Flensborg Yacht-Club : Nachbarschaftsstreit: Geknickte Stimmung in Fahrensodde

Kämpft um den freien Blick auf die Förde: Egon Wiele, Anwohner des Twedter Strandwegs ärgert sich über störende Bäume.
Kämpft um den freien Blick auf die Förde: Egon Wiele, Anwohner des Twedter Strandwegs ärgert sich über störende Bäume.

Städtische Anpflanzungen sorgen für einen Nachbarschaftsstreit zwischen Segelclub und Anwohnern.

shz.de von
23. Januar 2015, 07:53 Uhr

Flensburg | Eigentlich ist der Twedter Strandweg, besonders der untere Teil, eine echte Vorzugslage. Direkt am Meer, direkt am Strand – es gibt in Flensburg schlechtere Adressen als diese. Eine gute Lage freilich ist kein Garant für Zufriedenheit. Seit 25 Jahren schwelt hier ein Streit zwischen Anwohnern und Flensborg Yacht-Club. Es geht um den freien Fördeblick.

1977, als Egon Wiele hier Wurzeln schlug, konnte er von seinem Wohnzimmer aus den Leuchtturm von Schausende sehen. Inzwischen hat sich ein veritabler Buchenwald dazwischen gezwängt – aber das ist nicht weiter schlimm, sagt Wiele. Ihm würde der Blick über den Yachthafen hinweg nach Krusau genügen – aber auch in dieser Richtung hat sich mittlerweile die Natur ausgebreitet. Eine Reihe von Bäumen, die – so Wiele – durch mangelnde Pflege des Böschungsbewuchses eine kritische Größe erreicht haben und auf dem Grundstück des Segelklubs stehen.

Der hat auf dem schmalen Geländestreifen längs des Strandwegs nicht nur die hohen Einzelbäume stehen, sondern Anfang der 90er-Jahre weiter talwärts einen Knickwall angelegt. Ersatzmaßnahme für einen Knick, der damals einer neuen Bootshalle weichen musste. Und zum Verdruss der Anrainer wachsen natürlich auch Knickbäume überwiegend in den Himmel.

Egon Wiele blickt auf eine ganze Reihe von Anläufen zurück, die freie Sicht auf die Flensburger Förde wieder herzustellen. Es wäre zu schön, sagt er, wenn nach 25 Jahren endlich eine Einigung erzielt werden könnte. Momentan aber steckt der Karren dafür viel zu tief im Dreck. Unter Nachbarn ist man nämlich nicht mehr besonders gut aufeinander zu sprechen. Wiele unterstellt dem dänischen Segelclub mittlerweile Vorsatz beim Verstellen der freien Aussicht. Was der FYC entschieden zurückweist. „In den vergangenen Jahren ist auf beiden Seiten nicht immer alles gut gelaufen“, räumt der Vorsitzende Kay von Eitzen ein. „Wir sind gesprächsbereit und strecken die Hand aus. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir tun, was möglich ist.“

Die Möglichkeiten sind eher begrenzt. Im Land der Knicks ist der kleine Wall entlang des Strandwegs so gut wie unantastbar. Den, betont von Eitzen, habe der Yachtclub freilich nicht angelegt, um die Nachbarn zu ärgern. „Das war eine Vorgabe der Stadt, die wir umsetzen mussten.“ Eine Vorgabe, die zum Leidwesen der Anwohner jetzt die normative Kraft des Faktischen entwickelt. „Man muss ihn regelmäßig runterschneiden, aber markante Bäume in regelmäßigen Abständen bleiben stehen“, sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf. Den Knick bekämen die Anlieger nur weg, wenn sie für adäquaten Ersatz sorgten. Wiele hat’s durchrechnen lassen und winkt ab: Die Ersatzmaßnahme würde mit mindestens 12  000 Euro zu Buche schlagen.

Natürlich fragt er sich, warum ausgerechnet an dieser Stelle das schleswig-holsteinische Nationalheiligtum gepflanzt werden musste. Und natürlich fragt er sich, wieso ihm der Blick aufs Meer verstellt wird, während er gleich um die Ecke mit radikalen Mitteln hergestellt wird. Auf dem gerade verkauften Grundstück des ehemaligen JAW nämlich wurde für ein noch zu bauendes Wohnhaus kräftig geholzt: Eine große Buche, eine markante Kastanie, zwei große Birken und ein paar Erlen sind beziehungsweise sollen noch weg.

Das ging alles mit rechten Dingen zu, sagt Clemens Teschendorf. Ein Teil der Bäume sei krank gewesen, der Rest stand einer Pumpstation im Wege, die das TBZ dort errichten will. Was den FYC-Knick betrifft, seien der Stadt die Hände gebunden, betont er. „Im Sinne der Gleichbehandlung können wir keine Ausnahmeregelungen zulassen. Anders sei es mit den Bäumen auf dem Waldgrundstück. Der Wald sei Wirtschaftsraum, einzelne Bäume könnten durchaus gefällt werden. Allerdings sind die betroffenen Anwohner hier vom guten Willen des Segelclubs abhängig. Teschendorf: „Die Stadt ist zwar Eigentümerin, aber die Verfügungsgewalt liegt beim Pächter.“

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