ÖPNV in Flensburg : Nach 95 Jahren: Das Ende der AFAG

Einmal noch die AFAG genießen: Bus am Sonnabend zum Zob.
Einmal noch die AFAG genießen: Bus am Sonnabend zum Zob.

Nach gewonnener Ausschreibung gingen am Wochenende Förde Bus und Autokraft auf die Flensburger Linien.

shz.de von
11. Dezember 2017, 07:00 Uhr

Flensburg | Das war’s: Mit dem Fahrplanwechsel am vergangenen Wochenende sind die Busse der AFAG, der Allgemeinen Flensburger Autobus-Gesellschaft, aus dem Stadtbild verschwunden. Das Ende der AFAG nach 95 Jahren ist die Konsequenz einer europaweiten Ausschreibung des Betriebs auf den AFAG-Linien. Diese Ausschreibung gewannen die Firmen Förde Bus und Autokraft. Die AFAG kam mit ihrem Angebot nicht zum Zug.

Für die Kunden ändert sich wenig. Auf den einzelnen Linien besteht ein unverändertes Fahrplanangebot und auch die Fahrpreise bleiben stabil. Alle im Stadtverkehr eingesetzten Busse tragen an der Frontseite den Aktiv Bus-Schriftzug sowie das Logo des landesweiten Nahverkehrsverbundes NAH.SH. „Unabhängig davon, ob der jeweils fahrende Bus ein eigenes Fahrzeug von Aktiv Bus ist oder einem der beiden Subunternehmer gehört, soll sichergestellt sein, dass jeder Kunde wie gewohnt zuverlässig an sein Ziel kommt“, heißt es in einer Pressemitteilung von Aktiv Bus.

Im Jahr 2013 hatte die Stadt alle Flensburger Buslinien in die Zuständigkeit der Stadtwerke-Tochter Aktiv-Bus gegeben, auch die AFAG-Linien 10, 11, 12, 14 und 15. Aktiv-Bus übergab deren Bedienung an die AFAG als Subunternehmer. Diese Regelung ist abgelaufen, die Bedienung als Subunternehmer-Leistung wurde europaweit ausgeschrieben. Die besten Angebote gaben Förde Bus und die Autokraft ab.

Der Start in die neue Ära geschah mit einem Paukenschlag im Bereich Fahrzeugtechnik: 20 neue Busse gehen auf Tour. Während die bisherigen AFAG-Busse aus dem Stadtbild verschwinden, starteten Förde Bus und Autokraft am Sonntag mit komplett neu angeschafften, „besonders schadstoffarmen Gelenkbussen“, wie Aktiv Bus betont. Die zum DB-Konzern gehörende Autokraft wird mit sieben neuen Bussen unterwegs sein, die den Firmen Hansen-Borg und Gorzelniaski gehörende Firma Förde Bus erbringt ihren Anteil am Stadtverkehr mit 13 neuen Bussen. Insgesamt haben dann die insgesamt 46 eingesetzten Stadtbusse ein Durchschnittsalter von drei Jahren.

Die technische Ausstattung der neuen Fahrzeuge entspricht den von Aktiv Bus zuletzt angeschafften Hybridbussen. Angefangen von den Bildschirmen zur Anzeige der jeweils nächsten Haltestellen bis hin zu Außenlautsprechern, über die bei Bedarf sehbehinderten Fahrgästen die Nummer und Fahrtrichtung des ankommenden Busses angesagt werden kann.

Alle Stadtbusse in Flensburg sind mit moderner Verkaufstechnik ausgestattet. Auf allen Linien können die Fahrer nicht nur Fahrscheine für Flensburg verkaufen, sondern zu allen mit Bus und Bahn erreichbaren Zielen in Hamburg und Schleswig Holstein sowie zu Zielen entlang der dänischen Buslinien 110 (Flensburg – Krusau – Sonderburg) und 220 (Pattburg – Krusau – Apenrade).

Das Fahrpersonal wird weitgehend aus denselben Fahrern wie früher bestehen. Thorsten Hinrichs, Niederlassungsleiter der Autokraft in Flensburg: „Wir freuen uns, 14 verdiente Kolleginnen und Kollegen der AFAG bei uns weiter beschäftigen zu können.“ Auch bei Förde Bus und zum Teil auch bei Aktiv Bus sind ehemalige AFAG-Beschäftigte untergekommen.

Für Paul Hemkentokrax, Geschäftsführer von Aktiv Bus, war das ein wichtiger Aspekt im Ausschreibungsverfahren: „Zum einen sind wir erleichtert, weiterhin mit bewährten Flensburger Partnern zusammenarbeiten zu können, zum anderen sind wir froh darüber, dass dadurch niemand seinen Arbeitsplatz verlieren musste.“

Wenn es von Kunden Anregungen oder auch Beschwerden gibt, ist dafür Aktiv Bus der richtige Ansprechpartner. Am besten wenden sich Fahrgästen mit ihren Hinweisen an die Mobilitätszentrale in der Holmpassage. Anmerkungen können auch über eine Eingabemaske auf www.aktiv-bus.de (Menüpunkt „Kontakt“) direkt geschickt werden.

Das nächste Großprojekt ist schon in Planung: So bald wie möglich soll im Jahr 2018 ein verbessertes Verkehrsangebot für die zum Stadtteil Tarup gehörenden Wohngebiete etabliert werden.

Einen formellen Abschied für die AFAG gab es nicht. Die Geschäftsführung hatte am Sonnabend die AFAG-Mitarbeiter auf das Betriebsgelände an der Westerallee eingeladen. Unklar ist noch die Zukunft des Betriebsgebäudes an der Westerallee. Hier muss der Besitzer Förde-Reederei Seetouristik über die Verwendung entscheiden. „Obwohl Aktiv Bus auf seinem Grundstück an der Apenrader Straße nicht genügend Platz hat, passt das AFAG-Gelände nicht zu den Bedürfnissen“, heißt es in der Mitteilung.

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