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Meierei : Nachbarn stehen für Nordhackstedt ein

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Gemeindeverbund federt finanzielle Folgen der Abteilungsschließung in der Molkerei.

„Ein deckelloses goldenes Butterfass“ im Wappen deutet bereits darauf hin, dass die Meierei eine zentrale Bedeutung für Nordhackstedt hat. Sie ist das wirtschaftliche Herzstück. Nun ging die Meldung durch die Presse, dass der Aufsichtsrat des Deutschen Milchkontors als Betreiber der Schließung der Abteilung „Konfektionierung“ zugestimmt hat. In dieser Abteilung wird Käse für den Handel aufgeschnitten und verpackt (wir berichteten).

36 Arbeitsplätze von etwa 200 sind betroffen (zusätzlich gibt es noch 40 Mitarbeiter in einem Joint Venture mit „Arla Foods“). Es sind Menschen aus der näheren Umgebung. Das Unternehmen sichert den betroffenen Mitarbeitern „eine umfassende Unterstützung im Rahmen der dafür ausgearbeiteten Grundlagen zu“, wie es in einer Pressemitteilung des Deutschen Milchkontors heißt. Wie sich dieses dann Sommer 2018 darstellt, wird man sehen.

Wie wirkt sich die Schließung auf die Gemeinde aus? Nordhackstedt gehört zu den sogenannten Gebergemeinden. Dies bedeutet, dass die eigenen Steuereinnahmen so hoch sind, dass sie keine weiteren Zuweisungen erfährt. Im Gegenteil. Die Einnahmen sind für eine Gemeinde mit 450 Einwohnern so hoch, dass sie eine Finanzausgleichsumlage in einen Topf einzahlt, aus dem weniger gut betuchte Gemeinden Zuweisungen erhalten.

Nach den bisherigen Planungen wird es sich 2018 um 198  000 Euro handeln, dies bei einer angenommenen Gewerbesteuereinnahme von 900  000 Euro. Von dieser Einnahme müssen allerdings noch 17,25 Prozent als Umlage an Bund und Land abgeführt werden. Sinkt nun die Gewerbesteuereinnahme für Nordhackstedt, muss die Gemeinde allerdings auch weniger in den Finanzausgleich zahlen, auch die Amts-, Kreis-, Schul- und Gewerbesteuerumlage fallen dann geringer aus. Dadurch sind letztlich alle in diesem Finanzgeflecht eingebundenen Gemeinden irgendwie betroffen, wenn es in einer größere Veränderungen gibt. Der eigene Verlust wird auf diese Weise stark abgefedert.

„In der gegenwärtigen Situation können wir eine geringere Einnahme finanziell durchaus verkraften, zumal sich die Höhe der Gewerbesteuer ohnehin nie verlässlich vorhersagen lässt. Viel schwerer wiegt der Verlust der Arbeitsplätze für die Betroffenen“, sagt Bürgermeisterin Anja Stoetzel. Sie erinnert an eine Zeit vor etwa 20 Jahren, als die Gemeinde hohe Gewerbesteuervorauszahlungen der Meierei wieder zurückgeben und dadurch sogar für einige Jahre Fehlbetragszuweisungen beantragen musste, da sie ihren Haushalt nicht mehr ausgleichen konnte. Die Nordhackstedter kennen also den Ritt auf den Gewerbesteuerwellen: Mal schwimmt man oben, mal schwimmt man unten. Nach derzeitigem Stand der Dinge wird man diesmal sicher den Kopf über Wasser behalten.

Auch auf konkrete gemeindliche Vorhaben in der nahen Zukunft wird eine Veränderung in der Einnahmesituation keinen Einfluss haben. Jeder Verlust sei zwar schmerzlich, aber der überwiegende Teil der Gewerbesteuer werde, wie Amtskämmerer Sönke Renger bestätigt, inzwischen über die erneuerbaren Energien wie Windkraft, Photovoltaik und Biogas in die Gemeindekassen gespült.

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