Stadtplanung in Flensburg : Nahversorgung nur für Neu-Taruper

Wer im Ortskern wohnt, hat weite Einkaufswege, wie die kleine Grafik zeigt. Das neue Versorgungszentrum richtet sich an der Neubebauung entlang der Hochfelder Landstraße aus.
Wer im Ortskern wohnt, hat weite Einkaufswege, wie die kleine Grafik zeigt. Das neue Versorgungszentrum richtet sich an der Neubebauung entlang der Hochfelder Landstraße aus.

Planungsausschuss beschließt am Dienstag Baurecht für Einzelhandelszentrum an der Hochfelder Landstraße. Der Ortskern fühlt sich abgehängt.

shz.de von
05. Januar 2017, 07:00 Uhr

Die Frage der Nahversorgung in Tarup ist entschieden. Der neue, junge, wachsende Ortsteil im Südosten Flensburgs bekommt ein sehr großzügiges Stadtteilzentrum, der alte Ortsteil entlang der Taruper Hauptstraße mit der Mehrzahl seiner 4000 Einwohner wird abgehängt. Der Planungsausschuss wird auf seiner nächsten Sitzung am kommenden Dienstag voraussichtlich Baurecht für ein Nahversorgungszentrum an der Hochfelder Landstraße schaffen. Bis Frühjahr 2018 sollen hinter dem Bahndamm bei Sünderup ein Vollsortimenter, ein Discounter, ein Drogeriemarkt und kleinere Dienstleister einziehen.

Thomas Katzmann arbeitet seit über zwei Jahren an der Ansiedlung. Jetzt sieht sich der Pinneberger Projektentwickler kurz vor dem Ziel. „Ich gehe davon aus, dass jetzt recht schnell Baurecht geschaffen wird. Wir wollen im Mai, spätestens im Juni loslegen“, sagt er. Katzmann hat bereits Verträge mit Rewe als Vollsortimenter über 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche (plus 350 Quadratmeter Getränkemarkt) sowie mit Penny als Discounter (1000 Quadratmeter) und und Rossmann als Drogeriemarkt (750 Quadratmeter) geschlossen. Im Frühjahr 2018, das ist sein Ziel, soll Eröffnung gefeiert werden.

Bis hierher musste er dicke Bretter bohren, räumt er ein. Die Stadt habe an der Stelle ursprünglich nur den Discounter ansiedeln wollen. „Aber das wäre angesichts der abzusehenden Entwicklung einfach kurzsichtig gewesen“, findet Katzmann. Er kalkuliert nicht nur das Wachstum in Tarup-Südost um über 1000 neue Bewohner, sondern auch das Neubaugebiet an der K 8 gelegene Neubaugebiet Bahnhofsumfeld (rund 500 Wohneinheiten) mit ein. „Zum Glück ist die Stadt schließlich eingeschwenkt“, freut er sich.

In zähen zweieinhalb Jahren der Projektierungsphase war Katzmann auch mit Wünschen konfrontiert, ausgleichend im alten Ortsteil ein kleineres Versorgungszentrum zu etablieren – aber das habe sich als unmöglich erwiesen, sagt er. „Ich mache das jetzt seit 23 Jahren“, so Katzmann. Früher hätten Einzelhandelsketten schon mal Fünfe gerade sein lassen und seien bei der Marktgröße unterhalb der eigenen Vorstellungen geblieben. Aber die Zeiten sind vorbei. „Der Wettbewerb ist knallhart. Unter 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche läuft gar nichts mehr. Es sei schon schwer genug gewesen, seine Partner bei ihrer Investitionsentscheidung mit zukünftigem Wachstum zu ködern.

Für den mehrheitlich von den Alt-Tarupern befürworteten Versorgungsmarkt im alten Ortskern dürfte dies das Aus bedeuten. Zwar hatte der Unternehmer und gebürtige Taruper Martin Aye (Carebyphone) noch bis 2016 Interessenten für den alten Standort des lange geschlossenen Edeka-Marktes an der Kreuzung Taruper Hauptstraße/Norderlück beziehungsweise auf dem aufgegebenen Grundstück der ehemaligen Baumschule gegenüber gesucht, doch alle Interessenten hätten deutlich gemacht, dass sich eine Ansiedlung im Ortskern nur ohne das Versorgungszentrum an der Hochfelder Landstraße rechnen könne. Die Stadtplanung hatte weitere Hindernisse sichtbar gemacht und durchblicken lassen, dass für eine Ansiedlung entlang der Taruper Beek politische Grundsatzbeschlüsse erforderlich seien (wir berichteten). Erstens sei das Baumschulgelände Teil einer wichtigen innerstädtischen Grünachse und zweitens würden durch die Nähe zur vorhandenen Engelsbyer Nahversorgung (Lidl, Aldi, Edeka, Sky) Belange des 2006 verabschiedeten Einzelhandelkonzepts berührt. Da würden neue politische Beschlüsse fällig. Die Stadt kündigte an, von Alt-Tarup aus Busverbindungen zum neuen Standort zu führen, Gespräche mit Aktiv-Bus seien vereinbart.

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