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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 03:50 Uhr

Nach einem Jahr Bauzeit floss das Bier

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Brauerei am Munketoft wurde 1888 gegründet / Bis heute ist die Eigenständigkeit in einem umkämpften Markt bewahrt

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2015 | 17:39 Uhr

Flensburger Bier ist Kult in der Fördestadt – und darüber hinaus. Nicht nur wegen seines herben Geschmacks, nicht nur wegen des Bügelverschlusses und des herrlich „Plopp“. Das Bier und seine verschiedenen Flaschen sind Alltagsgeschichte und ein Schmuck der Sammlerregale. Die Brauerei am Südrand der Innenstadt ist Flensburger Wirtschaftsgeschichte und -gegenwart, Musterbeispiel für ein erfolgreiches Familienunternehmen und für ein „kleines“ Unternehmen, das auf dem Markt der Großen mithalten kann. Darauf sind viele Flensburger so stolz wie auf die Werft am Ostseebad. Das Fundament dafür wurde 1888 gelegt.

Es waren fünf weitsichtige Flensburger Kaufleute die die Flensburger Brauerei gründeten. Im Flensburger Norden war bereits seit 1874 die Aktienbrauerei aktiv. Sie gab dem Brauereiweg den Namen.

Für die neue Brauerei musste zunächst in großem Stil investiert werden: Mit der Fläche am damals noch vorhandenen Mühlenteich konnte das neue Unternehmen gleich einen Standortvorteil realisieren: Den Zugriff auf das Eis des Teiches, das für die Kühlung während der Bierproduktion gebraucht wurde. Das Tempo beim Neubau war atemberaubend: Am 24. November 1888 erfolgte die Grundsteinlegung. Prinzip war es, die Bauarbeiten an heimische Firmen zu vergeben.

Schon zehn Monate nach der Grundsteinlegung wurde das erste Bier präsentiert: helles Pilsener und dunkles, „nach bayrischer Art Gebrautes“. Am 19. November 1889, vier Wochen vor der öffentlichen Bierprobe, wurden die Namen für das neue Bier festgelegt: „Exportbräu“ für das helle Pilsener und „Munkebräu“ für das dunkle Bier.

Hochmodern ausgestattet, produzierte die neue Exportbrauerei das Bier wesentlich rationeller als ihre Konkurrenz im Norden der Stadt, die Aktienbrauerei: Mit 70 Beschäftigten 70  000 Hektoliter (hl) pro Jahr, während die 90 Arbeiter der Aktienbrauerei 40  000 Hektoliter brauten. Die beiden Brauereien stiegen ein in einen erbitterten Kampf um die heimischen Biertrinker. Der endete 1915 mit der Übernahme der Aktienbrauerei. Es entstanden die „Flensburger Brauereien“ – ein Begriff, der über viele Jahrzehnte beibehalten wurde, auch als die Brauerei im Norden der Stadt längst nicht mehr existierte. Emil Petersen, einer der Hauptaktionäre, war es, der in mühseliger Arbeit das Unternehmen auf sicheren Grund stellte. Seitdem wurde die Produktion ständig gesteigert: 1985 wurden 394  000 hl erreicht und 1987 sogar 562  000.

Wo lagen die Gründe? Vor allem beim schrittweisen Vorstoß nach Süden über das traditionelle Absatzgebiet – den Landesteil Schleswig – hinaus. Zum 100. Jubiläum 1988 konnte die Unternehmensführung feststellen: Das Bier läuft in den vier Küstenländern und Berlin. Das Pilsener mit seiner charakteristischen Würze traf den Geschmack der Verbraucher. Und dann die Sache mit der Flasche: Als erste deutsche Brauerei setzte die Flensburger auf den Bügelverschluss in der Vermarktung und blieb bis heute dabei. Das sicherte dem Produkt besondere Aufmerksamkeit. Heute ist der Bügelverschluss ein liebevoll gepflegtes Markenzeichen. Eine große Portion Glück und die Flexibilität des Familienunternehmens sorgten damals dafür, dass die Flensburger Brauerei gleich mehrfach im Trend lag.

Zum 100. Jubiläum konnte die Unternehmensleitung feststellen: Bei einem Umsatz 1987 von 92 Millionen Mark wurden durchschnittlich zehn Millionen Mark investiert.

Heute, ein Vierteljahrhundert später, hat sich Schleswig-Holsteins letztes großes Brauunternehmen, in vielen Regionen der Republik als Kultmarke und manchen Regionen der Welt als Exportschlager entwickelt. In den vergangenen Jahren hatte die Brauerei gegen den Trend positive Zahlen geschrieben. Vor allem der Exportanteil, bislang fünf Prozent, soll weiter wachsen. Allein Richtung China sind jede Woche eine Lkw-Ladung und ein Schiffscontainer aus Flensburg unterwegs.

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