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Grossenwiehe : Mutter legte Babyleiche in Kühltruhe – Bewährungsstrafe

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Etwa zehn Jahre liegt die Leiche eines Säuglings in einer Tiefkühltruhe in Großenwiehe – die Mutter versteckte sie dort. Bei der 50-Jährigen liegt laut Gericht eine Persönlichkeitsstörung vor. Diese hat Einfluss auf die Schuld der dreifachen Mutter.

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erstellt am 30.Jan.2014 | 15:53 Uhr

Flensburg | Eine dreifache Mutter ist vor dem Landgericht Flensburg wegen Totschlags durch Unterlassen in einem minderschweren Fall zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht zeigte sich am Donnerstag überzeugt, dass die heute 50-Jährige vor mindestens zehn Jahren ihr Baby nach der Geburt nicht versorgt hatte, so dass es starb. Anschließend legte sie die Leiche in eine Tiefkühltruhe, wo sie erst 2012 vom Ex-Mann der Frau gefunden wurde. Das Gericht berücksichtigte eine verminderte Schuldfähigkeit der 50-Jährigen aufgrund einer Persönlichkeitsstörung. Sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger hatten eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Die Angeklagte hatte auf ihr Letztes Wort verzichtet.

Die 50-Jährige „sah sich aufgrund völliger persönlicher Überforderung außerstande, ein viertes Kind aufzuziehen“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Lembke. Sie habe sich in einer hochverzweifelten Situation befunden, in der sie „das Kind nicht als Kind, sondern als unüberbrückbares Problem angesehen“ habe. Die Frau habe ihre Schwangerschaft, die von ihren Angehörigen nicht bemerkt worden war, vollkommen verdrängt. Sie habe danach gehandelt: „Es hat nicht zu geschehen und kann nicht geschehen sein.“ 

Ein Gutachter hatte der 50-Jährigen zuvor eine schizoide und borderlinetypische Persönlichkeit attestiert, „die mit sehr wenig Emotionen auskommt“. Schon als Kind habe die Frau eine „soziale Schwäche“ mit Leistung kompensiert. Die Frau sei in ihrer Ehe unglücklich gewesen, habe sich vom Mann nicht unterstützt gefühlt und habe eigene Bedürfnisse nicht durchsetzen können.

Laut Gericht sprach für die Frau, dass sie ein frühes und umfassendes Geständnis abgelegt hatte und bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten war. Zudem sei die Tat etwa zwölf Jahre her, eine Sühnewirkung also nicht mehr im sonstigen Maß gegeben.

In einem weiteren Gutachten war nicht ausgeschlossen worden, dass das Kind, ein zwischen 2002 und 2004 lebend und lebensfähig geborenes Mädchen, auch durch eine „weiche Bedeckung“ getötet worden sein könne. Das Gericht sprach aber von „Spekulationen“. „Für andere Möglichkeiten gibt es keine Anhaltspunkte.“ Die Frau hatte das Kind im Wohnzimmer in der Nacht geboren. Der Ex-Mann hatte die Leiche durch Zufall beim Abtauen der Tiefkühltruhe gefunden. Damals lebte das Paar schon getrennt.

Staatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt informierte die Presse am 9. September 2013 über den Fund der Babyleiche:

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