Unternehmen in Flensburg : Nachfolge ist weiblich

Noch steht ein Mann vorn: Sven Kleinschmidt (C. C. Christiansen) spricht zu den Schülerinnen über Unternehmenskultur.
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Noch steht ein Mann vorn: Sven Kleinschmidt (C. C. Christiansen) spricht zu den Schülerinnen über Unternehmenskultur.

Uni bringt Schülerinnen in Betriebe und diskutiert mit ihnen über Frauen in Führungspositionen

shz.de von
12. Juli 2018, 06:33 Uhr

Es ist mucksmäuschenstill im Besprechungszimmer des alten Kaufmannshauses an der Neustadt. Die Schülerinnen sind ganz Ohr, denn der Referent berichtet aus der Praxis. „Nachfolge ist weiblich“, heißt das Thema. Warum steht dann ein Mann vorn?

Sven Kleinschmidt ist der Chef im Hause C. C. Christiansen, ein alteingesessenes Flensburger Unternehmen. Als er diese Position übernahm, musste Nachfolge noch zwingend männlich sein. Da die in Frage kommenden Personen für die Nachfolge aber weiblich waren, kam er als eingeheirateter Wirtschaftsfachmann mit aussichtsreicher Stellung bei einem Chemie-Riesen in den USA zum Zuge. Er ließ sich quasi in die Familiendisziplin nehmen.

Die Schülerinnen des 10. und 11. Jahrgangs der Auguste-Viktoria-Schule wissen heute sicherlich noch nicht, ob sie irgendwann einmal ein Unternehmen leiten werden. Aber sie sind schon einmal für den Fall der Fälle sensibilisiert. Das haben sie Kirsten Mikkelsen vom Internationalen Institut für Management der Europa-Universität Flensburg zu verdanken. Zusammen mit vier ihrer Studentinnen hat sie die Mädchen einen Tag lang zu drei Unternehmen gebracht, in denen Weiblichkeit eine Rolle spielt: Druckhaus Leupelt, wo sie Franziska Leupelt trafen, die Firma Teppichstraße/ Wohndesign mit Inhaberin Britta Müller und eben C.  C. Christiansen – mit einem Mann an der Spitze.

Doch der hat drei Töchter, von denen eine womöglich irgendwann das Unternehmen leiten wird. Noch vor nicht allzu langer Zeit war es undenkbar, dass eine Tochter die Nachfolge antritt. Doch heute gehe es nach „Ausbildung, Wollen und Können“, so Kleinschmidt, nicht mehr nach „Alter, Abstammung oder Geschlecht“. Schleswig-Holstein könne es sich nicht leisten, dass Unternehmen aufhören, weil es keine Nachfolge gibt.

„Sind Männer die besseren Kaufleute oder können Sie sich nur besser verkaufen?“, fragte Kirsten Mikkelsen mit leicht provokativem Unterton. „Frauen sind tatsächlich meist besser organisiert“, gab Kleinschmidt zu – und profitiert von dieser Erkenntnis. Mit Annkathrin Krause hat er sich schon vor Jahren eine junge Frau mit Leitungskompetenz ins Haus geholt. Mit ihr hat er eine Firmensanierung gemacht, heute leitet sie das Tochterunternehmen IT-Kontor.

Natürlich spielte auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle. An die Mädchen richtete Annkathrin Krause deshalb eine klare Botschaft: „Viele Frauen in meinem Alter haben keine Kinder, keine Familie. Ich hoffe, Ihr macht das mal anders, denn es geht.“

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