Villekula Flensburg : Natur und naschen mit Schutzengel

Grüne Daumen, schmutzige Finger: Villekula-Gründerin Tjorven Reisener (links) hilft den kleinen Gärtnern, Grün in den Hinterhof von Schutzengel zu bringen.
Grüne Daumen, schmutzige Finger: Villekula-Gründerin Tjorven Reisener (links) hilft den kleinen Gärtnern, Grün in den Hinterhof von Schutzengel zu bringen.

Verein mit Elterntreffpunkt in der Neustadt hat Hinterhof begrünt und führt mit Hilfe von Villekula Kinder an die Geheimnisse des Gärtnerns heran

Avatar_shz von
28. August 2017, 07:20 Uhr

Hohe Häuserwände begrenzen den beengten Hinterhof der Lerchenstraße 4 bis 6, der Asphalt lässt ihn kühl wirken. Doch das ändert sich, seit kleine und große Menschen mit grünen Daumen an der Adresse des Elterntreffpunkts des Schutzengel-Standorts in der Neustadt am Werk sind. Der Schutzengel-Jahresbericht von 2016 schreibt, dass ein Bauunternehmer für den Innenhof „drei perfekte Hochbeete“ gebaut hat. Beim Konzept für das „Urban Gardening“ hat Villekula geholfen. Der Verein mit 5000 Quadratmetern am Quakenweg bietet Kindern und auch Erwachsenen Gartenprojekte an.

Ein Schlüsselerlebnis, überhaupt das Thema Natur und Ernährung auf diese Weise bei der Wurzel zu packen, könnte die Petersilie auf den Kartoffeln gewesen sein. Heike Menge vom Schutzengel in der Neustadt erinnert sich, dass sie eines Tages mal wieder gemeinsam kochten mit den Familien und eine Kollegin Kräuter von zu Hause mitgebracht und die Kartoffeln damit bestreut hatte. Erste Reaktion bei manchem Knirps: „Das esse ich nicht.“ Auch der Umgang mit Blumen hinterm Haus war bei manchen eher „unliebsam“, erzählt Menge. Bei Schutzengel sei der Wunsch nach einer Zusammenarbeit mit Villekula früh da gewesen – hier bot sich die Gelegenheit.

„Kopf, Hand, Herz“, zählt Heike Menge auf, die sind gefragt beim Gärtnern. Alle Sinne würden berührt. Einige der Familien, die im Elterntreffpunkt ein- und ausgehen, „haben wenig Berührung mit Gärten“, beobachtet die Mitarbeiterin. Und keineswegs für alle gehören gemeinsame Mahlzeiten zur gesunden Alltagsroutine. Herausforderung angenommen: „Wir sind überrascht worden, wie schnell und gut der Schutzengel-Garten angekommen ist“, staunt Heike Menge.

Jeden Freitagnachmittag steht nun in der Lerchenstraße das urbane Gärtnern auf dem Programm. Das laufe immer so ab, berichtet Menge: Die Familien, im Kern mindestens vier, zu Ferienzeiten gern bis zu zehn, kommen vorbei und verlangten nach dem Schlüssel für den Schuppen. Dort holten sich Groß und Klein die Gartengeräte heraus und „machen erstmal Garten und Hof sauber“. Während die Kinder schon im letzten Jahr die ersten Kräuter ernteten, „haben wir in diesem Jahr zum ersten Mal Kartoffeln aus der Erde geholt, Erdbeeren gepflückt und Marmelade gekocht“, berichtet Heike Menge. Die Themen Natur und Ernährung werden zudem in die übrigen Aktivitäten integriert, „Blumen“ gebastelt, Setzkästen mit verschiedenen Böden befüllt. Regelmäßig und wenn fachmännischer Rat gefragt ist, etwa zuletzt bei der Bepflanzung der Betonkübel, schaut Tjorven Reisener vorbei. Die Villekula-Gründerin habe eine solche Feinfühligkeit mit den Kindern ebenso wie ihre Schutzengel-Kollegin Melanie Haas, die vor allem für das Projekt zuständig ist, lobt Heike Menge. Und Tjorven sei eine Mutmacherin, die gleich wusste, dass dem Projekt nach drei Monaten nicht die Luft ausgehen würde.

„Das wird bleiben“, ist sich auch Heike Menge sicher und beschreibt, wie viel Spaß die Akteure haben und welche Kreise das Gärtnern zieht. Der Hof gehöre zu einer Wohnungsbaugenossenschaft und werde auch von anderen Kindern genutzt. „Wir müssen die Nachbarn einbinden. Wie bekommen wir sie ins Boot?“ – das war die Frage, die sich stellte. Und sich fast von allein beantworte. Wenn Kinder mal zu wild toben und Pflanzen „gefährden“, dann werde schon mal pädagogisch aus dem Fenster gebrüllt: „Hey, das sind die Erdbeeren vom nächsten Jahr!“ Und trotzdem geht auch mal etwas daneben. „Die kleinen Misserfolge gehören dazu“, sagt Heike Menge. Der Kürbis kam nicht, weil er in der falschen Erde war, der Apfelbaum wurde von einem Bobby Car niedergewalzt.

Dennoch: Mit dem Garten-Projekt „erreicht man die Kinder viel eher als nur übers Kochen“, resümiert Menge und erzählt eine Anekdote: In einer Familie stand wohl ein Grillen an, wofür Kräuterbutter serviert werden sollte. Das rief ein Kind auf den Plan, das seiner Oma erklärte: „Kräuterbutter? Die kann man selber machen!“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen