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Traditionsbetrieb : Nach Insolvenz-Schock: Hoffnung für Schlachter Jepsen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der vorläufige Insolvenzverwalter will ins reguläre Verfahren: „Wir haben genug in der Kriegskasse“. Gibt es noch vor den Sommerferien eine Lösung?

Flensburg | Der eine ist kleiner, der andere war groß, der Gegner derselbe: Billigfleisch und die Regionalisierung der großen Handelsketten brachten zwei alteingesessene Fachbetriebe in Existenznot. Im Dezember letzten Jahres musste die Treene Landfleischerei Neuwerk in Eggebek die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragen, im Mai erwischte es die Schlachterei Claus Jepsen in Flensburg.

Der Eggebeker Arne Neuwerk, dessen Betrieb einst am heutigen Sitz von Jepsen in der Angelburger Straße gegründet wurde, ist mittlerweile gerettet. Die Arbeitsplätze von 24 Beschäftigten ebenso. Für die 135 Mitarbeiter der Schlachterei Jepsen gibt es noch kein Ergebnis – aber es gibt Hoffnung.

Ende des Monats läuft das Insolvenzgeld, die Lohnfortzahlung der Agentur für Arbeit, für die betroffenen Mitarbeiter aus. Peter-Alexander Borchardt, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, gibt sich jedoch zuversichtlich, dass der Flensburger Traditionsbetrieb überleben wird.

Andreas Jung, Sprecher der Hamburger Kanzlei, ging im Gespräch mit dem sh:z davon aus, dass das Flensburger Amtsgericht am 1. Juli das reguläre Insolvenzverfahren eröffnen wird. „Es ist ausreichend Liquidität vorhanden, Löhne und Gehälter können wir aus dem laufenden Betrieb bezahlen, es ist noch genug Geld in der Kriegskasse“, so Jung.

Perspektivisch fährt der Insolvenzverwalter auf Sicht. Borchardt hofft, dass sich für den angeschlagenen Betrieb noch vor der Sommerpause eine Lösung finden lässt. „Wir verfolgen verschiedene Ansätze mit verschiedenen Partnern“, so Jung. Dabei gebe es kein Denkverbot. Möglich sei eine Fortführung des Betriebes mit seinen fünf Filialen, der Produktionsstätte in der Viktoriastraße, Catering-Service und Restauration oder auch nur in Teilen. „Wir wollen eine Hängepartie vermeiden und streben eine möglichst klare Lösung an. Und wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir glauben, auf eine Lösung setzen zu können.“

Jung räumt ein, dass diese Verhandlungen „in keinem einfachen Umfeld“ geführt werden. Der jüngste Vorstoß der Grünen – Dumpingverbot und Mindestpreis für Fleisch – wäre nach Ansicht Jungs für die regionalen Anbieter in diesem gnadenlosen Konkurrenzkampf sicher eine interessante Option gewesen, sie illustriere zumindest sehr eindringlich die Situation am Markt.

Die Belegschaft geht derweil durch unruhige Zeiten. Der größte Teil der Beschäftigten sei geblieben – dass es in so einer Situation aber Kündigungen durch verunsicherte Arbeitnehmer gebe, so Jung, sei völlig normal. „Wir hoffen, dass wir vor den Ferien eine gute Lösung gefunden haben werden. Das wünschen wir uns alle.“

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erstellt am 22.Jun.2016 | 06:34 Uhr

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