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Flensburg : Nach Übergriff in Solitüde: Die Schläger sind ermittelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier Tatverdächtige wurden in Hamburg nach Zeugenaussagen identifiziert. Warum wurde vorhandenes Fotomaterial von der Kripo nicht ausgewertet?

Flensburg/Hamburg | In Hamburg schlugen die Fahnder zu. Wie die Kripo am Mittwoch auf Nachfrage bestätigte, wurden vier Tatverdächtige nach einem brutalen Übergriff in Solitüde identifiziert. Sie kommen aus dem Raum Wismar und waren über eine Hamburger Baufirma in Flensburg beschäftigt – offenbar mit Arbeiten bei der Flensburger Brauerei. „Sie werden gegenwärtig vernommen – befinden sich aber weiterhin auf freiem Fuß“, sagte Polizeisprecher Christian Kartheus. Über das Alter der Männer und mögliche Hintergründe der Tat machte er keine Angaben.

Wie berichtet, war es in der Nacht von Freitag, 23. Juni, auf Sonnabend zu einer wüsten Prügelattacke auf einen 19-jährigen Auszubildenden gekommen, der von vier Tätern in Monteurskleidung und Warnwesten malträtiert wurde. Das Opfer wirft seinen Peinigern vor, ihn geschlagen, mit Bierflaschen getroffen, mit Arbeitsstiefeln an den Kopf getreten, ihm Sand in den aufgeplatzten Mund gestopft und fast bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Er musste noch vor Ort ärztlich versorgt werden und sich anschließend einer Computertomografie unterziehen.

Warum die Besatzungen von sechs eingesetzten Streifenwagen der mutmaßlich angetrunkenen Arbeiter nicht habhaft werden konnten, lässt sich unter Umständen damit erklären, dass diese ein Appartement im Bereich Solitüde angemietet hatten, in dem sie schnell Unterschlupf finden konnten.

Doch es bleiben offene Fragen: Warum hat die Kripo die vorhandenen Fotos und ein Video von der Tätergruppe nicht angefordert? Nach Aussage der Mutter habe die Familie der Polizei das Material am Sonntag nach der Tat angeboten. „Der Beamte, der die Aussage aufgenommen hat, erklärte meinem Sohn, die Kripo würde sich in zwei bis drei Wochen bei ihm melden“, wundert sie sich. „Derzeit würde es die Ermittlungen nur komplizieren.“

Polizeisprecher Christian Kartheus antwortet ausweichend. „Die Kollegen vor Ort haben andere Aufgaben, sie müssen Aussagen aufnehmen und sich um die Geschädigten kümmern.“ Alles andere sei Bestandteil der Ermittlungsarbeit. „Und die dauert manchmal länger an, als Betroffene sich erhoffen.“

Ein ähnlich gelagerter Fall ereignete sich am Gründonnerstag, 13. April, um 14.30 in der Harrisleer Straße. Wie ein Zeuge berichtet, sei zu diesem Zeitpunkt ein junger Mann von zwei Tätern „völlig ohne Grund“ angegangen worden. Diese hätten ihn zunächst angerempelt, dann gegen die Schaufensterscheibe eines Geschäftes geschleudert. Das Opfer sei in die Knie gegangen. „Als er sich wieder aufrappeln wollte, sprühten sie ihm unvermittelt Pfefferspray ins Gesicht“, schildert Heiko Wolf, der in unmittelbarer Nähe eine Massagepraxis betreibt, den Angriff. Er filmte den Vorfall zunächst aus sicherer Entfernung – und mischte sich dann verbal ein. Der ehemalige Kampfsportler machte aus seinem Hobby kein Geheimnis – was die Angreifer offenbar beeindruckte. „Ich hatte jedenfalls nichts zu befürchten.“

Eine Autofahrerin stoppte daraufhin auf dem Bürgersteig, verriegelte die Türen von innen, hupte mehrfach und rief über ihr Handy die Polizei. Als die Beamten eintrafen, flüchteten die inzwischen drei Täter in einen Hinterhof. „Dort waren sie praktisch gefangen“, sagt Wolf. Doch niemand habe die Verfolgung aufgenommen. Auch das Video sei für die Polizisten nicht von Interesse gewesen. „Man sagte mir nur, die Kripo werde sich bei mir melden.“ Das war vor fast einem Vierteljahr.

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erstellt am 06.Jul.2017 | 15:05 Uhr

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