Flensburg : Nautics: Volkszählung im Minutentakt

Dicht gedrängt an der Hafenpromenade: Die 'Flensburg Nautics' erwiesen sich als echtes Bürgerfest. Foto: Dewanger
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Dicht gedrängt an der Hafenpromenade: Die "Flensburg Nautics" erwiesen sich als echtes Bürgerfest. Foto: Dewanger

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16. August 2010, 06:20 Uhr

Flensburg | Diesmal wollte Michael Reinhardt es ganz genau wissen. Nachdem in den Vorjahren schier unglaubliche Besucherzahlen die Runde gemacht hatten, ließ der Nautics-Chef nun zählen. Mit Argusaugen wurde jeder Gast bedacht, der die Promenade passierte. Exakt 157 pro Minute und Meter kamen heraus. "Wir haben sorgfältig gerechnet", versicherte Reinhardt, "an der Zahl 400 000 führt kein Weg vorbei."

Überhaupt war ihm und Mit-Veranstalter Hans-Jürgen Edelhoff bei der gestrigen "Bilanz-Pressekonferenz" die Freude förmlich ins Gesicht geschrieben. Denn laut Reinhardt sind die "Flensburg Nautics" für ihn "eines der größten Wagnisse", die er eingehe. Eines, das durchaus hätte ins Wasser fallen können. Es regnete in Kiel wie in Kopenhagen, das Tief streifte Kappeln - Flensburg jedoch blieb verschont.

Auf den 3,5 Kilometern zwischen Hauptbühne und dem farbenprächtigen Riesenrad vergnügte sich das Publikum - und zwar friedlich. Keine Krawalle, kein Kleinholz. Polizei und Ordnungsamt waren kaum gefordert, dafür aber Straßenkünstler wie der pfiffige Marionettenspieler und Musiker aller Couleur. Sie waren stets dicht umlagert. Auf der Hauptbühne erwiesen sich die "Joe Cocker Illusion" mit originalgetreuer Röhre, die legendären German Bonds und Buten-Hip hopper Jim Pansen als Magneten. Aber auch Shanty-Chöre und Trachtengruppen fanden ihre Fans. Höhepunkt das Feuerwerk mit dem malerischen Namen "Goldchrysanthemen".

Auch seeseitig alles im Lot. "Alle 48 Schiffe, die da waren, wollen auch wiederkommen", berichtet Hans-Jürgen Edelhoff. Den ersten Platz bei der Spaß-Regatta belegte der Rah-Segler "Banjaard" aus der Niederlande. Die "Shtandart", die sich ohne Start- und Gaffelsegel bei einer Windstärke gen Null tapfer abmühte, wurde mit dem Sonderpreis für Beharrlichkeit belohnt - einem Ölgemälde ihres eigenen Schiffes.

Bei der anschließenden Crew-Party auf der "Atlantis" ließen es die 407 Mann "Besatzung" Sonnabendnacht ordentlich krachen. Mit Rücksicht auf ein eventuell besonders ausgeprägtes Schlafbedürfnis wurde gestern erst um 11 Uhr zur Auslaufparade gebeten - nachhaltig untermauert von zwei mächtigen Kanonenschüssen von Bord der "Shtandart". - "Alle haben an einem Strang gezogen. Und wir haben alle erreicht, die sonst nicht zu mobilisieren sind", meinte Reinhard. Sein Fazit: "Flensburg ist klasse!"

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