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Feuer in Flensburg : Nach Brand auf der „Jürgensby“: So geht es mit dem Schiff weiter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Feuer auf der „Jürgensby“. Erheblicher Schaden im Salon. Kripo hat das Schiff beschlagnahmt und ermittelt. Eigner plant Verkauf

Es ist der traurige Höhepunkt einer siebenjährigen Misserfolgsgeschichte. Dienstag am frühen Morgen meldeten Passanten ein Feuer auf der „Jürgensby“. Die Löscharbeiten dauerten eineinhalb Stunden, die Kriminalpolizei hat das Schiff beschlagnahmt und ermittelt – nicht zuletzt in Richtung Brandstiftung. Möglicherweise ist das Feuer im Morgengrauen der Schlusspunkt des siebenjährigen Flensburger Gastspiels des Fahrgastschiffes.

Dichter Qualm am frühen Dienstagmorgen unweit der Hafenspitze: Als die Feuerwehr eintrifft, steht der Salon im Unterdeck in Flammen. Neben der Berufsfeuerwehr ist auch die Freiwillige Feuerwehr Klues im Einsatz. „Da zunächst nicht klar war, ob noch Personen an Bord sind, haben wir das Schiff zunächst unter schwerem Atemschutz abgesucht – zum Glück war da aber niemand mehr“, berichtet Einsatzleiter Marco Litzkow.

Die Löscharbeiten gestalteten sich aufgrund der engen Bauweise des Schiffes und der großen Hitze schwierig. Auch das Oberdeck war stark verqualmt; um dorthin zu gelangen, mussten Löschkräfte mit der Drehleiter auf dem Oberdeck abgesetzt werden und die Tür zum dortigen Salon aufbrechen.
Nachdem der Brand unter Kontrolle fest, stellte sich heraus, dass der Raum im Unterdeck vollkommen ausgebrannt ist und weitere Teile des Schiffes schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Feuerwehr schätzt den Schaden auf rund 100.000 Euro.

Darauf gibt Eigentümer Karl-Peter Ketelsen nicht viel. „Morgen kommt ein Gutachter und jemand von der Versicherung“, sagte er am Dienstag. „Dann wissen wir mehr.“ Er selbst habe nicht vor, das Schiff noch einmal instandzusetzen. „Ich weiß auch nicht, ob sich das noch lohnt oder ob es eher ein Totalschaden ist.“ Er selbst jedenfalls wolle sich auf die „Möwe“ konzentrieren. Mit dem kleineren der beiden Schiffe fährt er Urlauber und Einheimische auf der Innenförde spazieren.

Das wollte er eigentlich auch mit der „Jürgensby“ machen, als er sie vor sieben Jahren aus Eckernförde zurück an die heimische Förde holte. Hier war das 1966 gebaute Schiff mit Platz für 200 Passagiere einst als Butterdampfer unterwegs. Ketelsen hatte 2011 noch große Pläne: Er wollte die Linie Flensburg – Langballigau – Sonderburg wiederbeleben.

Doch diese Idee blieb ein schöner Traum. 2011 zwang ein Motorschaden das Schiff für drei Jahre an den Kai. Der betagte MAN-Diesel hatte auf der Rückfahrt von den Ochseninseln den Geist aufgegeben. Die Beschaffung von Ersatzteilen gestaltete sich als schwierig und teuer; Reeder und Kapitän Ketelsen musste mit der kleinen „Möwe“ die Familie ernähren und die Fixkosten für die „Jürgensby“ verdienen. 2014 war es dann soweit; doch auch das Comeback war nur von kurzer Dauer. Ihren letzten Einsatz hatte die „Jürgensby“ 2016 bei der Kieler Woche.

Zwischendurch hat Ketelsen mehrmals versucht, das Schiff zu verkaufen. Die Interessenten hatten aber nicht das notwendige Kleingeld. Bis heute gebe es Kaufwillige. Hafenkapitän Frank Petry möchte das lädierte Schiff möglichst bald an einen anderen Liegeplatz im Hafen verlegen.

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erstellt am 05.Jul.2017 | 06:03 Uhr

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