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Strukturwandel : Natur holt sich Bahnflächen zurück

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für das 2009 abgerissene Betriebswerk Peelwatt gibt es keine Verwendung / Betriebswerk Weiche wird für neuen Bahnhof gesichert

Zweimal großflächige Abbrüche, zwei Brachlandschaften, zweimal keine Ideen für die künftige Verwendung. Am Südrand der Innenstadt und in Weiche gibt es parallele Entwicklungen. Zunächst bleiben Flächen ungenutzt liegen, bis vielleicht eines Tages die zündende Idee kommt.

Es war der Tod auf Raten, mit dem das einstige Bahnbetriebswerk Peelwatt östlich des Bahnhofes zu Grunde ging. Erst wurde die Drehscheibe als Verteiler der Fahrzeuge in den Lokschuppen bei einem Unfall zerstört. Damit gab es auch keine Notwendigkeit mehr, den großen Schuppen zu unterhalten. Es kam, wie es kommen musste: Ende der 1990er Jahre stürzte das Schuppendach unter einer Last Schnee ein. Da die Deutsche Bahn die Anlagen nicht mehr brauchte, suchte sie einen Käufer – vergeblich. So fiel die Entscheidung, die acht Hektar große Fläche von allem – der großen Reparaturhalle bis hin zu den meisten Abstellgleisen – freizumachen. Die Abbruchaktion ging vom Herbst 2008 bis weit ins Jahr 2009. Seitdem bot sich dem Betrachter eine glatt gezogene Kiesfläche, allerdings begrenzt durch Bahngleise, die noch in Betrieb sind: die Kurve der Stecke nach Dänemark sowie der Bahndamm der Trasse nach Kiel. Am Damm ließ die Bahn noch einige Abstellgleise liegen, auf denen Züge in Betriebspausen abgestellt werden. Inzwischen sind auch ein paar Betonschwellen auf der großen, grünen Fläche abgelagert worden.

Schon beim Abbruch gab es in der Stadtverwaltung keine Vorstellungen über eine sinnvolle Verwendung der Fläche. Ob die überhaupt möglich ist, mag dahingestellt sein. Der damalige städtische Wirtschaftsförderer Dr. Klaus Matthiesen sah in der Fläche in ihrem Talkessel wegen fehlender Sichtbarkeit keine Eignung für ein Gewerbegebiet. Außerdem bietet die schmale Zufahrt nicht einmal Platz für zwei Personenwagen im Begegnungsverkehr.

Aktuell hat die alte Fläche des Bahnbetriebswerkes nicht die oberste Priorität bei der Stadtplanung. Ihr Chef, Dr. Peter Schroeders, verweist auf die laufenden Bemühungen, die Neubebauung „der Flächen gegenüber“ – im Bereich der Güterabfertigung – zügig voranzubringen. „Hier laufen sehr konstruktive Verhandlungen zwischen der Stadt und der Bahn.“

Der Verfall prägt auch das Bild des einstigen Bahnbetriebswerkes in Flensburg-Weiche. Der große Lokomotivschuppen aus gelbem Klinker hat nur noch Ruinenwert. Schon von außen sind die Schäden am Dach sichtbar und ein Bauzaun schafft eine provisorische Sicherheitszone zwischen einer möglicherweise einstürzenden Schuppenwand und Passanten auf dem Weg zu ihren Kleingärten.

Die Deutsche Bahn hat die Stadt von ihrer Abrissabsicht informiert und beim Eisenbahn-Bundesamt den Abrissantrag gestellt. Nach der Zustimmung folgt die Ausschreibung – dann soll der Schuppen im Herbst verschwinden. Das Gelände wird aber im Gegensatz zur Fläche am Peelwatt zunächst nicht freigeräumt. Zunächst kommt der Schuppen weg, um die Verkehrssicherheit insbesondere für die benachbarten Gleise gewährleisten zu können, erläutert Sabine Brunkhorst von der Pressestelle Hamburg.

Und auch hier ist die Zufahrt über die Amrumer Straße ein Problem: Die Fläche ist nur durch einen unbeschrankten, einspurigen Bahnübergang erschlossen. Dieser ermöglicht kaum eine Verwendung, die über die derzeitige Nutzung eines Teils der Fläche für Kleingärten hinausgeht. Daher gebe es bei der Bahn im Moment keine Verkaufsbemühungen. Interessenten gebe es nicht.

Und auch Chef-Stadtplaner Schroeders verweist auf den Charme als Gartengelände. „Vielleicht kommt ja irgendwann die zündende Idee für die Fläche im Gleisdreieck.“

Allerdings gibt es im Rathaus den Ansatz, die Fläche für ihre künftigen Ziele zu sichern. Vorbereitet wird eine Satzung, nach der der Stadt ein Vorkaufsrecht für Bahnflächen für einen neuen Bahnhof eingeräumt wird. Das betrifft die Bahnanlagen in Weiche.

 

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erstellt am 17.Jun.2016 | 18:46 Uhr

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