Flohmarkt am Förde-Park : „Mutter Teresa“ und das Xbox-Lenkrad

Alles wieder komplett – und ein Autorennspiel gab’s für Kion noch gratis obendrauf.
Alles wieder komplett – und ein Autorennspiel gab’s für Kion noch gratis obendrauf.

Ein zwölfjähriger Junge aus Tarp kann wieder lachen: Nach einem verunglückten Kauf auf dem Flohmarkt am Förde-Park gab es für ihn ein Happy End.

23-2252996_23-102952878_1542293385.JPG von
27. Juni 2015, 15:00 Uhr

Flensburg | Alles muss raus! Große Entrümplungsaktion bei Andreas und Sonja Ehlers in Flensburg-Weiche. Was nicht mehr gebraucht wird, aber brauchbar ist, wandert auf den Flohmarkt. Und da Andreas Ehlers ein Fan virtueller Autorennen ist und sich gerade ein nagelneues Lenkrad plus Pedalen für seine Xbox-Spielkonsole gegönnt hat, soll sein altes Gerät ausrangiert werden. Verhandlungsbasis: 45 Euro.

Am Sonntag also fahren Sonja Ehlers und ihre Tochter Lena frühmorgens mit einem vollbepackten Auto zum Flohmarkt am Förde-Park, drappieren ihr Hab und Gut auf einem Tapeziertisch. Zur gleichen Zeit stromert Kion (12) mit seinen Eltern an den Ständen vorbei. Und erblickt das Objekt der Begierde – das Lenkrad. „Mein Vater wollte das nicht bezahlen“, sagt Kion, der in Tarp wohnt. Er solle, sagt er, sein Taschengeld dafür opfern. Nach einigen Stunden lässt sich Sonja Ehlers erweichen und verkauft dem Jungen das gute Stück für nur 30 Euro – Kion war happy.

Doch zu Hause angekommen, fehlt die Tischhalterung. Andreas Ehlers stellt das ebenfalls fest und postet daraufhin über die Flensbook-Gruppe: „An den kleinen Jungen, der heute auf dem Flohmarkt im Fördepark ein Lenkrad für die XBox 360 bei meiner Frau gekauft hat. Es wurde die Halterung vergessen. Mir ist sehr daran gelegen, dass er die Halterung bekommt, da der Junge sein Taschengeld geopfert hat und das Lenkrad ohne die Halterung schlecht zu gebrauchen ist.“

Damit tritt er eine Lawine los. Der Beitrag wird fast 700 Mal mit „gefällt mir“ markiert, 200 Mal geteilt und eifrig kommentiert. Und es dauert nicht lange, da ist der Käufer in Tarp ausfindig gemacht. Andreas Ehlers zögert keine Sekunde, setzt sich ins Auto und bringt Kion die Halterung vorbei, dazu eine Autorennspiel als Geschenk. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, der Junge tat mir einfach leid.“

Seitdem hat der 48-jährige Lagermeister seinen Spitznamen weg. Am Arbeitsplatz und bei den Handball-Kollegen von DHK Flensburg heißt er nur noch „Mutter Teresa“. Auch Kions Mutter ist beeindruckt. „Jemand anders“, ist sie sicher, „hätte das doch längst entsorgt.“ Mit dieser Meinung steht sie nicht allein. Im Internet finden sich Kommentare wie: „Sowas gibt’s noch?Ich bin begeistert!“ oder „Es gibt sie noch – die Guten!“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen