensgaarder Straße – nicht mehr, wie ursprünglich geplant, für eine Erweiterung der Seniorenwohnanlage Jürgenshof, sondern für ein Haus mit Studentenwohnungen. Der Baubeginn in diesen Wochen kam für viele Nachbarn überraschend; sie fühlten sich schlecht bis gar nicht informiert.

Das Immobilienunternehmen Densch & Schmidt reagiert mit der Nutzungsänderung auf, wie es Juniorchef Oliver Densch erläutert, den stetig wachsenden Bedarf an Wohnraum vor allem für Studierende. „Wir machen hier aber etwas Neues und bieten komplett möblierte und hochwertig ausgestattete Wohnungen an“, so Densch. Die Bruttomiete werde „marktgerecht“ sein, die Fertigstellung sei für April bis Mai 2016 geplant. 25 Wohneinheiten werden gebaut, zusammen mit dem bereits bestehenden Gebäude entsteht dann hier eine kleine Studentenwohnanlage. Für Lärm und Unannehmlichkeiten entschuldigt sich Densch schon jetzt bei den Anliegern.

Bei denen war die Empörung groß, als am 9. und 10. Juni rund ein Dutzend Bäume auf dem parkähnlichen Grundstück gefällt und abtransportiert wurden. Für Peter Jürgensen, der seit neun Jahren gegenüber an der Jürgensgaarder Straße / Ecke Buchenstraße wohnt, ist das „ein Naturfrevel hoch drei“, die Bäume seien alle gesund gewesen. An den Stümpfen sieht man allerdings, dass sie zum Teil sehr nah bei Artgenossen standen. Die Bäume standen dabei gar nicht auf dem eigentlichen Baufeld, sondern eher am Rand des Grundstücks zur Bachstraße, zur Jürgensgaarder Straße und zum St. Jürgen-Gang.

„Bis abends um 19 Uhr haben die gearbeitet“, erinnert sich Jürgensen – und mutmaßt, dass man diese Arbeiten schnell aus dem öffentlichen Blickfeld nehmen wollte. Oliver Densch hingegen betont, dass man die Fällungen mit dem Stadtförster vom Technischen Betriebszentrum  und dem Grünamt abgesprochen habe; entfernt worden seien nur Bäume, die früher oder später andere in ihrem Wuchs behindert hätten. „Wir haben alles getan“, versichert Densch, „um den Bestand zu schützen.“

Obwohl es sich bei den Behausungen baurechtlich um „Kleinstwohnungen“ handelt, wird das Gebäude nun doch die im Bebauungsplan vorgesehenen Baugrenzen überschreiten, und zwar um 2,15 Meter zur Jürgensgaarder Straße. Dazu kommen weitere 1,50 Meter durch die Balkone. Der Abstand zur Jürgensgaarder Straße beträgt dann 6,50 Meter. Das Haus mit Ziegelfassade wird zwei Vollgeschosse und ein zurückgesetztes Staffelgeschoss erhalten. Mit dieser Höhe konnte die Überschreitung der Baugrenzen im Zuge der Baugenehmigung erlaubt werden und musste nicht noch einmal in die politischen Gremien.

All das ist Peter Jürgensen und seinen Nachbarn, bei denen sogar das Gerücht von einer zusätzlichen Halle die Runde machte, nicht bekannt; Densch und Schmidt hatten nur die Bewohner des Jürgenshofes und des Studentenhauses per Handzettel über die Baumaßnahmen informiert.

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