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Flensburger Tageblatt

16. August 2017 | 17:37 Uhr

Nette Toilette für die Innenstadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

SSW möchte Modell aus 90 anderen Städten nach Flensburg holen, um die Situation der öffentlichen WC-Anlagen zu verbessern

Wer am Wochenende in der Innenstadt ein dringendes Bedürfnis hat, sollte sich dieses am besten verkneifen. Grund: „Der Zustand der öffentlichen Toiletten in Flensburg ist völlig unzureichend und sowohl für die Flensburger als auch für die Touristen oft nicht akzeptabel. Dazu kommt, dass es auch keine ausreichende Anzahl von öffentlichen Toiletten in Flensburg gibt“, meint SSW-Ratsherr Edgar Möller. Er schlägt vor, die Situation mit dem Konzept „Nette Toilette“ zu verbessern.

Es sieht vor, WC-Anlagen von Gastronomiebetrieben kostenlos für Passanten anzubieten. In 90 Städten, darunter Lübeck, gibt es dieses Konzept bereits. Ein entsprechender Aufkleber weist auf die zugänglichen Toiletten hin. Als Aufwandsentschädigung erhalten die Restaurantbesitzer einen Betrag zwischen 100 und 150 Euro pro Monat.

In der Innenstadt gibt es fünf öffentliche Toiletten. Der Allgemeinzustand reicht von absolut akzeptabel bis vollkommen unzulänglich. Möchte man die Toiletten in der Neuen Straße benutzen, sollte man sich das gut überlegen. Die Hygienezustände sind alles andere als einladend. Weder Klobrille noch Seife sind vorhanden, und die Ausstattung scheint auch schon mehrere Jahre alt zu sein.

Monika Lohmeier ist als Touristin in Flensburg unterwegs und macht gleich wieder kehrt, nachdem sie einen Blick in die Örtlichkeit der Neuen Straße geworfen hat: „Es kommt häufig vor, dass öffentliche Toiletten in einem schlechtem Zustand hinterlassen werden.“ Dieses Problem habe sie auch schon in anderen Städten beobachtet. Besonders für Touristen, die auf öffentliche Toiletten angewiesen sind, ist dies problematisch und wirkt sich negativ auf das Stadtbild aus.

„Gerade wenn man ältere Touristen anlocken möchte, sind der Zustand und die Anzahl öffentlicher Toiletten wichtig“, meint Harry Ciba. Dies bemerke er insbesondere, wenn er mit seiner Mutter unterwegs sei. „Als älterer Mensch ist auf öffentliche Toiletten in der Nähe angewiesen.“

Eine sehr häufig besuchte Örtlichkeit befindet sich auf dem Südermarkt. Die Anlage ist zwar älter, jedoch sind die Toiletten in einem guten Zustand. Eine Reinigungskraft sorgt hier für saubere Verhältnisse. Am Zob sind zu wenige Klos vorhanden, und die Sauberkeit ist nicht optimal. Das hier etwas getan werden muss, findet auch Stadtführer Knut Franck: „Die öffentlichen Toiletten in der Innenstadt wirken abstoßend. Eine Stadt, die für Touristen attraktiv sein möchte, muss hier etwas ändern.“ Besonders kritisch sei es, wenn er am Sonntag Vormittag mit einer Touristengruppe am Zob startet und viele noch einmal „müssen“. Da alle Geschäfte geschlossen sind, können die Gäste nur auf die öffentliche Toilette zurückgreifen – und die sei oftmals schlichtweg inakzeptabel. Das Konzept der „Netten Toilette“ würde er begrüßen.

Das vorläufige Feedback der Gastronomen ist jedoch zurückhaltend. Campus-Suite-Inhaber Leonard Stebisch würde seine Toiletten nicht mit einem Aufkleber öffentlich machen. „Grundsätzlich ist jedoch jeder willkommen, auch wenn er nur auf die Toilette möchte.“ Das verstehe er unter gutem Service. Auch Jessica Nennmann von der Bäckerei Hansen Mürwik glaubt nicht, dass ihr Chef das Angebot der „Netten Toilette“ gutheißen würde. Auch hier sei jeder willkommen, der freundlich fragt.

Jetzt ist die Politik am Zuge. Der SSW will die „Nette Toilette“ jedenfalls in der nächsten Sitzung des Planungsausschusses zur Diskussion stellen.

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erstellt am 21.Mai.2014 | 13:19 Uhr

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