Flensburg-Mürwik : Nach Feuer: Vater liegt nicht mehr im Koma

Zur Brandursache kann die Kripo noch immer keine konkreten Angaben machen. Man geht offenbar nach wie vor von einem technischen Defekt aus. Foto: Iwersen
Zur Brandursache kann die Kripo noch immer keine konkreten Angaben machen. Man geht offenbar nach wie vor von einem technischen Defekt aus. Foto: Iwersen

Vor drei Wochen machte ein Feuer in Flensburg eine Familie obdachlos. Der Vater, der seinen Sohn aus den Flammen rettete, liegt inzwischen nicht mehr im Koma.

shz.de von
09. März 2013, 10:24 Uhr

Flensburg | Es ist ein Schicksalsschlag, wie er härter kaum sein könnte. Vor knapp drei Wochen machte ein Feuer in einem Einfamilienhaus an der Straße Twedter Feld eine vierköpfige Familie obdachlos. Der seit Geburt schwerstbehinderte Kevin Schreiner (9) liegt seitdem mit Verbrennungen 3. Grades im Koma. Er ist in der Lübecker Uni-Klinik mehrfach operiert worden, Amputationen waren nicht zu umgehen, Hauttransplantationen werden unvermeidbar sein. Der Junge schwebt weiterhin zwischen Leben und Tod.

Der Vater, der seinen Sohn aus dem brennenden Schlafzimmer unter Einsatz des eigenen Lebens rettete und ebenfalls schwere Verbrennungen erlitt, befindet sich inzwischen nicht mehr im Koma. "Er ist ansprechbar", sagt seine Frau erleichtert. Galina Schreiner hat ihm das ganze Ausmaß der Tragödie bislang erspart, um seine Genesung nicht zu gefährden. Sie pendelt neben ihrer Arbeit als Diplom-Pädagogin ständig zwischen Flensburg und Lübeck. Die Kosten sind enorm.

Große Spendenbereitschaft

Zur Brandursache kann die Kripo noch immer keine konkreten Angaben machen. Man geht offenbar nach wie vor von einem technischen Defekt aus. "Asservate wie Bestandteile des Bettes, in dem der Junge lag", sagt Polizeisprecher Matthias Glamann, "werden derzeit beim Landeskriminalamt in Kiel untersucht." Ein abschließendes Gutachten stehe noch aus.

Unterdessen ist die Spendenbereitschaft nach Veröffentlichung des mit einem Aufruf verbundenen Tageblatt-Artikels erfreulich groß. Auf dem Freundeskreiskonto der Friholtschule, die der Neunjährige besucht, sind bisher von Eltern und aus dem Kollegium 2000 Euro eingezahlt worden. Hinzu kommen 1000 Euro aus der Just-Hansen-Stiftung, die behinderte Menschen unterstützt. Auch die Busfahrer der Johanniter-Unfallhilfe wurden aktiv - sie überbrachten 130 Euro. Klaus-Peter Grunewald, Schulleiter des Förderzentrums mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, freut sich über so viel Anteilnahme. "Die gesamte Summe werden wir nun an die Familie überweisen."

"Für die Schule ist es ein Schock"

Darüber hinaus engagieren sich eine Kinderarztpraxis in Mürwik und der Geltinger Malerbetrieb, bei dem Sergej Schreiner (41) angestellt ist. "Freunde und Familie, selbst fremde Menschen helfen. Auch Wohnungen sind uns schon angeboten worden", sagt seine Frau Galina dankbar.

Klaus-Peter Grunewald schildert die derzeitige Stimmung unter den Schülern. "Sie machen sich Sorgen, besonders seine Klassenkameraden", sagt er. "Für die Schule ist es ein Schock."

Spendenkonto
Freundeskreis Friholtschule, Kto. 272.655, BLZ 217 500 00, Nospa

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