Netzausbau leicht gemacht

shz.de von
10. November 2012, 03:59 Uhr

An dieser Stelle sollen auch mal unsere Stadtwerke gelobt werden - jedenfalls ein bisschen. Immerhin verkaufen sie den eigenen Strom ab 1. Januar drei Prozent billiger, damit all die alten und neuen Energie- und OffshoreUmlagen nicht noch schlimmer auf den Preis drücken. Diese summieren sich samt Umsatzsteuer auf eine Preiserhöhung um 13,5 Prozent. Also danke, liebe Stadtwerke, dass der Strompreis nur um zehn Prozent steigen muss. Vielleicht klappt es mit dem Verbilligen ja beim nächsten Mal auch, wenn die neuen Energie-Umlagen gerade einmal nicht exponential steigen.

Warum sie das derzeit tun, hat scheinbar nicht nur mit steigenden Kosten durch neue Leitungen oder Garantiepreise für Solarkocher und Windmüller zu tun. Immer mehr energieintensive Unternehmen lassen sich einfach befreien - aus Wettbewerbsgründen und zum Wohle des Exports. Blöd nur, dass immer mehr Firmen diesen Wettbewerb verspüren, weshalb das Befreiungswesen von Netzentgelten und Ausbau-Umlagen sich prächtig entwickelt. Von zuletzt 813 befreiten Betrieben soll die Zahl sich nun wohl mindestens verdrei- oder vervierfachen. So genau ist das derzeit nicht zu sagen. Weil die ersten Golfplätze und die Frankfurter Börse, die nach Recherchen der Flensburger Grünen auch schon Befreiungsanträge gestellt haben, wohl noch nicht wissen, ob diese auch bewilligt werden.

Nun ist es eigentlich auch nicht einzusehen, dass Golfplätze beim Netzausbau besser behandelt werden als Tennisplätze oder Flunderfischer in der Ostsee, die bereits seit langem ihre eigenen Netze haben und damit beim Netzausbau viel schneller vorankommen könnten.

Einen Befreiungsantrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle darf man aber nur stellen, wenn man entweder mehr als zehn Gigawattstunden Strom verbraucht - oder die Stromkosten über 14 Prozent seiner Wertschöpfung liegen. Letzteres sollte praktisch auf jeden Flensburger Privathaushalt zutreffen, der in der Küche über Eisschrank und Mikrowelle sowie im Kinderzimmer über TV-Gerät und Spiele-Konsole verfügt.

Realistischerweise wird es mit der Befreiung für Privathaushalte aber nichts werden. Günstigere Preise gibt es wohl nur über Stromsparen. Oder über Anbieterwechsel? Das wird kaum helfen, denn die 13,5 Prozent Mehrkosten werden alle Stromversorger umzulegen haben. Den "Tarif" wechseln? Schon eher. Günstiger als der von den Flensburgern zu drei Vierteln genutzte Grundversorgungstarif sind nämlich die "Produkte" der Stadtwerke. Die heißen dann "Expert" oder "extra öko". Merke: In Flensburg sind Produkte günstiger als Tarife. Hätte man sich eigentlich denken können.

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