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Wiedervorlage : Netz-Streit: Entscheidung im Herbst

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadtwerke möchten die Hoheit über das Breitbandnetz an die Übernahme der Entwässerung koppeln – und ernten Widerspruch vom TBZ.

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2015 | 08:00 Uhr

In der Zukunftsstrategie der Flensburger Stadtwerke sind sie ein gewichtiger Faktor – im Tauziehen um die künftige Entwicklung des Technischen Betriebszentrums auch: Glasfaserkabel für schnelle und leistungsfähige digitale Verbindungen. Auf Beschluss des Hauptausschusses bereitet die Verwaltung im Moment eine Entscheidungsgrundlage von Tragweite vor: Bekommt Flensburg einen Gleichordnungskonzern unter der Kontrolle der Stadtwerke, der neben Fernwärme, Strom, Wasser und Kabel auch die jetzt noch zum Vermögen des TBZ gehörende Stadtentwässerung bekommt?

Die Fragestellung ist umstritten. Widerspruch ernten die Stadtwerke gegen ihr Hauptargument, dass sie im Zuge des Aufbaus eines Breitbandnetzes enorme Einsparungen erzielen könnte, wenn sie auch die Kanalisation in ihrer Hand hätten. Die Ersparnis verspricht sich die propere städtische Tochter aus dem Umstand, dass sie als Inhaberin der Kanalisation im Zuge der Sanierung ihre Glasfaserkabel gleich mitverlegen kann.

Natürlich gibt es auch eine Gegenposition. Und die kommt vom TBZ, das darauf hinweist, dass die Stadtwerke im Zuge regelmäßiger Koordinierungsgespräche stets informiert werden, wenn im Stadtgebiet die Straße für die Kanalsanierung aufgerissen wird. Als Tiefbau-Tochter weist das TBZ ferner darauf hin, dass sich Glasfaserkabel mit deutlich weniger Aufwand und Kosten auch unter den Gehwegen verlegen lassen, wie es vielfach in Flensburg bereits der Fall sei.

Im Zuge der Kanalnetzsanierung, so TBZ-Sprecher Ralf Leese, seien für die nächsten Jahre jährlich fünf Millionen Euro eingeplant. Selbstverständlich könnten die Stadtwerke die Gelegenheit nutzen und ihre Medienleitungen verlegen – jährlich würden rund sechs Kilometer Straße für die Sanierung aufgerissen.

Oder kommt das alles viel zu spät? In den vergangenen Jahren haben zwei Schwergewichte der Branche ihr Flensburger Leitungsnetz auf den neuesten Stand gebracht: Kabel Deutschland/Vodafone und die Telekom. Das Ergebnis dieser Aktivitäten relativiert die von den Stadtwerken behauptete Notwendigkeit, auch noch von dem städtischen Unternehmen mit Breitbandtechnik versorgt werden zu müssen, ein wenig. Die Telekom hat nach eigenen Angaben 39 Kilometer Glasfaserkabel in Flensburg verlegt und kann theoretisch 44  500 Haushalte mit VDSL (Very Highspeed Digital Subscriber Line) versorgen, das mit 100 Megabit/Sekunde getaktet ist. 24 500 Haushalte seien Ende letzten Jahres angeschlossen worden.

Kabel Deutschland will noch weiter vorpreschen. Aktuell lässt es sich mit dem Anbieter bei 100 Mbit/s surfen, telefonieren und fernsehen – das zum Vodafone-Konzern gehörende Unternehmen treibt in seinem aus Koaxial- und Glasfaserkabeln bestehenden Netz jedoch die technische Aufrüstung für die doppelte Geschwindigkeit und mehr voran. „Perspektivisch wollen wir die Kapazität unserer Kabelnetze auf bis zu 20 Gigabit/Sekunde erhöhen“, sagt Unternehmenssprecherin Heke Koring auf Anfrage. Im „normalen“ Hochgeschwindigkeitsbereich kann Kabel Deutschland 95  000 Haushalte in und um Flensburg versorgen.

Das ist auch einem modernen Netz geschuldet, das die Stadtwerke Flensburg selbst gelegt haben: Dem Hochgeschwindigkeitsnetz der ehemaligen KomTel, das mit dem Verkauf der Versatel an die Vodafone-Gruppe gegangen ist. Kein Wunder also, wenn Flensburg auf der Landkarte des Fortschritts schon jetzt mit sehr gut benotet wird. Der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur bescheinigt der Fördestadt eine Abdeckung mit Bandbreiten jenseits der 50 Mbit/s von über 85 Prozent.

Und die Stadtwerke? Halten an ihrem Plan fest und unterschätzen womöglich die Konkurrenz. „Unser Ziel ist, unser Glasfasernetz in Flensburg, Glücksburg und Harrislee flächendeckend auszubauen, um den zukünftig stark steigenden Anforderungen an Datenübertragungsraten gerecht zu werden. Deshalb haben wir uns für Glasfaser entschieden, weil es schnellere Übertragungsraten als die verlegten Kupferkabel von Kabel Deutschland oder der Telekom ermöglicht.“

Diese Aspekte wird die Verwaltung berücksichtigen, die jetzt ihren Auftrag abarbeitet. Allerdings steht dieser mit Mehrheit von CDU, SSW und SPD beschlossene Auftrag bereits unter einer einschränkenden Prämisse: „Die Gründung eines Gleichordnungskonzerns wird angestrebt“, heißt es in der Vorlage. Am 17. September will Bürgermeister Henning Brüggemann liefern. Dann tagt erstmals die Arbeitsgruppe aus Verwaltung und Politik.

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