"Ostseeman" : Mythos Ironman hautnah erleben

Massenstart ins offene Meer: Für viele Zuschauer ist das der Höhepunkt des 'Ostseeman'. Foto: sh:z
Massenstart ins offene Meer: Für viele Zuschauer ist das der Höhepunkt des "Ostseeman". Foto: sh:z

Neuer Rekord: Mit 1500 Athleten ist der "Ostseeman" restlos ausgebucht. Die Glücksburger Innenstadt wird erstmals voll gesperrt.

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31. Juli 2012, 04:54 Uhr

Glücksburg | Der Tag des Jahres, oder sogar einer der schönsten Tage des Lebens, beginnt für viele Extremsportler am Sonntag, 5. August, kurz nach Sonnenaufgang in der Glücksburger Sandwig-Bucht. Um Punkt 7 Uhr fällt der Startschuss zum elften "Ostseeman". Für 1500 Athleten - knapp 100 mehr als im Vorjahr, darunter 600 Einzelstarter und 300 Staffeln - beginnt dann der Kampf gegen die körperlichen Grenzen, der trotz tausender Trainingsstunden im Kopf entschieden wird. Tausende Zuschauer werden vom Start bis zum Zielschluss um 22 Uhr so hautnah dran sein an den Eisenmännern und -frauen wie bei keinem anderen Triathlon in Deutschland über die legendären Ironman-Distanzen - 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, danach noch ein Marathon über 42 Kilometer.
"Eine solche Herausforderung lässt nur einen oder zwei Starts im Jahr zu, deshalb setzen wir mit einem Team von hunderten freiwilligen Helfern alles daran, das Menschenmögliche für die Athleten zu tun", sagt Organisator Reinhard Husen, der das Baby "Ostseeman" vor zehn Jahren mit knapp 100 Starten auf die Welt geholt hat. Zu diesem Fürsorge-Paket zählt erstmals auch die komplette Absperrung der Glücksburger Innenstadt. In den vergangenen Jahren war es immer wieder zu brenzligen Situationen gekommen. "Deshalb geht am 5. August die Sicherheit der Sportler vor", sagt Husen. Für Besucher wird ein Shuttle-Service von ausgewiesenen Parkflächen eingerichtet.
"Eine ganze Region steht hinter diesem Wettkampf"
Das "Ostseeman"-Kribbeln ist mit jedem Tag stärker spürbar. Immer mehr Athleten sind auf den ausgeschilderten Strecken zu sehen. "Eine ganze Region steht hinter diesem Wettkampf - die Vorfreude ist riesig", sagt Stadtrat, Schirmherr und siebenfacher Einzelstarter John Witt. Die Triathlon-Tage an der Förde werden bereits am Freitag, 3. August, eröffnet. Um 17 Uhr werden die Athleten auf dem Schinderdam begrüßt, danach geht es im Nationenmarsch zur "Pasta-Party" in die Rudehalle. Am Sonnabend, 4. August, fällt um 14 Uhr am Strand von Sandwig der Startschuss zu den "Ostseekids": Auf kurzen Schwimm- und Laufdistanzen können Sechs- bis Zwölfjährige wie die Großen den Start- und Zielbereich testen. Um 19 Uhr findet eine Andacht für die Sportler in der Schlosskapelle statt. An beiden Tagen ist im Gesundheitszen trum Medimaris eine Triathlonmesse geöffnet.
Der Iroman an der Ostsee zählt heute zu den beliebtesten und spektakulärsten Langdistanz-Triathlons weltweit. Sportler aus aller Herren Länder wissen dank des "Ostseeman", wo Glücksburg liegt. Für die Förderegion hat sich das Sportevent der Superlative zum bedeutenden Werbe- und Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Athleten, ihre Familien, Fans und viele Triathlon-Freunde verbringen rund um das erste Augustwochenende ihren Urlaub an der Förde, der Großraum Glücksburg ist in diesen Tagen ausgebucht.
"Kein weiteres Fahrrad passt in die Wechselzone"
Ob internationale Top-Athleten wie die Vorjahressieger Christian Nitschke und Nicole Woysch oder ambitionierte Hobbysportler - die Begeisterung an der Strecke und die familiäre Atmosphäre sind das, was den Glücksburger Triathlon so beliebt machen, dass die Warteliste ebenso lang ist wie die Startliste. "Mit 1500 Athleten haben wir das absolute Limit erreicht - kein weiteres Fahrrad passt in die Wechselzone", sagt Husen. Durch den Umzug an einen anderen Standort würde der "Ostseeman" seine Seele verlieren. "Das Herz des Wettkampfs schlägt am Strand, auf der Promenade und im Kurpark", sagt der "Ostseeman"-Vater, der einst zu Deutschlands besten Hundert-Kilometer-Läufern zählte. Auf engstem Raum werden dort der in Deutschland einmalige Massenstart ins offene Meer, der Wechsel zwischen den Disziplinen und der Zieleinlauf miterlebt und gefeiert. "Ich freue mich riesig, das wird wieder ein Fest", sagt Nicole Woysch.
Fein fürs Fest wird sich in diesem Jahr der Fördeplatz allerdings noch nicht zeigen. Durch Verzögerungen bei der Lieferung von Betonelementen sind die Bauarbeiten nicht so weit wie geplant. Deshalb wird die zentrale Veranstaltungsfläche für den "Ostseeman" und die Strandmeile am Wochenende darauf aus hartgerütteltem Sand bestehen. Dafür wird es bereits doppelt so viel Platz geben wie vor dem Start der Bauarbeiten. "Die Promenade vom FSC-Gelände bis dorthin wird ganz fertig sein", sagt Witt. Hergerichtet werden derzeit auch die beiden Straßen nach Holnis, die Teil der Radstrecke sind. Zahlreiche Löcher werden mit Kalt-Asphalt geflickt. Eine Grundsanierung sei dort überfällig. "Doch es sind Landesstraßen, und das Land verschiebt diese Investition von Jahr zu Jahr", sagt Witt. "Diese Abschnitte zählen besonders bei Regen zu unseren Sorgenkindern", weiß Husen.
Die ersten Athleten werden am 5. August noch vor 8 Uhr aus der Ostsee kommen und aufs Rad wechseln, ab 12.30 Uhr werden die ersten zum Laufen übergehen, gegen 15.30 Uhr wird der Sieger gefeiert, mit einem Feuerwerk wird der Zielbereich um 22 Uhr geschlossen. "Der Ostseeman ist für uns die vierte Jahreszeit, die Begeisterung ist phänomenal - wir freuen uns riesig", betont Husen.

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