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Flensburger Kindergarten : Nachbar klagt gegen Kita „Villa Käthe“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Montag sollen die ersten Kinder in die Kindertagesstätte auf der Westlichen Höhe einziehen – doch es gibt Widerstand gegen die Nutzung.

Flensburg | Sarah Sauerland ist heilfroh. Ihre kleine Tochter kann endlich in der „Villa Käthe“ betreut werden. Die ersehnte Zusage für den Kita-Platz an der Roonstraße hatte sie bereits im Sommer 2016 erhalten. Der Start der Einrichtung hat sich jedoch um ein Jahr nach hinten verschoben – baurechtliche Hürden führten zu der erheblichen Verzögerung. Zudem klagt ein Anwohner vor dem Schleswiger Verwaltungsgericht gegen die Umbauten zur Nutzung als Kita, nachdem die Stadt seinen Widerspruch gegen die Baugenehmigung zurückgewiesen hatte. „Das alles betrübt mich sehr“, sagt Nachbar Hartmut Ehler.

Der Hauseigentümer erwartet einen langwierigen Prozess. „Akteneinsicht wird mein Rechtsanwalt wohl erst im Spätsommer nehmen können.“ Ein Schnellverfahren, sagt er, habe er nicht beantragt, weil dies ein erheblicher Kostenfaktor gewesen wäre. „Erfolgsaussichten hätte das Ganze wohl nur bei Vorlage eines Verkehrsgutachtens.“ Das aber kann schnell mal 10.000 Euro kosten. Lediglich vier Häuser stehen in der Straße, die sich an den Stadtpark schmiegt – und da die anderen Nachbarn nicht mitziehen, ist Ehler nun zum Einzelkämpfer geworden. Gleichwohl ist nicht jeder begeistert, was auf die beschauliche Straße zukommen mag. Anwohner wie Claus Otto Hansen erwarten ein erhebliches Verkehrsaufkommen bis in den Marienhölzungsweg hinein und damit verbundenen Lärm sowie Parkprobleme. „Wir sehen es ja schon jetzt bei den Handwerkern, die nicht wissen, wohin mit ihren Autos. Da wird dann eben mal der Bürgersteig zugeparkt.“ Hartmut Ehler ergänzt: „Viele Kinder werden von außerhalb kommen, und sie werden den kürzesten Weg suchen.“ Für ihn ist die Lage für eine Kita denkbar ungeeignet.

„Grundsteinlegung“: (v.li.) Nahmen Rohloffs (Vorstand KJSH-Stiftung), Janka Krauß (Projektleitung), Architekt Rüdiger Mumm, Wolfgang Sappert (Stadt Flensburg).
„Grundsteinlegung“: (v.li.) Nahmen Rohloffs (Vorstand KJSH-Stiftung), Janka Krauß (Projektleitung), Architekt Rüdiger Mumm, Wolfgang Sappert (Stadt Flensburg). Foto: Dommasch (3)
 

Doch nun werden 65 Kinder bis zu sechs Jahren das Gebäude bevölkern, die ersten 25 sollen schon am Montag „einziehen“. Für sie musste in der Zwischenzeit ein Provisorium gefunden werden. Sie wurden in Räumen der Kirchengemeinde St. Jürgen untergebracht. „Leider waren es dort sehr beengte Verhältnisse“, sagt Sarah Sauerland. „Für die Eltern war es zeitweise anstrengend.“ Doch die Erzieherinnen hätten das Beste aus der Situation gemacht. Der Träger der Einrichtung, der Verein für Kinder-, Jugend- und Soziale Hilfen e.V. (KJSH) mit Sitz in Kiel, verlangt für diesen Zeitraum nur die Hälfte des vorgesehenen Kita-Beitrages. Projektleiterin Janka Krauß weiß um die bevorstehenden Probleme. „Wir werden die Nachbarn einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Zudem habe man sechs Stellplätze an der Wrangelstraße angemietet, um die Situation zu entschärfen.

Die Unterstützung der Stadt ist ihr gewiss. „Die Baugenehmigung steht“, sagt Sprecher Clemens Teschendorf. „Statik und Brandschutz sind in Ordnung, und auch der Denkmalschutz hat keine Einwände mehr.“ Doch Hartmut Ehler vermutet, dass es in diesem Bereich Zugeständnisse gegeben hat, die nicht selbstverständlich sind. „Man wird ja schnell als kinderfeindlich verunglimpft“, sagt er, „mir aber geht es allein darum, die denkmalgeschützte Stadtvilla als Wohnhaus zu erhalten, das es einmal war.“

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erstellt am 16.Jun.2017 | 06:24 Uhr

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