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Filetgrundstück in Flensburg : Nächste Warteschleife in Fahrensodde

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erschließung des Areals muss für 250 000 Euro komplett erneuert werden - und der Bau der DLRG-Station verzögert sich auf unbestimmte Zeit

shz.de von
erstellt am 17.Jul.2017 | 06:58 Uhr

Fahrensodde 20 ist und bleibt eine zickige Immobilie. In bester Meereslage hat das Gewerbegrundstück schon einigen Siedlern, Planern, Investoren gründlich die Laune vermiest – und das bleibt auch diesen Sommer so. Eigentlich wollte die DLRG hier bis Ende des Jahres ihr modernes funkelnagelneues Hauptquartier errichtet haben. Doch daraus wird nichts. Wieder mal geht es auf dem schwierigen Grund ans Eingemachte: Die komplette unterirdische Erschließung muss erkundet und erneuert werden. Der Finanzausschuss stellte der Verwaltung dafür vergangene Woche 250 000 Euro zur Verfügung. Geld, das die Stadt nicht durch Pachteinnahmen refinanzieren kann.

Ein Ingenieurbüro hat schon im Auftrag der Stadt das Gelände untersucht, dass seit dem frühen 20. Jahrhundert intensiv militärisch und gewerblich genutzt wurde. Das Ergebnis war eindeutig. Vorhandensein, Verlauf und Zustand der Ver- und Entsorgungsleitungen, insbesondere der Kanalisation, sind weitgehend ungeklärt, teils unbekannt. Zum Teil ist die Erschließung offenbar auch mit den umgebenden Grundstücken verwoben. „Das System ist ungeordnet“, sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. „Das ergibt sich aus der Historie des Gebiets.“ Für künftige Arbeiten auf dem Gelände hat das Folgen. „Ohne Maßnahmen zur Neuordnung der Kanalisation auf dem Grundstück und ohne eine angepasste Elektrizitätsversorgung können aktuell keine weiteren Schritte zum Abriss von abgängigen Bestandsgebäuden und zur künftigen Neubebauung gegangen werden“, heißt es in der Beschlussvorlage vom Dienstag letzter Woche. Für die DLRG, die dort ihr neues Quartier bauen möchte, und wohl auch für die Seglervereinigung, die eine Bootshalle plant, bedeutet das, diese Pläne vorerst auf Eis zulegen.

„Wir wollten eigentlich im Dezember in unser neues Gebäude einziehen“, meint Torsten Brocks, Vorsitzender der DLRG. „Das können wir so natürlich vergessen.“ Die Rettungsschwimmer geraten in Zugzwang, denn bevor sie das neue Gebäude errichten, müssen sie das alte Quartier - das Pförtnerhaus der ehemals hier siedelnden DASA – abbrechen. Gut möglich, dass sie am Ende der Saison 2018 ohne Unterkunft dastehen. Nun ja. Für den schlimmsten Teil hat die Stadt den Rettern im Barackengebäude (U-Gebäude) Ersatzräume in Aussicht gestellt.

Ob die DLRG tatsächlich noch ein weiteres Mal in eine provisorische Unterkunft umziehen muss, hängt jetzt von der Ausschreibung ab. Die ist bei einem Projekt dieser Größenordnung Pflicht. Danach wartet die nächste Hürde: die Hochkonjunktur im Hoch- und Tiefbau. Teschendorf traut sich angesichts dieser Unsicherheit keine Prognose zu, ob die DLRG und die Seglervereinigung so rasch wie erhofft über die Flächen verfügen können. „Das ist keine kleine Baumaßnahme“, betont der Verwaltungssprecher. „Es geht um die Neuordnung von Frisch- und Schmutzwasser, Kommunikation und Energie. Wir werden hier zudem auf einer lange militärisch genutzten Immobilie tätig. Da kann man nie ausschließen, dass weitere Probleme auftreten.“ Auf die Pächter umlegen kann die Stadt diese Kosten anscheinend nicht. Eine zusätzliche Belastung der DLRG durch neu hinzukommende Kosten wird als problematisch betrachtet, heißt es in der Vorlage.

So viel Entgegenkommen war nicht immer. Im Herbst 2014 scheiterten Verhandlungen des von der Bürgerinitiative Fahrensodde unterstützten Unternehmers Mathias Hartmann, in Fahrensodde 20 ein maritimes Dienstleistungszentrum mit durch die Gewerbsmieten subventionierten Räumlichkeiten für Universität und DLRG aufzubauen.

Die Pachtverhandlungen damals waren durch teure Forderungen der Stadt belastet worden – unter anderem die Übernahme der Erschließungskosten durch den Pächter. Damals, sagt Teschendorf heute, sei die Situation aber eine andere gewesen. „Damals hatten wir die Eigentumsrechte komplett an den Pächter abgetreten. Jetzt handelt die Stadt in eigenem Interesse. Wir können es als Eigentümerin nicht zulassen, dass hier Kabel durch Dritte getrennt werden.“

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