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Prozessbeginn in Flensburg : Mutter legte Babyleiche in Tiefkühltruhe

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es war ein grausiger Fund im Sommer 2012: Ein Mann entdeckt in der Kühltruhe seines Hauses in Großenwiehe bei Flensburg eine Babyleiche – zehn Jahre nachdem seine damalige Frau das Kind dort hineingelegt hatte. Die 50-Jährige muss sich wegen Totschlags verantworten.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 10:09 Uhr

Flensburg | Teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Dienstag vor dem Landgericht Flensburg der Prozess gegen eine 50 Jahre alte Mutter begonnen, die ihr Baby nach der Geburt nicht versorgt haben soll. Es war gestorben. Die Frau hatte den Leichnam laut Anklage in eine Tiefkühltruhe in ihrem Haus in Großenwiehe bei Flensburg gelegt. Dort wurde die Leiche erst etwa zehn Jahre später im Sommer 2012 von dem früheren Ehemann der Frau gefunden. Die 50-Jährige muss sich nun wegen Totschlags verantworten.

Laut Anklageschrift war das kleine Mädchen zwischen 2002 und 2004 lebend und lebensfähig geboren worden. Den Leichnam habe die Mutter in eine Mülltüte gehüllt. Als das Kind in die Tiefkühltruhe gelegt wurde, sei es bereits tot gewesen. Die Frau habe sich „alleingelassen und überfordert“ gefühlt und das Kind daher nicht versorgt.

Vor Gericht machte die Angeklagte weitgehend Erinnerungslücken geltend, sagte Staatsanwalt Dieter Chlosta. Ihre Erinnerung setze erst wieder zu dem Zeitpunkt ein, als sie das Wohnzimmer gereinigt habe, wo das Kind geboren wurde. „Es war nicht mehr zu erfahren von der Angeklagten.“ Die Öffentlichkeit wurde während der Aussage der Frau teilweise ausgeschlossen, weil Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich der 50-Jährigen zur Sprache kommen sollten.

Chlosta geht davon aus, dass genug Sachbeweise vorliegen, um von der Täterschaft der Frau ausgehen zu könne. Auch rechtsmedizinische Untersuchungen bestätigten den Tatvorwurf. „Ich bin unsicher gewesen, ob ich überhaupt schwanger war“, sagte die Frau in der Verhandlung über ihre Situation vor der Geburt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits drei Kinder.

Vor Gericht wirkte die 50-Jährige selbstbewusst und gelassen. Anders als ihr Ex-Mann, der als Zeuge geladen war. Der schmächtige Brillenträger machte einen angespannten Eindruck und verweigerte die Aussage. „Das war so nicht vorhersehbar und so nicht geplant“, zeigte sich der Vorsitzende Richter Michael Lembke überrascht über das Verhalten des 51-Jährigen. Wie Chlosta nach der Verhandlung sagte, hatte der Mann bei der Polizei eine eingehende Aussage gemacht. Diese könne nun nicht mehr verwertet werden.

Der Prozess wird am Donnerstag mit der Vernehmung von Polizeibeamten fortgesetzt.

Staatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt informierte die Presse am 9. September über den Fund der Babyleiche:

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