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Frühlingsmarkt auf der Flensburger Exe : Nach Anschlägen: Hilfsorganisationen besorgt um Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bewohner des Flüchtlingsdorfes auf der Flensburger Exe bekommen bald viel Besuch. Bei vielen sorgt das für Unbehagen.

Flensburg | Am Flüchtlingsdorf auf der Flensburger Exe wird es bald voll. Am Ostersonnabend, 26. März, beginnt vor der Haustür der Flensburger Frühlingsmarkt. Dann stehen für sieben Öffnungstage zwischen 14 und 23 Uhr Tausende auf der Matte, Kirmeslärm und Volksvergnügen gibt es frei Haus, im Vergleich mit den seit Jahren geprüften Anwohnern der umgebenden Straßen gilt für die rund 300 Bewohner: Sie sind mittendrin statt nur dabei. Ein Gedanke, der bei manchen nicht nur im Hinblick auf den Lärm für Unbehagen sorgt.

Reiner Rademacher wäre es lieber gewesen, es hätte eine Standort-Alternative gegeben. Der Mitbegründer der Flensburger Flüchtlingshilfe jedenfalls wird drei Kreuze machen, wenn der größte Jahrmarkt der Region ohne Zwischenfälle über die Runden gekommen ist. Nach den Anschlägen in der Travestraße, am Dammhof und Schleswig ist seiner Überzeugung nach das Thema Sicherheit keines, das man vernachlässigen darf. „Mir bereitet der Gedanke, dass Tausende von Menschen über viele Tage so dicht an die Wohncontainer herankommen, Riesenbauchschmerzen. Leider haben wir im Arbeitskreis Flüchtlinghilfe bislang von der Stadt noch nicht gehört, wie sie sich das Thema Sicherheit dort vorstellt.“

Das ist auch im Bündnis für ein buntes Flensburg nicht bekannt - eine Initiative, die ebenfalls seit letztem Sommer sehr stark mit der Betreuung von Flüchtlingen beschäftigt ist. „Ich hoffe, dass es ein Sicherheitskonzept gibt“, sagt Landtagsabgeordnete Simone Lange, eine der Koordinatorinnen. „Hier gibt es auf engem Raum viele Interessen unter einen Hut zu bringen.“ Der ungetrübte Spaß am Jahrmarkt gehört ebenso dazu wie das Recht, im Containerdorf unbehelligt zu bleiben. „Ich hätte mir sehr gewünscht, die ehrenamtlichen Organisationen in der Flüchtlingsbetreuung wären bei der Prüfung des Standortes beteiligt worden.“ Da aber auch das Bunte Flensburg ebenso wie Refugees Welcome von der Stadt nichts gehört haben, geht Lange davon aus, dass die Verträglichkeitsprüfung beider Nutzungen bereits abgeschlossen ist.

Das ist korrekt. Ulrich Mahler informierte im zuständigen Ausschuss für Bürgerservice, Schutz und Ordnung das der Stellplan für die Betriebe modifiziert und Geräuschbelästigungen bis 23 Uhr in Kauf genommen würden. Auf Nachfrage unserer Zeitung meinte er, mit dem Lärm müssten die Anwohner der benachbarten Wohnhäuser seit vielen Jahren leben. Eine zusätzliche Gefährdung für die Flüchtlinge sehe er nicht. „Wir hatten davor schon über längere Zeit direkt in der Nachbarschaft das Hostel mit Flüchtlingen belegt. Da ist auch nie etwas passiert. Wir haben nicht die Befürchtung, das vom Markt Probleme ausgehen. Wir haben in diesem Jahr keine andere Situation als die übliche.“ Baulich werde der Bereich der Unterkunft aber vom Festplatz schärfer abgegrenzt. „Wir wollen auch nicht, dass die Leute dort herumlaufen“, so Mahler. Zudem sei in Absprache mit den Schaustellern das Wegekonzept leicht abgewandelt worden, auch um die Lärmbelästigung in den dünnwandigen Containern zu minimieren.

Die Polizei sieht trotz des jüngsten Zwischenfalls in Schleswig keine erhöhte Sicherheitslage, so ihre Pressesprecherin Franziska Jurga. Allerdings werden die Ordnungshüter während der Markttage anders als in den zwei zurück liegenden Jahren durchgängig Kräfte vor Ort haben. Das 1. Polizeirevier fährt zudem verstärkt Streife. All das ist als vorläufig zu verstehen. Vor dem Hintergrund des Brandanschlags auf eine syrische Familie in Schleswig vergangenen Freitag betonte Jurga, dass sich diese Einschätzung auch jederzeit ändern könne. „Wir bewerten die Lage jeden Tag neu.“

Wenn er an den Frühlingsmarkt denkt, sieht Dirk Dillmann, einer der Anführer der Sportpiraten und Mitorganisator bei Refugees Welcome einen ganz anderen Gesichtspunkt im Vordergrund. „Alle Kinder haben ein Recht auf Spiel und Spaß. Es ist traurig, dass die 60 Kinder die mit ihren Eltern im Containerdorf leben, keine Möglichkeit haben werden, an dem bunten Jahrmarktsvergnügen direkt vor ihren Augen teilzuhaben. Sie werden wohl nur Zuschauer sein.“

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erstellt am 08.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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