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Umfrage : Nach drei Jahren: Der OB im Halbzeit-Check

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lob für kooperativen Umgang – doch vielen ist der Verwaltungschef nicht bekannt

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 08:00 Uhr

Bergfest für den Oberbürgermeister. Am 21. November 2010 setzte sich Simon Faber in einer Stichwahl gegen die von CDU und Grünen favorisierte Elfi Heesch durch – mit einem komfortablen Vorsprung von fast 1600 Stimmen; nur etwa jeder vierte Wahlberechtigte war seinerzeit zum Gang an die Urne zu bewegen. Der SSW-Mann löste am 15. Januar 2011 seinen Vorgänger Klaus Tscheuschner ab, der nicht wieder angetreten war.

Das Tageblatt hat sich nach exakt der Hälfte der Amtszeit des 45-Jährigen einmal umgehört: Was hat Simon Faber erreicht, was ließ er unter Umständen vermissen, wie zufrieden ist Flensburg mit seinem OB?

Ein erwartungsgemäß heterogenes Bild zeichnen die gestern erreichbaren Fraktionsvorsitzenden im Rathaus. Uneingeschränkten Zuspruch gibt es, wen wundert’s, von Parteikollegin Susanne Schäfer-Quäck: „Er ist ein Minderheitenbürgermeister für alle Flensburger – das hat er gut gemacht.“ Sie lobt vor allem die Zusammenarbeit über die Grenze. „Die ist wesentlich leichter geworden, weil er dänischsprachig ist.“ Etwas kritischer sieht es schon Helmut Trost (SPD), der Faber zwar gute Kopfnoten („kommunikativ, kooperativ“) bescheinigt, im Fach Verwaltungskunst könne er jedoch noch zulegen, „bei der Stadtentwicklung fehlen mir konkrete Ergebnisse“. Auch Kay Richert (FDP) fehlt etwas, nämlich „seine Präsenz in der Stadt“. Ansonsten würdigt er, wie Faber die Causa Campusbad vorangetrieben habe und in der Vernetzung mit Dänemark ein Gewinn für die Stadt sei. Letzteres findet auch Frank Markus Döring (CDU), der nun auf die kommenden Resultate aus den Gesprächen mit den dänischen Partnern gespannt ist. Die Zusammenarbeit von Politik und Verwaltung, die durch neue Strukturen gut aufgestellt sei, bewertet er positiv. Grünen-Ratsfrau Ellen Kittel-Wegner spricht von einem schwierigen Start, an der mangelhaften Wahrnehmung habe sich leider nicht geändert. Und: „Themen wir Bildung – von Kita bis Hochschule –, Klimapakt oder Arbeitsplätze kommen bei ihm leider nicht vor.“ Dennoch sei Faber um Transparenz und Beteiligung bemüht. Einen kooperativen Umgang hat auch Heinz-Werner Jezewski festgestellt. Der Verwaltungschef nehme Politik zwar ernst, dennoch falle die Bilanz eher ernüchternd aus. „Wo bleiben die Investoren aus Dänemark?“

Der angenehme Dialog mit Simon Faber, besonnen und sachorientiert, wird von den Befragten allgemein hervorgehoben. Arbeitgeberverbandsgeschäftsführer Fabian Geyer bildet da keine Ausnahme. „Dennoch wünsche ich mir, dass er einige Dinge energischer zur Chefsache deklariert. Den Auftritt des Oberbürgermeisters in der Verwaltung hat er als „distanziert“ wahrgenommen.“

DGB-Regionsgeschäftsführerin Susanne Uhl fordert, er möge in seiner zweiten Halbzeit größeres Augenmerk auf die Qualität von Arbeitsplätzen richten. „Flächenfressende Neuansiedlungen von Unternehmen, die weder Tariflöhne zahlen noch Betriebsräte zulassen, sollten längst der Vergangenheit angehören. und Lohndumpingstandort Flensburg nicht das neue Markenzeichen werden.“

Dierk Schmäschke, Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, betont, dass sich zwischen Faber und der SG ein gutes Verhältnis entwickelt habe. „Er hat die Bedeutung des Vereins für die Region erkannt.“ Wünschenswert sei, dass er zusammen mit dem Landrat die Diskussion um die Nutzung der Flens-Arena zur Chefsache mache und „einfach mehr Farbe bekennt“.

Und was sagt der Bürger? Er wünscht sich mehr Volksnähe. Eine Kritik, die sich wie ein roter Faden durch die Amtszeit zieht. „Seine Arbeit schätze ich wohl, meint Rentner Hans-Werner Kraack, „aber er hält den Bürger auf Distanz.“ Manfred Lattke moniert neben dem Umzug in den 13. Stock, dass für den Neujahrsempfang keine Geld vorhanden sei, sehr wohl aber für eine zweisprachige Beschilderung. „Und die Europawiese oder die Flugboot-Posse ist eine einzige Lachnummer.“ Martina Grimm hat die Bitte an den OB, er möge für flexiblere Kinderbetreuung sorgen. „Uns Müttern wird es nicht hier wirklich leicht gemacht.“

Etwa der Hälfte der Befragten auf der Straße war der Name des Oberbürgermeisters nicht geläufig, viele signalisierten Desinteresse. „Keine Ahnung“, war zu hören, „habe mich damit nicht beschäftigt“ und: „Habe keine Meinung.“ Ein Indikator für das Interesse an der nächsten Wahl in drei Jahren?

 

 

 

 

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