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Sternenkinder und Frühchen : Nähen für die Kleinsten der Kleinen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Claudia Maier hat das wohltätige Projekt „Nähen für Sternenkinder und Frühchen in Flensburg“ ins Leben gerufen. Nur wenig wird darüber gesprochen, dass nicht jede Schwangerschaft problemlos verläuft.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | Es ist ein Tabuthema. Nur wenig wird darüber gesprochen, dass nicht jede Schwangerschaft problemlos verläuft und es Kinder gibt, die viel zu früh auf die Welt kommen oder sogar vor, während oder nach der Geburt sterben – sogenannte Sternenkinder. Kein Wunder daher, dass es kaum passende Kleidung für diese Babys gibt. Claudia Maier hat sich dieses Problems angenommen und das Projekt „Nähen für Frühchen und Sternenkinder in Flensburg“ ins Leben gerufen.

Ein Jahr hatte die Mutter von drei gesunden Kindern überlegt, bis sie sich ein Herz fasste und sich mit der Diako in Verbindung setzte. Dort wurde ihre Idee, ehrenamtlich Kleidung für Frühchen und Sternenkinder anzufertigen, mit offenen Armen empfangen. „Es gab da nur ein paar gestrickte Mützchen, und die sind aus hygienischen Gründen auf der Frühchen-Station nicht zugelassen“, erzählt die Initiatorin. Über ihren Näh-Blog und eine Facebook-Gruppe ruft sie andere Flensburger auf, das Projekt mit Selbstgenähtem oder Stoffspenden zu unterstützen. Im Juni dieses Jahres hat sie mit ihren Mitnäherinnen die ersten Stücke an die Diako übergeben. Und so soll es weiter gehen.

Elisabeth Schmidt-Bleich näht fast jeden Tag für das Projekt und auch andere regelmäßige Unterstützerinnen haben sich gefunden. Viele davon sind selbst betroffene Eltern. Finja Börensen, selbst Mutter eines Frühchens, weiß welche Bedeutung passende Babykleidung für Eltern haben kann: „Es war ein ganz schlimmes Bild, zu sehen, wie das Kind in diesem riesigen Schlafanzug unterging.“ Und Frauke Lochstet ergänzt: „Jeder möchte sein Baby auch süß und hübsch angezogen sehen“. Ihr Sohn Ole wurde sieben Wochen zu früh geboren.

Besonders tragisch: Für Sternenkinder ist oft sogar Frühchenkleidung zu groß. „Das ist doch eine schlimme Vorstellung, dass so ein Sternchen nackt in einer Nierenschale liegt und so auch beerdigt wird“, findet Claudia Maier.

Wie es sich anfühlt das eigene Kind zu verlieren, wissen Michaela Stamm (40) und ihr Mann Andreas (43) zu gut. Nach zwei Fehlgeburten bekam das Paar 2010 Tochter Malia. Doch dann der Schock: 49 Stunden später verstarb das Baby an einem starken Herzfehler. Trotz der Trauer um das Kind ließ sich das Paar nicht entmutigen und probierte es weiter. Selbst als eine weitere Fehlgeburt folgte, blieb der Kinderwunsch ungebrochen.

Ende 2013 wurde Michaela Stamm wieder schwanger, doch der Fötus schien zu klein zu sein. Ein Ultraschalltermin beim Spezialisten in der 21. Schwangerschaftswoche brachte die traurige Klarheit: Marie war durch einen Gendefekt beider Eltern am SLO-Syndrom erkrankt – einer Erbkrankheit, bei dem die Kinder nicht in der Lage sind, Cholesterin zu bilden – und würde aufgrund starker Organfehlbildungen nicht lebensfähig sein. In ein kleines Deckchen gewickelt wurde schließlich auch Marie nach einer eingeleiteten Geburt bei ihrer Schwester Malia beerdigt. „Es ist für den Abschied vom Kind unglaublich wichtig, passende und individuelle Kleidung zu haben. Man möchte als Eltern das Kind ja trotzdem nicht frieren lassen, auch wenn es tot ist“, sagt Andreas Stamm, der mit seiner Frau Claudia Maiers Projekt ebenfalls durch Stoffspenden unterstützt.

Spenden in Form vom Stoffen oder selbstgenähten Kleidungsstücken für „Nähen für Sternenkinder und Frühchen in Flensburg“ können im Stoffgeschäft „Jippel“ in Engelsby und in der Praxis „Ergotherapie Wirbelwind“ in Handewitt abgegeben werden. Auch Stoffe zur Abholung liegen dort bereit. Weitere Informationen und Schnittmuster gibt es unter nadelnixe.blogspot.de.

 

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